Stendal/Tangermünde l Ein 32-jähriger Stendaler soll eine Frau in Tangermünde mehrfach ins Gesicht geschlagen haben. Er habe ihr Haare ausgerissen und ins Gesicht getreten. Grund seien Schulden gewesen. So die Anklage, wegen der sich der Mann vor dem Landgericht Stendal verantworten muss. Aussagen des Opfers und der Mutter der Gepeinigten geben dem Gericht ein Bild von dem Abend der mutmaßlichen Tat, die eine Mittelgesichtsfraktur bei der Tangermünderin nach sich zog.

Der 1. März 2019 sollte ein Mädelsabend mit ihrer besten Freundin werden, sagt das 32-jährige Opfer vor Gericht aus. Die Hausfrau hatte schon den ganzen Tag über ihr Handy Kontakt mit der Freundin des Angeklagten. Sie solle Geld zurückzahlen, das sie sich für einen Urlaub geliehen hatte.

Schlag ist letzte Erinnerung

Zwischen 18 und 19 Uhr kam die Nachricht, dass der Angeklagte für ein Gespräch vorbeikommt. Als die Hausfrau gerade ihren etwa einjährigen Sohn nach dem Baden anziehen wollte, klingelte es. Ihre beste Freundin übernahm. Die 32-Jährige ging raus in die Hofeinfahrt des Hauses. Das Letzte, woran sie sich erinnert, ist ein „dumpfer Schlag“, sagt die Tangermünderin vor Gericht.

Die Erinnerungslücke des Opfers füllt zumindest teilweise ihre Mutter im Zeugenstand aus. Sie saß mit ihrem Mann beim Abendbrot im Haus auf der anderen Seite der Hofeinfahrt. „Dann kam ein Schrei“, sagt sie. Die 57-Jährige rannte raus. „Sie lag da und starrte nur nach oben.“ Sie lag auf dem Rücken „wie ein Brett, Arme an der Seite“, daneben ausgerissene Haarbüschel, beschreibt sie die Szene vor Gericht. „Und morgen ist das Geld da“, habe sie eine Stimme von der Straße aus gehört.

Das Opfer befand sich derweil in einem Schock ähnlichen Zustand. Sie wurde in ihre Wohnung gebracht und fragte immer wieder nach ihren Kindern, bis schließlich die Polizei und der Krankenwagen eintrafen, so die Mutter.

Opfer wacht in Klinik auf

Zurück zu den Aussagen des Opfers vor Gericht. Denn im Krankenhaus setzen ihr zufolge die Erinnerungen wieder ein. Sie wachte in einem Krankenzimmer auf und war orientierungslos. „Alles war dumpf. Ich hatte Schmerzen“, beschreibt die 32-Jährige ihre ersten Erinnerungen nach der Tat. Ihr Gesicht war geschwollen. „Ich hatte hier vorne keine Haare mehr“, sagt sie im Zeugenstand und zeigt auf eine Stelle über ihrer Stirn.

Der Tangermünderin zufolge attestierte ihr der Arzt einen gebrochenen Oberkiefer, ein schiefes Nasenbein und das Jochbein wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Sie leidet bis heute an starken Kopfschmerzen und empfindlichen Zähnen.

Der Angeklagte hat sich nach der Aussage des Opfers und den letzten Nachfragen des Gerichts entschuldigt. Er wolle sie für seine Tat entschädigen. Die Hausfrau und Mutter reagierte nur mit Schweigen.