Stendal l Da hat einer aus Liebe zu seiner Frau übertrieben und dafür jahrelang alle Register gezogen, letztlich auch betrügerische, um ihre Ansprüche erfüllen zu können. Sehenden Auges ist ein 33-jähriger Vater aus einem Ort an der Elbe ins Unglück gerannt. Das Amtsgericht schenkte dem wegen Betruges vor Gericht stehenden Angeklagten Glauben und einen Vertrauensvorschuss. Es stellte das Verfahren gegen ihn vorläufig ein. Vorausgesetzt er ordnet sein Leben, spricht dazu sofort mit der Schuldnerberatung und zahlt monatlich 50 Euro von seinen Schulden ab.

Insgesamt 20 000 Euro seien es geschätzt, einen genauen Überblick hätte er nicht. Das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels könne wohl nur die Beantragung einer Privatinsolvenz bringen, waren sich Staatsanwalt und Gericht einig. Worum ging es.

Ehefrau wollte nicht arbeiten

Als alleinverdienender Berufskraftfahrer, seine Ehefrau wollte angeblich nicht arbeiten, brachte er monatlich etwa 1700 Euro Netto nach Hause. Nicht genug für seinen aufwendigen Lebensstil. Allein für die Miete des seinem Schwiegervater gehörenden Hauses seien 550 Euro, zuzüglich Nebenkosten, draufgegangen. Im Auftrag seines Schwiegervaters hätte er, 2013 beginnend, Strom-und Gaslieferverträge abgeschlossen. Gezahlt hätte er unter dem Namen des Schwiegervaters aber allein.

„Eine Zeitlang habe ich gezahlt, dann habe ich das nicht mehr geschafft“, sagt er vor Gericht. Etwa 8000 Euro seien für Strom und Gas aufgelaufen. Seinen Schwiegervater hätte er aber nicht informiert, seine Frau sowieso nicht. Einmal sei das Haus kurzzeitig „abgeklemmt“, nach Abschluss einer Ratenvereinbarung aber wieder beliefert worden. Als er wegen Verursachung eines Verkehrsunfalls seine Fahrerlaubnis los und zudem wegen Körperverletzung verurteilt wurde, fuhr er ohne „Pappe“ weiter, bis er erwischt und wegen 40-fachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde.

Vom Gehalt bleibt kaum etwas zum Leben

Das ging so bis Ende 2017, dann hätte er sich von seiner Frau getrennt. Jetzt laufe die Scheidung. Er wohne derzeit in Stendal bei seinen Eltern, verdiene im Schnitt als Kraftfahrer (mit Fahrerlaubnis) 1600 Euro. Davon zahle er über 300 Euro für das Kind. Bliebe kaum etwas zum Leben. Die Noch-Ehefrau beteilige sich nicht am Abbau der gemeinsamen Schulden.

Das Gericht bot schnelle Hilfe an. Es riet nicht nur zur sofortigen Inanspruchnahme der Schuldnerberatung in Stendal, es vermittelte aus dem Gerichtssaal heraus einen Beratungstermin für den selben Tag. „Gehen Sie sofort nach dem Prozess dorthin“, forderte das Gericht den 33-Jährigen auf. Der versprach, sich umgehend auf den Weg zu machen.