Stendal l Norman Görz ist im Stress. Das verwundert wenig. Erst drei Tage sind am Montag vergangen, seit er sein Geschäft „Mode Rebel“ an anderer Stelle neu eröffnet hat. Gut 500 Meter entfernt vom alten Standort in der Fußgängerzone in der Breiten Straße residiert der Laden für Frauenmode seit dem vergangenen Donnerstag am Kornmarkt 1. In jenem Haus also, das nach der Wende 24 Jahre lang leer stand und das vor fünf Jahren schließlich doch noch für 500.000 Euro renoviert worden ist.

Es entstanden damals drei Wohnungen und im Erdgeschoss des imposanten Eckhauses eine Gewerbefläche. Dort wurde vor vier Jahren mit der „City Lounge“ ein Café eröffnet, dem keine lange Lebensdauer vergönnt war. Vor fast genau einem Jahr schloss es wieder. Pläne des Stendaler Gastronomen Michael Rittmann, den Betrieb weiterzuführen, scheiterten. Mit seinem Imbiss blieb er an der Heerener Straße. Über die Vertragsbedingungen erzielte er mit dem Vermieter keine Einigkeit. Seitdem waren die Räume verwaist. Allerdings hatte Norman Görz bereits zu diesem Zeitpunkt einen Blick auf die Immobilie geworfen.

Größere Fläche für Ernsting‘s Family

Weil er sich entschieden hatte, ausschließlich auf Kleidung für Frauen zu setzen, wollte er in einen kleineren Laden ziehen. Die ehemaligen Räume der „City Lounge“ erschienen ihm ideal, der Plan wurde schließlich umgesetzt.

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Damit ist klar, dass in der Fußgängerzone ein weiteres Geschäft auf absehbare leer stehen wird. Ob bereits ein neuer Interessent vorstellig geworden ist für die Fläche in der Breiten Straße 16 neben dem Reiseland Lühe, beantwortete die zuständige Firma Lührs Immobilien aus Stade (Niedersachsen) auf Anfrage der Volksstimme nicht. Das Ladenlokal, in dem einst ein CD- und Geschenkartikel-Laden sowie die Modekette Chelsea beheimatet waren, ist nicht die einzige Immobilie der Firma, die derzeit auf einen neuen Mieter wartet. Nur wenige Meter entfernt im Haus mit der Nummer 73 herrscht im Erdgeschoss seit dem Umzug der Ernsting‘s Family-Filiale genauso gähnende Leere. Immerhin blieb das Unternehmen der Stendaler Innenstadt erhalten und verlagerte seinen Standort nur auf die andere Seite des Straßenzuges. Am 1. November wurde der neue Standort in einer Entfernung von knapp 20 Metern Luftlinie eröffnet.

Ernsting‘s Family, das seinen Stammsitz im westfälischen Coesfeld hat, benötigte eine größere Verkaufsfläche, begründete Pressesprecherin Frederieke Schmidt die Verlagerung: „Im Fokus unseres Umzugs stand die Vergrößerung unserer Filiale.“ Auf ab sofort 230 Quadratmetern könne man das Sortiment besser zu Geltung bringen. Die Weltbild-Dependance, jahrelang der direkte Nachbar des Ladens für Familienmode, traf hingegen ein komplett anderes Schicksal. Seit einigen Wochen schon machten große Aufkleber in den Schaufenstern darauf aufmerksam, dass die Tage der Stendaler Niederlassung des Augsburger Unternehmens gezählt sind. Der Ausverkauf war angesagt. Am vergangenen Freitag öffnete man zum letzten Mal.

Weiteres gastronomisches Angebot am Markt

Mittlerweile sind Handwerker damit beschäftigt, die Einrichtung abzubauen. Damit endet die 15-jährige Geschichte des Ladens in der Hansestadt. Das Geschäft in Stendal lief einfach nicht mehr, gibt Eva Grosskinsky, bei Weltbild für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, unumwunden zu. „Leider mussten wir unsere Filiale in Stendal schließen, da die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts in der Vergangenheit nicht zufriedenstellend war.“ Mit anderen Worten, die Kunden kamen nicht in der erforderlichen Zahl, der nötige Umsatz konnte nicht generiert werden. „Trotz verschiedener Initiativen wurde nicht mehr kostendeckend gearbeitet“, formuliert es Eva Grosskinsky. In der Zentrale zog man die entsprechenden Konsequenzen. Mit der Schließung verlieren vier Mitarbeiter ihren Job.

Übrigens ist auch Michael Rittman doch noch in der Innenstadt fündig geworden. Wo einst die städtische Tourist-Information und anschließend ein Immobilienunternehmen am Kornmarkt 8 ansässig waren, eröffnet er am kommen den Dienstag einen Imbiss. Die Schaufenster verkünden schon die Neuigkeit, derzeit laufen im Haus die letzten Verschönerungsarbeiten. Der Tresen steht bereits, neun Sitzplätze möchte er vorhalten. Einen täglichen Mittagstisch möchte Rittmann anbieten, dazu die Klassiker wie Bouletten, Currywurst und Kartoffelsalat.

„An einem Standort in zentraler Lage waren wir immer interessiert. Der Marktplatz bietet nach unserer Einschätzung sehr viel Potenzial“, nennt Anke Rittmann, die ebenfalls im Unternehmen arbeitet, die Gründe für die Veränderung. Die Keimzelle des kleinen Betriebes an der Heerener Straße bleibt erhalten. Hier werden die Speisen in der Küche jeden Tag frisch zubereitet.