Stendal l Im Landkreis Stendal war jeder Erwerbstätige im vergangenen Jahr statistisch betrachtet 19,4 Tage krankgeschrieben (im Bundesdurchschnitt sind es 17,6 Tage). Zahlen, die sich im Barmer-Gesundheitsreport 2018 finden. Die Krankenkasse hat für ihre Erhebungen die Daten von 5400 Erwerbstätigen aus dem Landkreis Stendal ausgewertet.

19,4 Prozent sei ein hoher Wert, ordnet Cynthia Pietsch-Stein ein, „aber immerhin fielen die Menschen im Landkreis Stendal damit einen halben Tag weniger aus, als im Jahr 2016“, so die Barmer-Regionalgeschäftsführerin. „Damals waren es 20 Tage.“

Vielfältige Ursachen

In diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnenswert: Im Vergleich der Landkreise Sachsen-Anhalts steht Stendal recht gut da. Die Spannbreite der ermittelten Fehlzeiten reicht von 17,5 Tagen im Altmarkkreis Salzwedel bis zu 22,6 Arbeitsunfähigkeitstagen im Saalekreis und im Landkreis Mansfeld-Südharz. In den Nachbarkreisen der Altmark sind die Werte schlechter als in Stendal. Im Jerichower Land fielen die Erwerbstätigen 21,1 Tage aus, im Landkreis Börde sogar 22,2 Tage. Im Nachbarland Brandenburg sind die Werte ebenfalls höher. Im Kreis Prignitz waren die Menschen 21,1 Tage arbeitsunfähig, im Kreis Ostprignitz-Ruppin 21,7 Tage und im Havelland 21,5 Tage. Was den Ostaltmärkern laut Barmer-Report am meisten zu schaffen macht, ist der Rücken. Bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems lag der Landkreis Stendal 32,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Anders gesagt: Rein statistisch gesehen, fiel jeder Erwerbstätige des Landkreises im vergangenen Jahr 5,1 Tage wegen Rückenbeschwerden aus.

Die Ursachen dafür können vielfältig sein, weiß Barmer-Regionalgeschäftsführerin Pietsch-Stein und nennt Beispiele: „Stress wirkt sich aufs Wohlbefinden aus und kann Rückenschmerzen verursachen.“ Viel sitzende Tätigkeit und wenig Bewegung gehören ebenfalls zu den häufigen Erkrankungsursachen und steigerten zudem langfristig das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes, gibt Pietsch-Stein zu bedenken.

Krankenstand steigt mit Alter der Belegschaft

Verständlich, dass die Barmer für das Thema „Rücken“ sensibilisiert ist und entsprechend reagiert. „Wir gehen in die Firmen, schauen uns gemeinsam mit Fachleuten wie Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern die Arbeitsplätze an, führen unter anderem Rückenvermessungen durch. Die Auswertung bekommen die Leute in die Hand und können damit zum Beispiel zu ihren Physiotherapeuten gehen.“

Beratung bedeute allerdings auch, auf die jeweilige Firma zugeschnittene Angebote zu unterbreiten. Wie und an welchen Stellen kann mehr für die Rückengesundheit der Belegschaft getan werden? Rückenschule, aktive Pause, Stress- und/oder Ernährungskurse wären mögliche Antworten – wenn gewünscht von der Barmer auch für die Belegschaften organisiert.

Depressionen bei jungen Menschen nehmen zu

Psychische Erkrankungen rangieren hinter den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Laut Barmer-Gesundheitsreport sind sie im Landkreis um 14,1 Prozent seltener, als im Bundesdurchschnitt. Auf alle Erwerbstätigen umgerechnet, machte das 2,9 Ausfalltage pro Beschäftigten im Jahr aus. Auffällig sei allerdings, dass in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen Depressionen immer häufiger vorkommen, stellt Cynthia Pietsch-Stein fest.

Bei Atemwegserkrankungen ist das Bild ein ganz anderes. Bei dieser Diagnose liegt der Landkreis Stendal um 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Auf Ausfalltage umgerechnet sind das pro Erwerbstätigen und Jahr 2,8 Ausfalltage.

Um solcher Statistiken zu Arbeitsunfähigkeiten zu bewerten, müssten jedoch viele Faktoren berücksichtigt werden, macht Christopher Kissmann, Pressereferent der Barmer, aufmerksam. Eines seiner Beispiele: Dort, wo die Belegschaft älter ist, steigen die Prozente bei den Erkrankungen. Andererseits können „hohe Krankenstände auch die Folge eines schlechten Betriebsklimas oder allgemein hoher Belastungen am Arbeitsplatz sein“, nennt die Barmer-Regionalgeschäftsführerin weitere mögliche Ursachen.

An Wochenenden besonders gesund?

Eine Erfahrung der Barmer auch: In Berufen, in denen oft körperlich gearbeitet werden muss, sind mit Arbeitsausfall verbundene Erkrankungen weit häufiger, als in Berufen, in denen das nicht der Fall ist. Cynthia Pietsch-Stein: „Wenn wir in unsere Statistiken für das Jahr 2017 schauen, sehen wir, das Busfahrer mit 33,2 Arbeitsunfähigkeitstagen im Jahr am meisten belastet sind. Ausgesprochen geringe Fehlzeiten gibt es in den Branchen, in denen die Beschäftigten nur wenig durch körperliche Tätigkeiten belastet sein dürften. Das gilt insbesondere für die IT-Branche.“

Zu guter Letzt räumt der Gesundheitsreport der Barmer mit einem immer mal wieder auftauchenden Irrtum auf. Den „blauen Montag“, den Wochenanfang als häufigsten Krankschreibungstag, gibt es nicht. Für den ersten Werktag der Woche weist die Sachsen-Anhalt-weite Barmer-Statistik die geringsten Prozentzahlen aus.

Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage mit 15,7 Prozent sind freitags zu verzeichnen. Montags sind 13,9 Prozent der erkrankten Erwerbstätigen arbeitsunfähig.

Die geringsten Prozentzahlen weist die Statistik an dieser Stelle für Sonnabend (12,5 Prozent) und Sonntag (12,2 Prozent) aus. Daraus zu schlussfolgern, dass Arbeitnehmer an Wochenenden „besonders gesund“ sind, sei auch wieder falsch, so Barmer-Sprecher Kissmann. Das dürfte vielmehr daran liegen, dass oftmals für diese beiden Tage keine Arbeitsunfähigkeitsmeldung erfolge.