Stendal l Es ist dringender Handlungsbedarf im Rettungswesen im Landkreis Stendal. Insbesondere bei der Hilfsfrist für Rettungswagen sieht es im Landesvergleich nicht rosig aus. Lediglich in 73,87 Prozent der Einsatzfälle (Zahlen von 2018) wird die eigentlich vorgesehene Frist von zwölf Minuten auch tatsächlich eingehalten. Aktuell liegt die Zahl für 2019 bei 75,34 Prozent.

In der Kreispolitik wird darüber beraten, wie möglichst schnell Abhilfe geschaffen werden kann. Bei der Kreisverwaltung wurde in den vergangenen anderthalb Jahren an einem Konzept für eine bessere Versorgung gearbeitet, insbesondere sollen zusätzliche Rettungswachen geschaffen werden. Hier ist die Sache allerdings ins Stocken geraten, wie der 2. Beigeordnete des Landrates, Sebastian Stoll (CDU), unlängst berichten musste. Die Krankenkassen wollen bei der Finanzierung nicht mitgehen.

Die Rettungswachen sollen über Investorenmodelle errichtet werden. Das heißt, dass Investoren die Gebäude bauen und dafür dann über Jahrzehnte eine feste Mieteinahme bekommen sollen. Die Krankenkassen wollen nun aber lediglich die ortsüblichen Mieten bezahlen.

Stoll ging in der vergangenen Woche im Umwelt- und Ordnungsausschuss noch einmal ausführlich auf die Situation ein und brachte Zahlen mit.

In Kläden liegt Quote nur bei 47,31 Prozent

Nach Angaben von Sebastian Stoll gebe es bei den Hilfsfristen (Dispositionszeit plus Ausrückezeit plus Fahrzeit) regional noch erhebliche Unterschiede im Landkreis. Während in der Stadt Stendal im Schnitt in 90,22 Prozent der Fälle die Zeit eingehalten werden, so ist es in Kläden nur in 47,31 Prozent der Fälle so. Auch Seehausen liegt mit 58,02 Prozent sehr schlecht.

Jährlich sind Tausende Einsätze zu fahren. 2018 waren es 8486 Rettungswagen-Einsätze und 2860 Notarzteinsätze im Landkreis. Ein Spitzenwert wurde 2015 erreicht, als es 11.987 Rettungseinsätze gab und der Notarzt 5404mal ausrücken musste.

„Wir sind mit unseren organisatorischen Maßnahmen am Ende“, sagte Stoll. Es müssen definitiv neue Standorte geschaffen werden. Nach den Vorstellungen des Landkreises soll es künftig in Stendal eine zweite Rettungswache geben. Darüber hinaus soll in Iden, Windberge und Klietz zusätzliche gebaut werden. Die Rettungswache in Kläden soll nach Bismark umziehen. Auch die übrigen Rettungswachen in Tangermünde, Tangerhütte, Havelberg, Seehausen und Osterburg sollen erneuert werden.

Zeitnah soll in Klietz und Iden begonnen werden. Auch in Tangermünde soll mit einem Neubau der Wache gehandelt werden. Es werde eine Beschlussvorlage für den Kreistag im Dezember vorbereitet, kündigte der Beigeordnete an.

Das Innenministerium weist darauf hin, dass die Hilfsfristen keine rechtlichen Vorgaben sind, sondern Planungsgrößen darstellen. Die Fortschritte im Land würden begleitet, heißt es.