Stendal l Diesen Kampf hatte Carola Radtke, Ortsbürgermeisterin von Wahrburg und Mitglied der Fraktion SPD/FDP/Piraten/Ortsteile schon in der Stadtratssitzung am 15. Oktober 2018 begonnen. Dort erkundigte sie sich nämlich, ob nicht in der dritten Etage der Ganztagsgrundschule im Zuge von deren Ausbau auch Toiletten installiert werden können. Die Verwaltung beschied die Anfrage negativ. Es sei kein Geld in der Kasse.

Das ließ Radtke nicht auf sich beruhen und formulierte einen Antrag zum Ausbau der Sanitäranlagen. Der stand bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates zur Abstimmung. „Für 298 Schüler sind die vorhandenen Toiletten einfach zu wenig“, sagte sie. Etwa bis Februar kommenden Jahres wird die dritten Etage zum Teil saniert. Es sollen vier Klassenräume, ein Lehrmittelraum und ein Archivraum, einschließlich der notwendigen Lärmschutzmaßnahmen hergerichtet werden.

Bis zu 100.000 Euro zusätzlich

Toiletten sind auch in der obersten Etage vorhanden, allerdings derzeit nicht nutzbar. Aus Kostengründen war deren Sanierung bislang abgelehnt worden. „Viele Eltern und auch die Schulleitung fordern mit Recht die Schaffung nutzbarer Sanitäranlagen in der dritten Etage“, formulierte Radtke in ihrem Antrag. Es sei nicht zu verstehen, dass die Schulkinder zum Toilettengang durch die halbe Schule laufen müssen, zumal Anschlüsse und Abläufe auf der Etage vorhanden seien. Die Nutzung der Sanitäranlagen gehöre zu einem sehr wichtigen menschlichen Bedürfnis und das insbesondere für Kinder. Es sollte nicht nur Geld für eine neue Schule ausgegeben, sondern auch für die Erhaltung der vorhandenen Gebäude mit vertretbaren Lern- und Arbeitsbedingungen investiert werden.

Radtke schlug viel Sympathie für ihren Vorstoß entgegen, allerdings machte sie Hardy Peter Güssau, Fraktionsvorsitzender von CDU/Landgemeinden, auf einen Schönheitsfehler in ihrem Antrag aufmerksam. Sie hatte keinen Betrag genannt, die die Sanierung kosten würde. „Ich bin auf ihrer Seite, aber in einen Antrag gehört eine Summe“, sagte er. Etwas unwirsch ließ sich der im Zuschauerraum sitzende Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum entlocken, wieviel für die Sanierung der Sanitäranlagen ausgegeben werden müsste. „80.000 bis 100.000 Euro kostet das“, schätzte er. Als dies mit ungläubigem Gemurmel quittiert wurde, sagte er trotzig: „Es müssen auch die Rohre neu gemacht werden“.

Wilfried Wollenberg (SPD) gab ein Beispiel für die Wichtigkeit der Toilette aus Sicht eines Großvaters. „Ich weiß noch, dass meine Enkeltochter die Toiletten an ihrer Grundschule so eklig fand, dass sie den ganzen Tag nichts getrunken hat, um nicht dorthin zu müssen“, schilderte er. Seine Fraktionskollegin Anette Lenkeit, langjährige Leiterin der Grundschule und nach eigenem Bekunden diejenige, „die sich am besten in dem Gebäude auskennt“, räumte ein, dass es ein zweischneidiges Schwert sei, zusätzliche Kosten zu beantragen. „Aber dann muss man sich fragen, was es noch für Rücklagen gibt, denn diese Toiletten bedeuten für mich Normalität“, sagte sie. Das sah auch die überwältigende Mehrheit im Stadtrat so, nur Helga Zimmermann und Sven Meinecke (beide Die Linke) enthielten sich.