Flut

Hochwasserschutz: 5 Millionen Euro fließen in den Treueldeich bei Tangerhütte

Lange haben die Tangerhütter auf die Nachricht gewartet, dass der Treueldeich am Sandkrug bei Rogätz endlich DIN-gerecht erneuert wird, um das Überflutungsrisiko der Tangerniederung bei Deichbruch zu minimieren. Immer wieder war die Sanierung verschoben worden, doch jetzt soll es losgehen, verbaut werden rund 5 Millionen Euro.

Von Birgit Schulze 01.08.2021, 14:11
Beim Elbehochwasser 2002 errichteten Bundeswehrsoldaten  den  bis dahin feheldnen Deichabschnitt am Treuel.
Beim Elbehochwasser 2002 errichteten Bundeswehrsoldaten den bis dahin feheldnen Deichabschnitt am Treuel. Archivfoto: Burkhard Steffens

Tangerhütte/Rogätz - Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) hat den Bauauftrag für den ersten Bauabschnitt des Treueldeichs bei Rogätz vergeben. Rund 5 Millionen Euro sollen dort zur Verbesserung des Hochwasserschutzes aus Landesmitteln und gefördert aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) fließen. Baubeginn soll noch im August sein, so teilt es das LHW mit.

Auf etwa 2,6 Kilometern Länge sei der neue Deich mit einer durchschnittlichen Deichhöhe von 2,2 Metern vorgesehen. Damit sei – bezogen auf das aktuelle Bemessungshochwasser – ein Freibord von einem Meter mit einkalkuliert, heißt es in der Beschreibung. Land- und wasserseitig werden die Böschungen in neuen Neigungen angelegt, wasserseitig wird eine 50 Zentimeter dicke Dichtungsschicht aufgebracht, die in die vorhandene Schicht des Vorlandes eingebunden wird.

Deichverteidigungsweg wird neu angelegt

Neu angelegt wird auch ein befestigter Deichverteidigungsweg auf der Landseite. Um den Hochwasserschutz in Richtung Rogätz zu vervollständigen, wird auch der Radweg mit erhöht. Außerdem soll die Deichscharte an der Einfahrt zum Kieswerk durch eine Überfahrt ersetzt werden, um den gefahrlosen Rad- und Fußgängerverkehr zu ermöglichen. Während der Bauphase wird der Radweg auf dem zu sanierenden Deichabschnitt gesperrt sein, eine Umleitung wird ausgeschildert. Während der Bauphase kann es zu Verkehrsbeeinträchtigungen an der Kreisstraße zwischen Rogätz und Sandkrug kommen.

An die Zeit, als das Jahrtausendhochwasser 2013 „Oberkante Unterlippe“ an den Deichen der Region stand und sich schließlich einen Weg ins ostelbische Hinterland bei Fischbeck bahnte, erinnert sich die Region bis heute.

Seit 2013 machen sich engagierte Stadträte und Bürger aus Tangerhütte für die DIN-gerechte Erneuerung des Treueldeiches stark.

Bei Deichbruch würde Tangerhütte geflutet werden

Bei einem Deichbruch an dieser Stelle würde die Stadt Tangerhütte und die halbe Tangerniederung geflutet, so die in den vergangenen Jahren immer wieder geäußerte Befürchtung.

Der Treuel, ein alter Elbarm, der bis heute teilweise zu Kehnert gehört, bildet den südlichen Zipfel der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte und von dort komme eine Gefahr, die bis 2013 fast völlig unterschätzt worden sei, betonten Engagierte wie Wolfgang Kinszorra, Stadtrat und Vorsitzender des Deichausschusses der Einheitsgemeinde, immer wieder.

Er hatte zusammen mit anderen Stadtratsmitgliedern 2014 den „zeitweiligen Ausschuss für die DIN-gerechte Sanierung aller Hochwasserdeiche in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ als Sonderausschuss des Tangerhütter Stadtrates ins Leben gerufen. Dieser forderte immer wieder Auskünfte und die zeitnahe Sanierung des Bauwerks am Treuel ein.

Der Deich, in dem Bäume wachsen, Stubben geblieben sind und neben dem zwei alte Baggerseen liegen, durch die die Gefahr des Unterströmens bei Hochwasser bestehen könnte, ließ manch einen Tangerhütter seit Jahren schlecht schlafen. Auch der LHW spricht nach Standsicherheitsuntersuchungen am Treueldeich von Defiziten und nicht erfüllten DIN-Vorschriften.

Sanierungsstart immer wieder verschoben

Zunächst hieß es, der Treueldeich solle ab 2017 saniert werden, dann rutschte er immer weiter nach hinten auf der Sanierungsliste des Landes, weil es viele weitere Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen gab.

Anfang 2020 sprach der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft von einem Baustart des ersten Deichabschnitts (Deichkilometer 0.0 bis 2.6) noch im dritten Quartal 2020, der wurde Ende des Jahres erneut verschoben. Auch der vergangene März konnte aufgrund rechtlicher Auseinandersetzungen um die Ausschreibung nicht gehalten werden.

Der Treueldeich soll in zwei Abschnitten ausgebaut werden, der erste ist der vom Deichkilometer 0,0 bis 2,6. Ihm soll im Anschluss der zweite Bauabschnitt (Deichkilometer 2,6 bis 4,4) folgen, der auch als sogenannter „Heldendeich“ von 2002 bezeichnet wird, weil ihn damals die Bundeswehr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgeschüttet hatte, um die Region vor dem ersten großen Jahrhunderthochwasser der Elbe zu schützen.