Stendal/Klietz l Ihr stehen die Haare zu Berge, wenn sie an den geplanten Bau eines Polders bei Klietz im Landkreis Stendal denkt. Ute Panther, Chefin der Agrargenossenschaft „Elbeland“ mit Sitz in Scharlippe, will deshalb am 20. August an der Pressekonferenz in Klietz teilnehmen, „um uns Bauern Gehör zu verschaffen“. Sie und andere Landwirte an Elbe und Havel treibe die Sorge um, dass mit den neuen Hochwasserschutzprojekten existenzwichtige Nutzflächen verloren gehen.

Dalbert stellt Projekte vor

Unangemeldet will sich Ute Panther unter die Geladenen mischen, denn der Kreisbauernverband sei nicht, wie sonst üblich, eingeladen worden, wenn es um das Thema „Mehr Raum für unsere Flüsse“ geht.

Gastgeber des Pressetermins in Klietz ist das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Magdeburg. Angekündigt ist, dass die Ministerin Claudia Dalbert (Grüne) über geplante Projekte von Deichrückverlegungen und Flutungspolder informiert. Dazu gehören Polder im Bereich Klietz-Schönfeld und Tangermünde, wobei Ersterer entgegen vorangegangener Planungen nun oberste Priorität hat.

Polder-Priorität umstritten

Ute Panther, die die im Urlaub weilende Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stendal, Kerstin Ramminger, vertreten möchte, unterstreicht: „Wir Landwirte stehen den Hochwasserschutzprojekten nicht negativ entgegen. Unvergessen bleibt das Jahr 2013, als Elbe und Havel unseren Raum überfluteten.“

Ein verbesserter Hochwasserschutz dürfe nach Ansicht der Landwirtin jedoch nicht dazu führen, „dass wertvolles Ackerland verloren geht“, zumal es aus ihrer Sicht eine bessere und kostengünstigere Alternative als den fast 71 Millionen Euro teuren Klietz-Polder gibt. Der Tanger-Polder koste hingegen nur rund 12,4 Millionen Euro, sei vom Fassungsvermögen größer ausgelegt und beeinträchtige bei Flutung meist nur Grünland.

Landwirte haben klare Forderungen

Der Tanger-Polder ist laut Kreisbauernverband aus Naturschutzgründen von Priorität hoch auf mittel zurück gestuft worden. Dazu merkt die Geschäftsführerin Kerstin Ramminger in ihrer Mitteilung an, dass bei der Ministerin der Naturschutz „immer an erster Stelle steht, leider auch beim Hochwasserschutz“.

Zudem erinnert die Kreischefin an Forderungen, die von der Bauernschaft im Landkreis Stendal - was Schutzprojekte betrifft - bereits 2014 aufgestellt wurden. Unter anderem dürfe der Hochwasserschutz nicht vor dem Naturschutz stehen, müsse Ackerbau weiter möglich sein, dürfe Landwirten nicht die Existenzgrundlage entzogen werden und müsse bei Flutungen eine Entschädigung wie beispielsweise in Brandenburg geregelt sein.

Gerade Letzteres sei überfällig, sagt Ute Panther, zumal der Klietzer Polder „ökologisch geflutet“ werden soll. „Bei dem Gedanken läuten uns Bauern gleich die Alarmglocken“. Denn ökologisch bedeutet, dass auch bei einem kleinen Hochwasser auf dem Acker „Land unter ist, damit sich die Pflanzen an das Wasser gewöhnen.“