Stendal l „Ich möchte da sein für Menschen. Ich möchte einfach etwas Gutes tun“, entgegnet Ingrid Bensch nach einigen Sekunden des Überlegens auf die Frage, warum sie sich in der Hospizarbeit engagiert. Dass sie sich für die Begleitung Sterbender und deren Angehöriger entschieden hat, hängt auch mit dem eigenen Erleben zusammen.

Die lebensfrohe Frau aus Molkenberg – ein Dorf nahe Schollene – hatte über Jahre ihre Mutter gepflegt. „Ich hatte so eine Angst vor dem Moment des Sterbens“, blickt sie zurück. Als es dann aber soweit war, habe sie den Tod als Erlösung für ihre Mutter empfunden, sagt sie. „Und ich habe gemerkt, dass ich den Tod akzeptieren kann.“ Aus diesem Erleben heraus, aber auch durch ihren christlichen Glauben. Ingrid Bensch: „Der Tod gehört zum Leben. Das eine kann es ohne das andere nicht geben.“

Angehörige einbeziehen

In der letzten Lebensphase ihrer Mutter hatte sie gemerkt, wie gut der Mutter Gespräche tun. „Einfach da sein, zuhören, sich austauschen. Das ist es auch, was ich jetzt beim Hospizdienst mache“, erzählt die 59-Jährige. Es sei ihr wichtig, Menschen am Ende ihres Lebensweges nicht allein zu lassen.

Bilder

Über die Mitarbeit im Hospiz habe sie schon länger nachgedacht, die Idee sei „eine Weile im Hinterkopf“ herumgeschwirrt. Seit die Ex-Buchhalterin zu Hause ist und mehr Zeit fand, beschäftigte sie sich intensiver mit dem Gedanken. „Letzter Anstoß war dann, als eine Bekannte als Hospizbegleiterin einstieg“, sagt Ingrid Bensch. Also entschloss sie sich, an einem Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter teilzunehmen. Seit einem Jahr hat die zweifache Mutter und mehrfache Oma das entsprechende Zertifikat in der Tasche.

Nun betreut sie Sterbende ambulant. Das heißt, vornehmlich in ihrer gewohnten Umgebung, also zu Hause oder in einem Pflegeheim. „Wir unterhalten uns viel. Da geht es wirklich um Gott und die Welt“, macht Ingrid Bensch deutlich. Die Themen reichen von der Familie über das Sterben bis zu Kindheitserinnerungen wie jüngst mal vom Schlachten auf einem Bauernhof. Mit einbezogen werden bei der Sterbebegleitung auch Angehörige, die sich oft „einer schwierigen Situation“ gegenübersehen. „Auch sie möchten wir nicht allein lassen.“

Im Regelfall betreut ein Hospizbegleiter einen Patienten. Etwa zwei bis vier Stunden pro Woche verbringen sie gemeinsam. Zudem sind die Ehrenamtlichen hin und wieder auch im stationären Hospizbereich mit seinen acht Betten in Stendal im Einsatz – auch eine Art Praktikum.

Patienten mit Lebensfreude

Der Umgang mit dem Tod gehört im ambulanten wie im stationären Bereich zum Leben der Hospizbegleiter. „Das ist normal“, sagt Ingrid Bensch. Natürlich sei auch sie traurig, wenn jemand geht, den sie betreut hat. Ihr Glaube gebe ihr Kraft, ebenso der Rückhalt in der Gruppe der Helfer.

Aber auch die Gespräche mit den Menschen, die sie betreut, sind Mutmacher: „Da lerne ich so beeindruckende Menschen kennen, die große Lebensfreude versprühen.“