Kinderheim-Sommerfest

Im Köckter Kinderheim bei Tangermünde darf die Seele wieder baumeln

In Köckte gab es am Mittwoch ein großes Fest. Kinder, Jugendliche und Erzieher feierten. Sie feierten, wieder mehr Freiheiten genießen zu dürfen. Und sie nutzten erstmals neueste Errungenschaften.

Von Anke Hoffmeister

Köckte - Kerstin Projahn ist einfach nur glücklich. Die Leiterin des heilpädagogischen Kinder- und Jugendheims in Köckte steht am Mittwochnachmittag mit ihren Kollegen und jungen Bewohnern auf dem großen Außengelände. Zusammen lauschen sie dem Auftritt der Gruppe 3. Kerstin Projahn ist begeistert, klatscht und singt mit. Die Überraschung ist Erzieher Sven Peuker gelungen. Mit den Mädchen und Jungen seiner Gruppe hatte er in den vergangenen Wochen das Stück „Terra Titanic“ von Peter Schilling auf Akkordeon, Keyboard und Schlagzeug für diesen Tag einstudiert.

Quarantäne, Corona und Co. strapazierten den Alltag

Gefeiert wird an diesem Sommernachmittag im Prinzip das „ganz normale Leben“. „Nachdem uns Quarantäne, Corona und Co in den vergangenen Wochen und Monaten ganz schön zugesetzt haben, wollen wir heute einfach einige schöne Stunde gemeinsam im Freien verbringen“, erklärt die Leiterin des Hauses.

Für das Sommerfest gibt es keinen festen Fahrplan. Nach einer gefühlten Ewigkeit mit strikten Zeiten und Regeln wollen die Kinder, Jugendlichen und Erzieher einfach mal wieder die Seele baumeln lassen, Spaß haben, sich austoben, freuen und ganz nebenbei viel Bewegung an den Tag legen.

„Deshalb werden wir heute auch unsere neuen Fußballtore einweihen“, berichtet Kerstin Projahn. Mit finanzieller Unterstützung der Hugo Meyer-Nachfahren-Stiftung und Avacon war diese robuste Anschaffung möglich geworden. Erst in der vergangenen Woche wurden die Tore geliefert und rechtzeitig zum Fest aufgebaut.

Lange trainiert für das große Turnier

„In der Lockdown-Zeit haben alle Gruppe sehr viel für das erste große Turnier trainiert“, so die Heimleiterin. Deshalb sei das Turnier zum Fest der Höhepunkt und zugleich Abschluss dieser Übungsstunden.

Erzieherin Britta Osterburg wird als Schiedsrichterin aktiv. Claas Tauscher und Denis Bügelsack, Mitarbeiter der Einrichtung, sind dafür verantwortlich, so wenig wie möglich Bälle in das von ihnen geschützte Tor zu lassen. Mit Kampfgeist und Spaß sind Jungen und Mädchen dabei, werden vom Spielfeldrand vor allen, die nicht aktiv sind, angefeuert.

„Jeder hat heute irgendeine Aufgabe“, gibt Kerstin Projahn zu verstehen. Bei Fußball- und auch Volleyballturnier sie die Teilnahme freiwillig. Und wer nicht mitmachen wolle, so wie beispielsweise Malwin, der dürfe sich auf andere Weise nützlich machen. Malwin hat für das Fest von seinem Bezugserzieher Chris Bünger eine Kamera zur Verfügung gestellt bekommen. Damit ist er zwischen beiden Spielfeldern unterwegs, hält Erzieher in Nahaufnahmen fest, verfolgt etliche Szenen durch den Sucher und ist begeistert von den Bildern, die er sofort auf der Kamera sehen kann.

Claas Tauscher im einem der Tor während des ersten Fußballturniers nach vielen Monaten Pause.
Claas Tauscher im einem der Tor während des ersten Fußballturniers nach vielen Monaten Pause.
Foto: Anke Hoffmeister

Kinder lernen schnell und freiwillig

Für Sven Peuker, der als 40-Jähriger noch einmal den Schritt gewagt hat, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen, ist der Auftritt seiner Gruppen-Band selbst ein gelungener Auftakt zu diesem Sommerfest. Seit gerade mal einem Jahr arbeitet der Seehäuser in Köckte. Zuvor hatte er eine eigene Musikschule, musste sich aufgrund der Sanktionen umorientieren.

Der musikalische Auftritt der Mädchen und Jungen der Gruppe 3 zum Auftakt des Sommerfestes.
Der musikalische Auftritt der Mädchen und Jungen der Gruppe 3 zum Auftakt des Sommerfestes.
Foto: Anke Hoffmeister

„Ich arbeite sehr gern mit Kindern“, erzählt er. Seine Begeisterung für die Musik, die er selbst von Kindheit an pflegt, konnte er offenbar gut auf die acht Mädchen und Jungen der Gruppe 3 übertragen. Erst im Juni hatten sie damit begonnen, „Terra Titanic“ zu proben. „Sie haben sehr schnell gelernt. Das ist beeindruckend“, gibt Sven Peuker zu verstehen. Auch wenn die Musik im Heim für die Kinder und Jugendlichen lediglich ein zusätzliches Angebot sei, so würden sie doch gern das zwanglose Üben annehmen.

Den Überraschungsauftritt zum Fest meistert das Team mit Bravour, darf sogar eine Zugabe spielen, wird namentlich – wie bei einem echten Konzert – von Sven Peuker vorgestellt und erhält zum Ende einen tosenden Beifall vom Publikum.

Sven Peuker motivert seine Band und die Zuschauer zugleich.
Sven Peuker motivert seine Band und die Zuschauer zugleich.
Foto: Anke Hoffmeister

Aktuell ist das Köckter Heim voll ausgelastet. 24 Mädchen und Jungen leben in dem Zuhause auf Zeit – in einem ehemaligen Gutshaus umgeben von viel Natur.