Film

Impfteam in Stendal ist Teil von Dokumentarfilm und erzählt von kuriosen Erlebnissen in der Pandemie

Impfstoff, Impfneid, Impfmüdigkeit – viele neue Wörter sind in der Pandemie entstanden. Im Stendaler Impfzentrum haben Friedhelm Cario und Christian Michael den Hut auf. Ein Filmteam hat sie wochenlang dabei begleitet.

Von Andreas König
Friedhelm Cario (rechts) und sein Stellvertreter Christian Michael – sie leiten das Impfzentrum in Stendal – gewähren einen Blick in den minus 80 Grad kalten Gefrierschrank, in dem der  Impfstoff, zum größten Teil von Biontech/Pfizer, gelagert wird.
Friedhelm Cario (rechts) und sein Stellvertreter Christian Michael – sie leiten das Impfzentrum in Stendal – gewähren einen Blick in den minus 80 Grad kalten Gefrierschrank, in dem der Impfstoff, zum größten Teil von Biontech/Pfizer, gelagert wird. Foto: Andreas König

Stendal - Würde Friedhelm Cario all seine Überstunden auf einmal abbummeln, hätte er wahrscheinlich monatelang frei. Der Leiter des Impfzentrums Stendal hat vor allem in den erste Wochen und Monaten an kaum einen Tag weniger als zwölf Stunden gearbeitet. Seinem Stellvertreter und Kollegen Christian Michael ging es nicht viel besser.

„Das waren schon nervenaufreibende Woche und Monate“, sagt Christian Michael. Der gebürtige Stendaler lebt und arbeitet in Hamburg – eigentlich. De facto ist er seit vergangenem Dezember in Stendal als stellvertretender Leiter des Impfzentrums tätig.

Impftzentrum in Stendal aus dem Boden gestampft

Gemeinsam mit seinem Chef Friedhelm Cario, eigentlich oberster Katastrophenschützer im DRK-Kreisverband Stendal und vielen Mitarbeitern hat er in den Räumen des Ausweichkindergartens in der Osterburger Straße in Stendal ein Impfzentrum aus dem Boden gestampft.

„Mitte Dezember haben wir erfahren, dass in Stendal ein Impfzentrum aufgebaut werden soll“, erinnert sich Friedhelm Cario. Am 23. Dezember wurde den Mitarbeitern die Technik vor die Türen gestellt. Am 26. Dezember kamen die ersten 598 Impfdosen unter Polizeischutz und in Tiefstkühlung nach Stendal, und am 28. Dezember erhielten die ersten Senioren ihre Impfung.

Das liest sich, als ob es ein reibungsloser Ablauf war, doch davon konnte, gerad ein den ersten Wochen und Monaten nicht die Rede sein.

Erfahrenen Katastrophenschützer mit Leitung des Impfzentrums in Stendal beauftragt

„Die klügste Entscheidung haben die Verantwortlichen des Landkreises getroffen, in dem sie erfahrene Katastrophenschützer mit der Leitung beauftragten“, sagt Christian Michael. Ebenfalls goldrichtig sei der Entschluss gewesen, dem Impfzentrum IT-Experten des Landkreises zur Verfügung zu stellen.

In schwierigen Situationen sei es extrem wichtig, die Lage zu analysieren, einen Entschluss zu fassen, den richtigen Leuten Weisungen zu erteilen und deren Ausführung zu kontrollieren – quasi militärisches Handeln. Solche festen Strukturen vermissten der Leiter und sein Stellvertreter ein ums andere Mal. „Wir mussten ellenlange Videokonferenzen mit mehr als 500 Teilnehmern absolvieren“, sagt Friedhelm Cario. Sowohl der Sinn als auch der Erfolg seien mehr als zweifelhaft gewesen.

Plakat zum Dokumentarfilm "Das Impfdrama - Deutschlands Weg aus der Pandemie".
Plakat zum Dokumentarfilm "Das Impfdrama - Deutschlands Weg aus der Pandemie".
Repro: Andreas König

„Die Lage änderet sich manchmal stündlich“, erinnert sich Christian Michael. „Einmal kam unangekündigt eine Lieferung mit 100.000 Tupfern an. Da konnten wir sehen, wie wir die vielen Kartons gelagert bekommen.“ Ein anders Mal waren die Spritzen zur Neige gegangen. Mitarbeiter des Impfzentrums schwärmten aus, um in den Apotheken der Umgebung zu kaufen, was es an Spritzen noch gab. „Auch die Terminvergabe war anfangs eine Katastrophe“, erinnert sich Christian Michael.

Die Kommunikation zwischen dem Impfzentrum Stendal und den Mitarbeitern der Hotline 116117 war eigentlich nicht vorgesehen. „Manchmal gaben wir uns als Impfwillige aus, um dann vielleicht doch mal mit einem Mitarbeiter reden zu können“, ergänzt Friedhelm Cario. Je nachdem, wer am anderen Ende der Leitung saß, konnte eine Lösung gefunden werden, oder eben auch nicht.

Chaotische Tage im Impfzentrum in Stendal

In den chaotischen Tagen des Anfangs wurden die Mitarbeiter des Impfzentrums Stendal von einem Filmteam begleitet. Dominik Wessely und Antje Boehmert, die bereits die preisgekrönte Dokumentation über das Unglück bei der Loveparade und die Gerichtsverhandlung produziert haben, suchten einen ländlichen Gegenpol zur Großstadt Duisburg, in der der Film ebenfalls spielt. Sechs Mal war das Thema in Stendal um Friedhelm Cario, Christian Michael und die rund 25 Mitarbeiter des Impfzentrums zu begleiten.

Ausgestrahlt wird „Das Impfdrama – Deutschlands Weg aus der Pandemie“ am 21. Juli um 22.50 Uhr im Ersten. Auch in der ARD-Mediathek ist der Film abrufbar.

Nach dem Stand der Dinge wird das Impfzentrum zum 30. September geschlossen. Cario hält das für einen Fehler. „Die nächste Welle kommt, Auffrischungsimpfungen werden notwendig.“ Doch egal, wie es weitergeht, er und sein Stellvertreter werden andere Aufgaben übernehmen.