Stendal l Die Reaktionen der anderen Fraktionen auf den CDU/Landgemeinden-Antrag kann als insgesamt wohlwollend beschrieben werden. Eine Abstimmung gab es allerdings noch nicht, denn es gibt mehrere Wünsche, vor allem redaktionelle, die im Antrag berücksichtigt werden sollten. Einem Antrag, mit dem die Stadtverwaltung beauftragt werden soll, eine Machbarkeitsstudie zur Erschließung, Nutzung und Vermarktung der Flächen in Auftrag zu geben, die einst für den Bau des Flughafens Berlin International bei Buchholz vorgesehen waren. Aus dem Projekt ist bekanntlich nichts geworden, die Flächen sind aber immer noch frei – und nah am künftigen Trassenverlauf der A 14 gelegen. Für die antragstellende Fraktion der zentrale Punkt, das Areal wieder in den Fokus zu rücken.

Fraktionen wollen konkrete Formulierungen

Ein zweiter Punkt: Wenn die Einheitsgemeinde Tangerhütte als Partner gewonnen werden könnte, würde eine Gesamtfläche von zirka 1000 Hektar verfügbar sein. „Das ist in Deutschland einmalig“, sagte der CDU/Landgemeinden-Fraktionsvorsitzende Thomas Weise. Die Machbarkeitsstudie sei beantragt worden, „um etwas in der Hand zu haben, um die Fläche weltweit zu bewerben“.

Als Beispiel aus aktueller Zeit wurde während der Diskussion im Hauptausschuss mehrfach die Großansiedlung des Autokonzerns Tesla im brandenburgischen Grünheide genannt – auch mit dem Argument: Wenn ähnliche Anfragen wie in Grünheide kommen, muss die Hansestadt Stendal vorbereitet sein.

Für die vier anderen Ratsfraktionen sagten deren Vorsitzende während der Ausschusssitzung grundsätzliche Zustimmung zu, allerdings unter einem Vorbehalt: Die Machbarkeitsstudie nur dann in Auftrag zu geben, wenn es dafür Fördergeld gibt. Nach Schätzung der CDU/Landgemeinden-Fraktion könnten Gesamtkosten von 100 000 Euro für die Studie entstehen. 80 Prozent davon könnten vom Land Sachsen-Anhalt gefördert werden, dazu müsste bis Ende März dieses Jahres der Förderantrag gestellt werden.

Von den anderen Fraktionen werden außerdem konkretere Formulierungen zum Inhalt des Gutachtens eingefordert und auch dazu, wie die Zusammenarbeit mit der Einheitsgemeinde Tangerhütte aussehen soll. Christian Röhl, Vorsitzender der Fraktion Freie Stadträte Stendal/Bürger für Stendal, schlug zudem vor, dass eine Art Willensbekundung festgeschrieben wird, dass die Aktivitäten für die Buchholzer Flächen keine Auswirkungen auf die Industrie- und Gewerbegebiete haben, die im Zusammenhang mit der A 14 nahe des Flugplatzes Borstel und der Abfahrt Uenglingen geplant sind.

Ist das wirklich die Zukunft der Altmark

Eher skeptisch sieht Reiner Instenberg (SPD) das Vorhaben. Der Landesentwicklungsplan sehe Borstel als Fläche für Gewerbe- und Industrieansiedlungen an der A 14 vor, zudem hätten Osterburg und Seehausen Bedarf angemeldet. Zudem gebe es andere Flächen im Umland. Dass die Chinesen, die ein Batterie-Werk bauen wollten, sich nicht im Industriepark Arneburg angesiedelt haben, habe nicht am Platz gelegen, so Instenberg, „sondern an fehlenden Fachkräften in der Region“. Das müsse auch beachtet werden. Zu den vielen offenen Fragen, die er sieht, gehören in Zeiten einer weltweiten Klimadebatte auch diese: „Sind wir bereit, in der Altmark große Flächen zu versiegeln? Ist das wirklich die Zukunft der Altmark, ist das wirklich gewollt?“ Instenberg: „Konzentrieren wir uns auf das, was wir haben, oder wollen wir Neues angehen und uns dabei verzetteln?“

„Wir wollen mit der Studie doch nur zeigen, ob diese in Deutschland einmalige Fläche für Industrieansiedlungen geeignet ist“, reagierte Thomas Weise. Denn viele Einwohner in Stendal und der Altmark „erhoffen sich von der A14 einen wirtschaftlichen Aufschwung“, ist sich der Fraktionsvorsitzende sicher. Sein Credo: „Wer es nicht versucht, kann nichts gewinnen.“