Tangerhütte l Die Feuersbrunst in Bittkau am letzten Junitag sitzt nicht nur den Tangerhütter Kameraden noch in den Knochen. „Wir waren als eine Wehr von vielen vor Ort“, erinnert Heiko Steinig-Pinnecke. Von einer Strohpresse ausgelöst, fraßen sich die Flammen über ein Stoppelfeld durch eine Obstbaumplantage und ein Waldstück von hinten an die Robert-Blum-Straße in das Dorf hinein. Mehrere Grundstücke wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, ein Wohnhaus vollständig zerstört. Wind und fast 40 Grad Celsius Hitze erschwerten die Löscharbeiten, an denen rund 150 Männer und Frauen aus verschiedenen Wehren beteiligt waren. Der Dürre geschuldet wurde das Wasser schnell knapp, so dass rund fünf Kilometer an Schlauchleitungen verlegt werden mussten.

„Durch die Thermik ging das Feuer förmlich über uns hinweg“, schildert Steinig-Pinnecke die scheinbar aussichtslose Situation. Zu kämpfen hatten die Feuerwehrleute an diesem Tag aber nicht nur mit den Flammen, sondern in ihrer Schutzausrüstung auch mit der Hitze. Selbst die Aufräumarbeiten am Folgetag, an dem die Mitarbeiter des Tangerhütter Bauhofes beteiligt waren, „machten alles andere als Spaß.“

28 technische Hilfeleistungen

Der Brand in Bittkau war mit Sicherheit der größte Einsatz, zu dem die Kameraden der Ortsfeuerwehr Tangerhütte im Jahr 2019 ausrücken mussten. 61 weitere tauchen in der Jahresstatistik auf. „28 technische Hilfeleistungen, der Rest waren Brandeinsätze“, so die Bilanz von Steinig-Pinnecke.

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Im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig war ebenfalls der Einsatz in der Blumenstraße von Tangerhütte. Schnell vor Ort gelang es den Kräften rechtzeitig, eine brennende Styropor-Fassade zu löschen. „Das Feuer hätte sich rasch ausbreiten und enormen Schaden verursachen können“, so der Wehrleiter im Nachhinein. Er erinnerte an ein ähnliches Brandszenario im großen Stil, dem 2017 in London ein 24-geschossiges Wohnhaus und mit ihm 72 Menschen zum Opfer fielen.

Zahlreiche Brände gelöscht

In 2019 schlagen weiterhin mehrere Flächenbrände, drei Laubenbrände, Brände an Land- beziehungsweise Forstmaschinen, ein Wohnungsbrand in der Otto-Nuschke-Straße und ein Garagenbrand in der Schönwalder Chaussee zu Buche. Um andere Kameraden zu unterstützen, rückten die Tangerhütter außerdem nach Grieben aus. Direkt neben einer Tischlerei stand in diesem Dorf ein ehemaliges Sozialgebäude in Flammen.

Unverrichteter Dinge konnten die Frauen und Männer in rund zehn Fällen wieder in ihr Gerätehaus zurückkehren. Besonders in Tangerhütte Pflegeeinrichtungen kommt es immer wieder zu Fehlalarmen, ausgelöst durch empfindliche Brandmelder.

Für personellen Nachwuchs ist gesorgt

Zunehmend müssen die Tangerhütter Einsatzkräfte auch ausrücken, um für den Rettungsdienst Türen zu öffnen oder Tragehilfen zu leisten. Die Zahl der zu beseitigenden Sturmschäden ist dagegen rückläufig. Die morschen Bäume fielen bereits den Unwettern der Vorjahre zum Opfer, begründet Steinig-Pinnecke. Auch würden die Waldeigentümer mehr darauf achten, dass kranke Bäume in Straßennähe gefällt werden, bevor etwas passiert.

Viermal rückten die Kameraden aus, um nach Verkehrsunfällen eingeklemmte Personen aus ihren Fahrzeugen zu befreien. Einmal kam jede Hilfe zu spät. Auf der Bundesstraße 189 war bei Lüderitz wieder ein Menschenleben zu beklagen.

Ohne die Feuerwehr wäre es übrigens auch um die Veranstaltungen im Tangerhütter Kulturhaus schlecht bestellt. Je zwei bis drei Kameraden sorgen dort regelmäßig als sogenannte Brandsicherheitswachen für Sicherheit. 27 Mal opferten die Männer und Frauen, die über eine spezielle Ausbildung verfügen müssen, dafür im zurückliegenden Jahr ihre Freizeit, jüngst erst zur Silvesterfeier.

Aus personeller Sicht spricht der Wehrleiter zwar nicht von einer komfortablen Situation, immerhin seien von den aktuell 39 Frauen und Männern in der Tangerhütter Einsatzabteilung, drei mehr als im Vorjahr, im Durchschnitt 17 bis 18 in Tagbereitschaft. In diesem Zusammenhang möchte er sich ausdrücklich beim Eisenwerk und bei dem Metallbaubetrieb bedanken, die in unmittelbarer Nähe des Gerätehauses angesiedelt sind und im Ernstfall problemlos ihre Mitarbeiter aus den Reihen der Feuerwehr freistellen. „Allein das sind sieben Personen, mit denen wir ein Fahrzeug voll besetzen können“, so der Wehrleiter. Zusätzliche Unterstützung kommt schließlich noch von fünf Mitarbeitern des kommunalen Bauhofes. Trotzdem: „Zehn Einsatzkräfte mehr am Tag wären super.“

Nachwuchstechnisch gibt es dagegen keine Probleme. 21 Heranwachsende sind derzeit in der Jugendwehr aktiv und aus diesen Reihen konnten in der Vergangenheit bereits einige in den aktiven Dienst übernommen werden. Der Nachwuchs für den Nachwuchs rekrutiert sich dagegen aus der Kinderfeuerwehr mit aktuell 30 Jungen und Mädchen. Nach wie vor ist hier die Nachfrage so groß, dass mit einer Warteliste gearbeitet werden muss.

Heiko Steinig-Pinnecke hebt auch die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung hervor: „Wenn wir Probleme haben, werden die behoben.“ So seien die persönlichen Schutzausrüstungen seiner Kameraden auf dem neuesten Stand. Außerdem wurde der Truppe in 2019 ein neuer Mannschaftstransportwagen zur Verfügung gestellt und auch für 2020 hofft der Ortswehrleiter auf eine Ersatzbeschaffung.

Firefighter starten für Tangerhütte

Für den guten Namen der Tangerhütter Feuerwehr über die kommunalen Grenzen hinaus sorgt seit 2018 eine Sportgruppe. Unter der Federführung von Johannes Meschke und Janine Steinig-Pinnecke trainieren sieben Kameraden, dank Sponsorenunterstützung, im selbst eingerichteten Sportraum für die Firefighter Combat Challenge. Im vergangenen Jahr gingen sie einmal in Kalbe und zweimal in Berlin an den Start. Vier bis fünf Wettkämpfe wollen sie im neuen Jahr besuchen. Die Disziplinen haben eindeutigen Feuerwehrcharakter und es in sich: Unter anderem mussten mit einem 20 Kilogramm schweren Schlauchpaket 60 Treppenstufen in kompletter Einsatzkleidung bewältigt werden.

Vorstellen werden sich die Tangerhütter Firefighter wieder im Rahmen des Tages der offenen Tür, zu dem zum letzten Sonnabend im April eingeladen wird. Die nächste öffentliche Veranstaltung am Gerätehaus wird das Weihnachtsbaumverbrennen am 5. Januar sein. Außerdem sind die Tangerhütter in diesem Jahr Gastgeber der Stadtrally für die Jugendfeuerwehren des gesamten Landkreises.