Neben Rissstelle findet ein Jäger Kadaver eines Muffelwidders / Abschusszahlen sinken

Kenzendorfer Wolf holt sich Mufflon-Schaf

24.12.2013, 01:01

Offenbar hat sich ein Wolfsrudel in der Region richtig eingenistet. Zum wiederholten Mal wurden Tiere gerisssen; jetzt ein Mufflon, das nur unweit der ersten Risstelle lag.

Von Gesine Biermann

Kenzendorf l Der Wolf oder die Wölfe, die in der Nacht zum Donnerstag voriger Woche drei Nutzschafe in Kenzendorf getötet haben, sind offenbar noch nicht weitergezogen. Denn es wurde erneut ein höchstwahrscheinlich in der Nacht zu vorgestern von einem Wolf gerissenes Tier gefunden.

Volkmar Effenberger, ein Jäger aus Letzlingen, entdeckte vorgestern Morgen etwa 800 Meter vom Kenzendorfer Forsthaus entfernt einen Mufflonwidder. Das etwa drei bis vier Jahre alte, 30 Kilogramm schwere Tier war komplett aufgefressen worden.

Jost Weber, zuständiger Berufsjäger im Revier, geht aus diesem Grund auch davon aus, dass es sich um mehrere Wölfe handeln müsse, da ein einzelnes Raubtier eine solche Menge Fleisch gar nicht allein fressen könne. "Ein ausgewachsener Wolf schafft maximal vier bis sechs Kilo", bezifferte er. Der Kadaver des Mufflons war indes bis auf die Knochen abgenagt worden. Einzelne Rippenteile waren komplett durchgebissen. "So was schafft zum Beispiel kein Fuchs", ist sich Weber sicher.

Dass das Tier in der Nacht zu Sonntag gerissen wurde, sei ebenfalls verbürgt: Ein Jagdgast sei den Weg, auf dem das Tier vorgestern Morgen entdeckt wurde, nach dem Abendansitz gegen 17 Uhr abgefahren, "da lag es noch nicht hier". Ohnehin sind die Jäger der Region schon seit längerer Zeit sicher, dass es Wölfe im Wannefelder Forst gibt. Est im Mai habe ein Jäger morgens einen ausgewachsenen Wolf gesehen, berichtet Weber. Im Winter zuvor seien von etlichen Weidmännern Spuren im Schnee gefunden worden.

Dass das gerissene wilde Mufflon auf der offiziellen und erlaubten Speisekarte der Wölfe steht, sei ihm natürlich klar, versichert Weber. Der neue Riss, so kurz nach dem in Kenzendorf entdeckten, zeige indes, dass sich die Tiere dort in der Gegend aufhalten. "Und es ist wichtig, dass über die Wölfe gesprochen wird und sie nicht totgeschwiegen werden."

"Wir Jäger sind nicht gegen die Wölfe"

Eine Meinung, die sein Jagdkollege Volkmar Effenberger bestätigt: "Meist werden die Wölfe doch verharmlost, sie werden als Kuscheltiere dargestellt, die von den Schafen angegriffen werden und nur aus Notwehr zurückbeißen", sagt er augenzwinkernd und ernster: "Das ist aber ganz und gar nicht so."

Grundsätzlich könne jedes Tier gefährlich werden, versichert schließlich auch Jost Weber. Für die Zivilbevölkerung sieht er dennoch keine Gefahr. "Ein gesunder Wolf wird niemals einen Menschen angreifen." Das Problem liege auf anderer Ebene: "Wir Jäger sind nicht gegen die Wölfe", rückt Weber die landläufige Meinung vieler Wolfsbefürworter zurecht. "Aber die Wölfe bringen uns keine Strecke."

Durch die Anwesenheit der Raubtiere würde das Wild heimlicher, aber auch hektischer, schließe sich zu größeren Gruppen zusammen und verlasse oft weiträumig die Bereiche. Die durch den Gesetzgeber vorgegebenen Abschusszahlen könne so mancher Jäger in seinem Revier dann nicht mehr erreichen. Das werde zwar in Sachsen-Anhalt nicht mit einer Strafe belegt, sei aber dennoch problematisch für die Bestandspflege.

Aus diesem Grund wäre es im Sinne der Jäger, wenn die Region offiziell als Wolfsgebiet anerkannt würde. Erst dann könne der Gesetzgeber auf das Vorkommen reagieren und beispielsweise Schutzmaßnahmen wie das Nachtjagdverbot auf bestimmte Wildarten einschränken oder aufheben, hofft Weber. Denn "der Wolf erschwert uns eindeutig die Bejagung". Das Land Brandenburg sei da schon weiter. Dort habe man den Wolf, wenn auch als ganzjährig geschütztes Tier, bereits ins Landesjagdgesetz integriert.