Klimanotstand

Die Erklärung des Klimanotstands ist ein Beschluss, mit dem erklärt wird, dass der Wandel des Klimas einer Krise entspricht und dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um diese zu begrenzen.

Der Begriff Klimanotstand bezeichnet nicht nur Beschlüsse, sondern auch weitere Aktionen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Stendal l Es wird ernst. Die Zeiten der Vorbereitung sind vorbei. Nun müssen Robin Ebbrecht und seine Mitstreiterin Julia Zigann den Senat der Hochschule Magdeburg-Stendal überzeugen. Immerhin das wichtigste Gremium der Lehranstalt. Zumal ihr Anliegen keinesfalls eine Lappalie ist. Der Student der Rehabilitationspsychologie möchte erreichen, dass die Hochschule den Klimanotstand (siehe Infokasten) ausruft. Damit verbunden: Die Erarbeitung eines Klimakonzeptes, um unter anderem die Kohlendioxid-Emissionen der Hochschule innerhalb von zehn Jahren von 1934 Tonnen auf einen Netto-Wert von Null zu senken. Bedeutet, dass zwar das Treibhausgas immer noch ausgestoßen wird, der Ausstoß jedoch beispielsweise mit dem Erwerb von Klima-Zertifikaten kompensiert wird. Ein ambitioniertes Ziel, hinter dem der Wahl-Stendaler aber voll und ganz steht. „Es ist eine mutige Forderung, aber es ist auch nötig, mutig zu sein“, beschreibt er seinen Ansatz.

Freie Universität als Vorbild

Vor der Sitzung macht der 22-Jährige einen entspannten Eindruck. Lampenfieber ob des wichtigen Auftritts ist ihm nicht anzumerken. Dafür ist er von der Sache auch viel zu überzeugt. „Die derzeitigen Maßnahmen reichen einfach nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erreichen“, stellt er fest. Die Hochschule sei zwar nur ein kleines Rädchen, dennoch müsse man seiner Ansicht nach danach drehen. In den vergangenen Monaten hat er deshalb ausgiebig für das Projekt geworben.

Während des Sommersemesters kontaktierte er die verschiedenen studentischen Vertretungen an den insgesamt fünf Fachbereichen der Hochschule. Bei vier hatte er Erfolg, sie unterstützen sein Anliegen. „Da habe ich viel Zeit damit verbracht, E-Mails zu schreiben und Video-Konferenzen zu organisieren“, erzählt er von seinem Engagement. Dass aufgrund der Corona-Einschränkungen persönliche Kontakte kaum möglich waren, entmutigte ihn keineswegs. Stattdessen versuchte er, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.

Auf die Idee, seine Hochschule nicht nur für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren, sondern auch aktiv zu werden, war der gebürtige Nordhesse im November des vergangenen Jahres gekommen. Damals hatte er mitbekommen, dass die Freie Universität Berlin den Klimanotstand ausgerufen hatte. Fast zur selben Zeit stieß er auf ein Papier der Wiener Scientists fro Future (englisch: Wisschenschaftler für die Zukunft), in dem sie sehr konkret ein Konzept für eine klimaneutrale Universität darlegten. Robin Ebbrecht las den Bericht mit viel Gewinn. Einige Inhalte finden sich daher auch im Stendaler Konzept wieder.

Klima-Beirat als Ziel

Das setzt dabei nicht nur auf die Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen – hochschul-bedingte Flugreisen in europäische Nachbarländer sollen zum Beispiel vermieden werden –, sondern geht darüber hinaus. Ein wichtiges Mittel dabei: Den Klimaschutz an der Hochschule institutionell zu verankern. „Es wäre wichtig, einen Klima-Beirat zu gründen, der das Thema kontinuierlich begleitet“, nennt Robin Ebbrecht eine Möglichkeit. Mindestens genauso bedeutsam sei es aus seiner Sicht, den Posten eines Klimaschutz-Managers für die gesamte Hochschule zu schaffen. Ein weiterer Baustein, um das Bewusstsein für den Klimawandel zu schärfen: Das Thema in die Lehre zu integrieren. Und zwar in allen Fachbereichen der Hochschule. Also auch in jenen Fächern, die auf den ersten Blick wenig damit zu tun haben.