Stendal l In der Praxis für Allgemeinmedizin Birgit Laleike im Stendaler Ortsteil Vinzelberg fällt sie auf: Lorna Jacob. Die geborene Lorna Laleike kommt nicht im Einheitsweiß, dem typischen Bild von Arztpraxen daher, sondern trägt einen auffällig grünen Pullover. „Ganz in Weiß mag ich nicht“, sagt die frischgebackene Allgemeinmedizinerin zur Begrüßung. Im Februar hat sie nach etwas mehr als 15 Jahren mit zwei Unterbrechungen ihr Studium beziehungsweise ihre Ausbildung zur Fachärztin erfolgreich abgeschlossen.

Arztpraxis in Vinzelberg

„Durch die Geburt meiner Kinder und den Umstand, dass ich danach in Teilzeit gearbeitet habe, hat die Facharztausbildung etwas länger gedauert“, so die zweifache Mutter, die in Vinzelberg aufgewachsen ist. „Meine Eltern sind 1990 zusammen mit meiner Schwester und mir aus dem Raum Gardelegen nach Vinzelberg gezogen.“ Hier hatte ihre Mutter eine Arztpraxis übernommen.

Besondere Erinnerung an Sportlehrer

Dementsprechend durchlief die Tochter in Vinzelberg die Grundschule und behielt die Zeit in guter Erinnerung: „Es war damals eine sehr kleine Schule, und wir hatten eine tolle, junge Klassenlehrerin. Wir haben damals direkt neben dem Schulgebäude gewohnt, so dass ich einen sehr kurzen Schulweg hatte.“ Der Sportlehrer blieb ihr sehr in Erinnerung. „Er sagte immer, übern Zaun, Äppel klau‘n“. Tatsächlich seien sie und die Mitschüler für den Sportunterricht über den Zaun geklettert, wenn sie zum Tannenteich laufen wollten. Sie haben aber auch viel Zeit im Grünen verbracht und den Unterricht in den Wald verlagert, um Natur und Pflanzen kennenzulernen.

Schon damals war ihr Berufswunsch klar. Sie wollte Ärztin werden. „Die Vorstellung, Menschen helfen zu können, damit sie gesund werden oder bleiben, hat mir gefallen. Das wollte ich machen“, sagt die in Osterburg geborene Frau. Dass ihr Wunsch etwas mit dem Beruf der Mutter zu tun hatte, glaubt sie indes nicht. „Ich habe von ihrer Arbeit damals nicht viel mitbekommen.“

Studium an Wunsch-Universität

Mit dem Weg ans Gymnasium nach Stendal änderte sich der Berufswunsch nicht. Im Gegenteil: „Eine kurze Zeit habe ich damals darüber nachgedacht, wie es weitergeht, wenn es mit dem Medizin-Studium nichts wird. Doch ich habe mir gesagt, es ist das was du willst. Deshalb habe ich mich mit Alternativen wenig beschäftigt.“

Die Folge lag auf der Hand: Aus einer bis dato normalen Schülerin entwickelte sie sich eine zielstrebigen Lernerin. „Ich habe mich um jeden Vortrag und jede Aufgabe bemüht“, erinnert sie sich heute zurück. „Letztendlich wurde meine Zielstrebigkeit belohnt und ich bekam einen Studienplatz an meiner Wunsch-Universität - in Jena, an der schon meine Mutter studiert hatte.“

Bewusst für Allgemeinmedizin etschieden

Nachdem sie 2010 erfolgreich das Studium mit dem Staatsexamen abgeschlossen hat, zog es Lorna Jacob zusammen mit ihrem Lebensgefährten und jetzigem Ehemann weiter nach Leipzig. „Wir wollten zwar irgendwann wieder zurück in die Altmark, doch bis dahin noch etwas anderes erleben“, berichtet die 36-Jährige. Sie widmete sich, nachdem Vorbild der Mutter, einer Ausbildung als Fachärztin für Allgemeinmedizin.

„Ich hatte auch überlegt, Kinderärztin oder Internistin zu werden. Da hätte ich entweder ausschließlich Kinder oder vorwiegend die älteren Patienten behandelt. Da ich aber Patienten jeden Alters behandeln wollte und mir die Abwechslung gefällt, fiel die Entscheidung auf die Allgemeinmedizin.“

Verzögerung durch Familienplanung

Dies sollte noch einmal fünf Jahre dauern, doch nach der Hochzeit im Jahr 2011 stand die Familienplanung an, so dass sich die Facharztausbildung wegen der Elternzeit verlängerte. Mittlerweile hat sie zwei Kinder (sieben und fünf Jahre). Der letzte Teil der Ausbildung bestand aus der praktischen Arbeit in einer hausärztlichen Praxis.

Diesen absolvierte Lorna Jacob zunächst in Leipzig, bevor es die Familie im Frühjahr 2019 zurück in die Altmark zog. „Unser Ältester kam in dem Jahr in die Schule. Wir wechselten den Wohnsitz, um ihm einen Schulwechsel zu ersparen.“ Daher war sie die letzten neun Monate der Praxis-Zeit bereits in Vinzelberg tätig.

Gemeinschaftspraxis

Privat hat sie im Raum Stendal eine neue Heimat gefunden. „Wir haben sehr lange nach einer Wohnung oder einem Haus in Stendal und Umgebung gesucht und hatten etwas Glück, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren.

Obwohl Lorna Jacob sich nach dem erfolgreichen Abschluss der Facharzt-Ausbildung nun anderswo niederlassen könnte, bleibt sie in Vinzelberg. „Meine Mutter und ich werden gemeinsam die Patientenbetreuung übernehmen. So wird die Praxis nicht mehr aufgrund von Urlaub geschlossen, da eine der zwei Ärztinnen immer da sein wird. „Mit der aktuellen Konstellation bin ich sehr zufrieden. Die Patienten können sich langsam an mich gewöhnen, sodass es keinen abrupten Wechsel gibt, wenn meine Mutter eines Tages das Zepter aus der Hand gibt“.

Ärztliche Versorgung auf dem Lande sichern

Dass sie bekannte Gesichter behandelt, verunsicherte die junge Ärztin nur am Anfang: „Ich war schon etwas verhalten, weil ich nicht wusste, wie die Vinzelberger auf mich reagieren. Schließlich kannten sie mich alle nur aus Kinder- und Jugendzeiten, da ich nun fast 15 Jahre weg war.“ Die Unsicherheit verflog schnell. Sie wurde gut aufgenommen. „Das lag sicher auch daran, dass durch meine Eltern alle darüber informiert waren, dass ich Medizin studiere und irgendwann zurückkehren werden.“

Perspektivisch hat Lorna Jacob sich als Ziel gesetzt, die Praxis ihrer Mutter zu übernehmen und fortzuführen. Damit ist die ärztliche Versorgung in Vinzelberg und Umgebung auch in der Zukunft abgesichert. Im Privatleben möchten sie und ihr Mann sich einen Traum erfüllen: eine Safari-Rundreise durch Afrika.