Hilfe für dürregeschädigte Bauern

Ökologische Vorrangflächen (Brachen) dürfen seit 1. Juli auf Antrag für Futterzwecke genutzt werden.

 

Finanzminister Schröder wies die Finanzämter darauf hin, die Situation der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Über Anträge, unter anderem auf Stundung fälliger Steuern oder Anpassung der Vorauszahlungen, soll schnell entschieden werden.  

Die Landwirtschaftliche Rentenbank wurde gebeten, das Programm zur Liquiditätssicherung für von der Dürre betroffene Betriebe zu öffnen. Angeboten werden nun zinsgünstige Darlehen für Unternehmen, die einen Ergebnisrückgang von mindestens 30 Prozent im betroffenen Betriebszweig nachweisen können.

 

Die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt und die BVVG wurden gebeten, Pachtstundungen zu prüfen. Die BVVG hat bereits zugestimmt.

 

Eine Bürgschaftsregelung unter dem Namen „Land und Forst“ bei der landeseigenen Investitionsbank kann genutzt werden für Kredite für Investitionen, für Umschuldungen und Anschlussfinanzierungen sowie für Betriebsmitteldarlehen.

Stendal/Uchtdorf l „Es ist bestes Erntewetter“, spöttelt Wolfgang März, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Uchtdorf, fast schon sarkastisch. Er hat aber nicht unrecht. Fast rund um die Uhr sind die Mähdrescher im Einsatz. Über zu feuchtes Getreide und Arbeitsunterbrechungen durch Regen können die Bauern nämlich mit Sicherheit aktuell nicht klagen. Das ist aber auch das einzig Positive, was man der Situation abgewinnen kann.

Für Landwirte ist es Normalität, mit Wetterkapriolen zu leben. In diesem Jahr ist aber nichts mehr normal. Seit mehr als acht Wochen fiel in Uchtdorf und Umgebung kein nennenswerter Regen. Der sandige Boden ist ausgedörrt, selbst tiefer führende Wurzeln finden kein Wasser mehr. Die Pflanzen verkümmern, sterben ab. März kramt in seinem Gedächtnis: „1978 und Mitte der 80er Jahre hatten wir etwas Ähnliches erlebt.“

Tangergebiet schwer betroffen

In den meisten Ecken Sachsen-Anhalts und des Landkreises Stendal sieht es nicht besser aus, weiß Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Das Gebiet am Tanger sei zwar am schwersten betroffen, im ostelbischen Bereich sei es aber ähnlich schlimm. Auch die Wische mit ihren Minutenböden leide. Dort hätten die Bauern im Frühjahr wegen zu nasser Äcker erst sehr spät mit der Bestellung beginnen können, dann kam die Trockenheit.

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Die hiesigen Landwirte versuchen zu retten, was zu retten ist. Der 71-jährige März spricht von dem frühesten Ernteanfang, den er je erlebt hat. Beginne in der Regel erst Ende Juni/Anfang Juli der Drusch der Gerste, ist diese Kultur in diesem Jahr zu dieser Zeit vielerorts bereits vom Halm. Das Ergebnis lässt noch staunen. „Nur“ etwa 20 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre konnte von dieser Frucht in Uchtdorf eingefahren werden, schätzt März ein.

Selbst die größten Optimisten unter seinen Kollegen werden aber zugeben müssen, dass mit solchen „guten“ Ergebnissen bei den noch stehenden Kulturen nicht mehr zu rechnen ist. Je nach Bodenqualität können die Einbußen beispielsweise beim Raps etwa 50 Prozent und mehr betragen. Teilweise sieht man bei der Reise durch den Landkreis sogar Schläge mit Kulturen, die als Totalausfall abgehakt werden können. Die diesjährige Getreideernte wird aber nicht nur den Landwirten, sondern auch den Feuerwehrleuten in böser Erinnerung bleiben.

Staubtrocken und brandgefährlich

Es ist staubtrocken auf den Acker. Ein kleiner Stein im Schneidwerk eines Mähdreschers oder in einer Rundballenpresse reicht, und ein Funke kann schnell ein ganzes Feld samt Maschinen darauf in Flammen aufgehen lassen. Teilweise zehnmal und öfter innerhalb von 24 Stunden wurden in den vergangenen Tagen die Wehren alarmiert. Kulturen auf etlichen Hektar werden vernichtet, das Feuer nimmt das Wenige, was die Dürre noch ließ.

Schlimm ist es um den Mais bestellt, der teilweise bereits gelb wird. Er ist für die aktuelle Vegetationsphase viel zu klein. Sollte es in den kommenden Tagen doch noch regnen, könnte er massemäßig vielleicht noch zulegen. Auf vielen Schlägen wird es aber nicht mehr zu einer ordentlichen Kolbenbildung kommen, so dass in der zu erwartenden Silage die Energie fehlen wird.

Ganz düster sieht es mit dem Grünland aus. Nach einem mittelmäßigen ersten Grasschnitt kann der zweite als Totalverlust verbucht werden. Die Halme sind regelrecht verbrannt. Öffnen sich in den nächsten 14 Tagen die Wolken, können die Bauern noch auf eine Grasernte im Herbst setzen. Die Meteorologen geben ihnen aber wenig Hoffnung.

Futter wird knapp

Schon jetzt steht fest: Am Ende der Saison werden Maissilage und Heu fehlen. Futterknappheit ist vorprogrammiert. Selbstverständlich könnten die Viehhalter ihren Bedarf durch Zukäufe aus anderen Regionen decken. Woher aber das Geld nehmen, wenn mengen- und auch qualitätsmäßig gutes Getreide für den Verkauf fehlt und auch die Milchpreise alles andere als reichlich Gewinn versprechen?

Die Bauern sind in der Produktionskette in der schlechtesten Position. „Im Ackerbau müssen wir in der Hoffnung, dass das Wetter mitspielt, alles vorfinanzieren“, so März nüchtern. Der Handel diktiere die Preise für beispielsweise Saatgut und Düngemittel und auch auf die Preisgestaltung für ihre Erzeugnisse haben die Landwirte wenig Einfluss. Falle die Ernte dann schlecht aus, sei keiner der Geschäftspartner bereit, auch nur einen Cent abzugeben.

Hoffnung hält sich in Grenzen

Die Hoffnung des Bauernstandes auf Hilfe aus der Politik hält sich indes in Grenzen. Die Landwirtschaftspolitik wird europaweit geregelt und europäische Mühlen mahlen bekanntermaßen langsam. „Wer weiß denn in Brüssel, dass in Uchtdorf Dürre herrscht“, winkt März lakonisch ab. Ehe dort eine Behörde reagiere, seien in der Provinz die Messen gesungen.

Aber auch Sachsen-Anhalt sei in der Lage, Erleichterungen zu schaffen, so Ramminger. So fordere der Landesbauernverband die Aussetzung des sogenannten Wassercents in der aktuellen Trockenheitsperiode. Das sind Gelder, die Landwirte für die Wasserentnahme aus dem eigenen Brunnen an das Land zu zahlen hätten, also Einnahmen, für die das Land keine Gegenleistung bringe. Bisher sei diese Bitte der berufsständischen Vertretung aber ungehört geblieben.

Untätigkeit können die Bauern den Behörden in Magdeburg indes auch nicht vorwerfen. Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert sicherte Hilfe zu (siehe Kasten).