Eiserne Hochzeit

Lehrerehepaar Gisela (89) und Werner Lutter (93) aus Kehnert (Altmark) feiert 65. Hochzeitstag

Seit 65 Jahren sind Gisela und Werner Lutter aus Kehnert bei Tangerhütte verheiratet und zu diesem Jubiläum gratulierte nicht nur Ortsbürgermeister Jürgen Schröder gern. Das frühere Lehrerpaar an der Uetzer POS hat Generationen von Kindern begleitet und ist in der Region bis heute bekannt.

Von Birgit Schulze 21.07.2021, 11:55 • Aktualisiert: 21.07.2021, 12:27
Werner und Gislea Lutter feierten am Dienstag ihren 65. Hochzeitstag. Ortsbürgermeister Jürgen Schröder (links) gratulierte zur eisernen Hochzeit.
Werner und Gislea Lutter feierten am Dienstag ihren 65. Hochzeitstag. Ortsbürgermeister Jürgen Schröder (links) gratulierte zur eisernen Hochzeit. Foto: Birgit Schulze

Kehnert - Zur eisernen Hochzeit von Gisela und Werner Lutter gratulierten am Dienstag in Kehnert zahlreiche Nachbarn und Freunde. Am Tag ihrer Hochzeit vor 65 Jahren waren die beiden mit einem langen Tross durchs Dorf gezogen, um zunächst in der Kirche zu heiraten und dann in der Gaststätte zu feiern.

Es sei so warmes Sommerwetter gewesen, dass die Sahne auf dem Weg von der Molkerei zur Feier sauer geworden sei, erinnert sich der Bräutigam schmunzelnd. Doch das tat der Feierlaune damals keinen Abbruch, es spielte eine Kapelle aus Uchtdorf und es wurde viel getanzt.

65 Jahre später sei kaum noch jemand von denen da, die damals mit ihnen gefeiert haben, erzählen die 89-jährige eiserne Braut und ihr 93-jähriger Ehemann. Dafür waren Nachbarn und Bekannte und auch der Ortsbürgermeister, Jürgen Schröder, gekommen.

Für mehr Kinder hat die Zeit nicht gereicht

Letzterer hatte neben Blumengrüßen der Ortschaft sogar Glückwünsche des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Haseloff, sowie des Landrates im Landkreis Stendal, Patrick Puhlmann, mitgebracht.

Gefeiert wurde das Jubiläum aber auch mit der Familie. Mit einem Sohn und drei Enkelkindern haben Lutters für Nachfolger gesorgt. Für mehr Kinder habe die Zeit nicht gereicht, erzählt Gisela Lutter augenzwinkernd. Immerhin haben sich beide lange Jahren um die Kinder anderer Menschen gekümmert.

Sohn des Busunternehmers musste mit 16 an die Front

Werner Lutter wurde als Sohn des Kehnerter Busunternehmers Fritz Lutter im Alter von 16 Jahren, noch als Schüler, an die Ostfront geschickt und kam erst eineinhalb Jahre später aus dem Gefangenenlager in seine Heimat zurück.

15 Jahre lang fuhr er im elterlichen Betrieb Bus, mit 33 Jahren entschied er sich, noch ein Lehramtsstudium aufzunehmen – auf Drängen des damaligen Direktors der Uetzer Schule, Otto Sonnemann.

Dreißig Jahre lang war er dann Physiklehrer und Fachberater in der POS in Uetz und auch seine Frau, die in der Jugendarbeit begonnen hatte, war bis zur Wende in der Uetzer Schule als Lehrerin für die Unterstufe tätig.

Eiserne Braut hat elf Mal eine erste Klasse eingeschult

„Elf Mal habe ich eine erste Klasse übernommen und sie bis zur vierten begleitet“, erzählt sie. Werner Lutter war außerdem als Ausbilder bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv und in der damals 100 Mitglieder umfassenden Ortsgruppe Kehnert des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Gisela Lutter leitete viele Jahre eine eigene Sportgruppe an der Uetzer Schule. Kein Wunder, dass bis heute viele Menschen der Region Familie Lutter noch kennen.

Während Werner Lutter in Kehnert geboren wurde, stammt Gisela Lutter aus dem Sudetenland (heutiges Tschechei). Am Tage ihrer Hochzeit haben beide noch nicht darüber nachgedacht, wie viel gemeinsame Zeit ihnen beschieden sein würde.

Dass sie beide bei recht guter Gesundheit ihre eiserne Hochzeit feiern dürfen, dafür seien sie sehr dankbar, sagen sie. Bis heute wird in Haus und Garten selbstständig gewirtschaftet. Besonders der Tomatenanbau mache ihnen viel Freude, erzählt das Jubelpaar.