Stendal l Die weibliche Dominanz im Saal fiel Susanne Fröhlich sofort auf. „Sind Sie von der Stadt, mussten Sie hierherkommen“, fragte sie einen einzelnen Herrn in der ersten Reihe. Bernd, wie er sich vorstellte, verneinte und war ab sofort immer mal wieder Ansprechpartner der Autorin und Journalistin, die auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Jacqueline Chmielewski ihr neuestes Buch, „Verzogen“, vorstellte. Sie hatte sich schon über den Begrüßungsapplaus gefreut, „obwohl ich doch noch gar nichts groß gemacht habe“ und bekundete, das Theater der Altmark zu lieben, „es ist eine tolle Kulisse“. Nach ihrer 500 Kilometer langen Anreise mit dem Auto aus dem Odenwald sei sie erstmal eine Runde um den Stadtsee gelaufen und habe das auch sogleich auf Instagram gepostet. Selbstironisch nahm die 55-Jährige die Tücken des Älterwerdens auf die Schippe. „Dann habe ich doch noch meine Lesebrille vergessen“, klagte sie, „aber hier in der Innenstadt gibt es ja alles.“ Man müsse nur sein Alter angeben, die Dioptrien ergebe sich daraus.

Zwischenfragen gestattet

Zwischendurch wies sie nochmal darauf hin, dass Bernd aber auch alle anderen sie sofort unterbrechen können, wenn etwas zu schnell oder missverständlich wäre. Das machte den Charme des Besuchs von Susanne Fröhlich aus, sie hielt den Kontakt zum Publikum, lies nicht einfach stur aus ihrem Buch vor. Das ist der mittlerweile zehnte Teil von Geschichten rund um Andrea Schnidt. Ihr erfolgreichstes Buch hingegen war „Moppel-Ich“, ein humorvoller Ratgeber über den Umgang mit dem einen oder anderen Pfund zuviel. Sie fand es schön, dass sich auch Männer für die Lesung interessierten, denn: „Ein Mann, der liest, macht in der Zeit keinen Mist“.

Um Mist geht es auch in „Verzogen“, denn Andrea erfüllt ihrem Paul einen Herzenswunsch und zieht mit ihm aufs Land. „Die künftige Arztgattin macht sich vom Acker auf den Acker“, wird das böswillig von ihrer Schwester kommentiert.

Als ihre Stimme etwas rauer wurde, unterbrach Fröhlich, um einen Schluck Wasser zu trinken. „Das soll ja glätten“, bemerkte sie. Eigentlich müsse sie ein Dixi mit sich führen, so viel trinke sie, helfen tue es allerdings nicht. Vor allem diese Hängebäckchen stören. Reflexartig fasste sich das Publikum ins Gesicht, außer Bernd.