Stendal/Osterburg l Wer die Lebensmittelspenden der Tafel in Anspruch nimmt, der muss vor allem eines: Zur Ausgabestelle fahren oder gehen und Schlange stehen. Und den „Einkauf“ nach Hause tragen. „Für viele Ältere, aber auch für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist das nicht möglich“, sagt Melanie Märtens, Leiterin der Stendaler Tafel in Trägerschaft des Sozialtherapeutischen Zentrums Gut Priemern. Und wenn diese Menschen dann auch noch auf dem Lande wohnen, da, wo nur selten ein Bus fährt, und sie selbst kein Auto haben oder nicht mehr fahren können, dann soll diesen Menschen geholfen werden. Das war der Ausgangsgedanke, der schließlich in die „Mobile Tafel“ mündete, die nun zu den Senioren nach Haus gefahren kommen möchte. Über das Projekt „Volksstimme-Leser helfen“ kamen dafür im vorigen Jahr rund 6000 Euro zusammen, die den Projektstart mit ermöglichten.

Ländliches Osterburg im Fokus

Die mobile Tafel ist ab sofort bereit: Es gibt ein Fahrzeug, es gibt die Lebensmittelkisten, es gibt ehrenamtliche Fahrer. Fehlen nur noch die Kunden. Die größte Hürde sind dabei gar nicht mal die vielen zu fahrenden Kilometer – sondern vielmehr die Menschen, denen geholfen werden soll. „Da ist ja auch Scham und Stolz, sich helfen zu lassen und sich damit einzugestehen, dass man etwas nicht mehr so gut alleine bewältigen kann“, sagt Märtens. Aber sie hofft auf einen Vorbildeffekt: Wenn erst einmal zwei, drei Menschen das Angebot annehmen, spricht es sich herum. Und sie hofft auf Nachbarn und Bekannte: „Dass sie uns vielleicht einen Tipp geben, wer Unterstützung brauchen könnte.“

Beginnen will man erst einmal im ländlichen Bereich Osterburg und dessen östlich und südlich gelegenen Gemeinden, also konkret: Osterburg, Meseberg, Königsmark, Düsedau, Walsleben und Erxleben. „Zunächst machen wir das von der Stendaler Ausgabestelle aus“, so Märtens, „wenn wir merken, dass der Zuspruch da ist und wächst, würden wir uns auch fest in Osterburg niederlassen wollen.“

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"Eine Herzensangelegenheit"

Auch wenn der mögliche Bedarf nicht in Zahlen fassbar ist, sind Märtens und ihre Tafelmitstreiter überzeugt, dass es ihn gibt. „In Gesprächen mit dem Jobcenter haben wir mitbekommen, dass es auf dem platten Land viele Bedürftige gibt, die Anspruch auf Leistungen hätten, sie aber nicht wahrnehmen.“ Nicht zuletzt sei es eine Möglichkeit für Senioren, die vielleicht in der Nachbarschaft niemanden mehr kennen, wieder Kontakte zu finden und sich Sorgen von der Seele zu reden. „Und wenn es nur drei Minuten Schnack mit unseren Ehrenamtlichen an der Haustür sind.“ Die Tafel, sagt Märtens, möchte auf diese Weise den Menschen, „die ihr Leben lang gebuckelt haben“, etwas zurückgeben. „Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit.“

Wo kann man sich melden?

Wer Unterstützung braucht oder jemanden kennt, der unterstützt werden sollte, melde sich unter Tel. 0151/18809462 (Montag-Freitag 8-12 Uhr) oder per Mail: mollesch@paritaet-lsa.de (Ansprechpartnerin ist Melanie Märtens).