Stendal l Den „schlechtesten Gag des Abends“ nannte es Matthias Höhn, ein Bundestagsmitglied (wie er eines ist) einen politischen Aschermittwoch moderieren zu lassen. Aber: Risikofreudig war die Linke im Landkreis Stendal schon immer und Höhn sicher, dass er den karnevalistischen „Toiletten-Unfall von AKK“ an Peinlichkeit kaum noch toppen können werde. Also frisch drauflos. Vor allem auf die neue CDU-Frontfrau, die ja auch Ehrenmitglied der Mainzer Ranzengarde sei. Ranzen gleich Bauch, der bei den männlichen Mitgliedern dieser Garde so umfangreich sei, dass Annegret Kramp-Karrenbauer Probleme damit habe, auf den ersten Blick das Geschlecht der am Pissoir stehenden Gardisten zu entdecken und zu identifizieren.

Dabei ließ er es dann auch bewenden und überließ das Feld den unumstrittenen Stars des Abends, die seit Jahren als Otto und Erna die politische Aschermittwochsbühne im Landkreis rocken: Helga Paschke und Katrin Kunert.

Wichtig: Impfung gegen AfD

Das heißt, erst mal schlurfte nur Otto alias Helga Paschke in den Saal, mit Rollator und einem Haufen Krempel darauf, unter dem sich – Gott sei Dank! – auch eine rote Decke befand. Die Bank an der Bushaltestelle von „Nüscht“ mitten auf dem Parkett des Sitzungssaals, das für die nächsten rund 40 Minuten zur „ grünen Wiese“ umfunktioniert wurde, war nämlich braun gestrichen. Otto, seine rote Decke über die Bushaltestellen-Wartebank schwingend, dazu: „Nee, uff ‘ne braune Bank setz ick mich nich!“ Dafür saß sein erster Gag.

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Ein ganzes Gag-Feuerwerk schossen die beiden dann ab, als auch Katrin Kunert zu den Klängen von Lippis Titel „Erna kommt“ einlief, rosa Band im Haar, weiße Kopfhörer auf den Ohren, Kaugummi kauend und einen großen Zekiwa-Kinderwagen schiebend. Drinnen lag Ernas Jüngste, mit der sie zum Kinderarzt nach Seehausen müsse, erklärte Erna dem verdutzten Otto, und weiter: „Meine Chantal-Luise-Petra muss geimpft werden, gegen Masern und so‘n Kram und gegen AfD“, worauf die Kleine aus dem Wagen heraus fürchterlich zu schreien anfing. Müsse aber sein, so ihre Mutter, denn die „Adolferitis für Deutschland“, wie Otto das Partei-Kürzel AfD übersetzte, sei nicht wie gehofft 1945 aus- therapiert worden.

Im Klarstellen von Abkürzungen hatten die beiden übrigens noch so einiges in petto. Zum Beispiel für die Stendaler CDU, die genau genommen ein „fürchterlicher Männerverein und Drafi-Deutscher-Fanclub“ sei, so Otto, worauf er und Erna den Hit „Marmor, Stahl(helm) und Eisen bricht, nur unser Schweigen nicht...“ anstimmten.

Reflex löst Scheibenwischer aus

Die Christdemokraten blieben noch einige Sätze lang im Fokus der linken Polit-Satiriker, lieferten sie doch mit dem immer noch nicht aufgearbeiteten Wahlskandal von 2014 und dem aktuell angekündigten Rauswurf von „Schulz und Konsorten“ Steilvorlagen.

Ihr Fett bekamen auch Donald, das größte „Trampeltier aller Zeiten“, die Befürworter von qualmenden Gartenfeuern, die Müllentsorgung im Landkreis und der stellvertretende Landrat Gruber (SPD) ab.

Letzterer leide unter Pawlowschen Reflexen, also solchen, die Bewegungen auslösen, ohne dass sie vorher das Gehirn passieren, erläuterte Otto dem ebenso unwissend wie gespannt an seinen Lippen hängenden Publikum. Wie sonst hätte es sein können, dass Gruber, zu einem Kreistagsmitglied gewandt, die „Scheibenwischer“ genannte Bewegung machte.

Mit uns könnses ja machen...

Auch Landrat Wulfänger (CDU) wurde nicht verschont. Der toure unermüdlich durch sein Reich, lade zu vertraulichen Gesprächen und stelle die Landratsarbeit zugunsten des Wahlkampfs ein. Und so weiter. Mit dem Schöbel-Lied „Mit uns könnses ja machen...“, einer Polonaise und viel Applaus zogen sie schließlich von dannen, um den nächsten Akteuren des närrischen Abends Platz zu machen: Elfriede und Gisela (Antje Damker und Petra Piehl aus Sandau), die aus dem Nähkästchen, sprich aus ihrem hier und da etwas schlüpfrigen Familienleben plauderten.

Den Punkt aufs Aschermittwochs-i setzte Bernd Kreissl, Stand-up-Komiker und Musiker aus Potsdam, genauer Werder an der Havel, mit seinem Programm „Euch mach ich fertig“. Und auch er wurde mit jeder Menge des beliebten Brotes der Künstler belohnt, mit Beifall. Kommentar aus dem Publikum, das meist Ü 70 war: „Haben se doch wieder jut jemacht.“