Vienau l Warum Rainer Wichmann aus Vienau bei Kalbe in der Altmark mit der politischen Wende mit dem Zollstocksammeln begann, weiß er auch nicht so genau. „Jeder hat ein Hobby und ich halt das Sammeln von Zollstöcken“, gibt der heute 57-Jährige als Antwort. Einen ehemaligen Schweinestall hat der Vienauer im Laufe der 30 Jahre umgebaut, damit er genügend Platz findet, um alle Zollstöcke auch unterzubringen. Denn bis vor wenigen Tagen hat Rainer Wichmann 3388 Exemplare in seinem Bestand gehabt. „In diesem Jahr möchte ich noch 3400 Zollstöcke erreichen“, setzt sich der Montagearbeiter als Ziel. Zwei bis drei Zollstöcke bringt der Vienauer jede Woche von seiner Montagearbeit mit nach Hause. Auch untereinander tauscht der 57-Jährige regelmäßig Zollstöcke.

Ebenfalls ist er zur Börse im April in Köthen mit einem Bekannten aus dem Ort dabei. „Wenn ich Zollstöcke doppelt habe, werden sie getauscht“, erzählt Rainer Wichmann und zeigt voller Stolz auch seine selbst gebauten Regale in den beiden Räumen des früheren Stallgebäudes. Dort sind alle 3388 Exemplare ordnungsgemäß sortiert.

Klein und ganz groß

Und die Gegenstände gehen von dem kleinsten Zollstock von 50 Zentimeter bis zu einem vier Meter großen Gegenstand aus dem Straßenbau. Rainer Wichmann hat sie alle geordnet und Stück für Stück in den verschiedenen Regalen sowohl an den Wänden als auch an der Decke in den eigens gebauten Regalen angebracht.

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Dortmund-Zollstock

Einen Lieblingszollstock hat der frühere aktive Kicker von Eintracht Vienau und Fußballfan von Borussia Dortmund nicht. Dennoch sammelt der 57-Jährige auch die Messlatten von bekannten deutschen Fußballvereinen. Darunter sind zum Beispiel auch der 1. FC Magdeburg und der VfL Wolfsburg. Aber auch vom früheren VfB Leipzig, der kurzzeitig in der Bundesliga kickte, besitzt der Vienauer ein Exemplar.

Ansonsten ist die Mehrzahl der aktuell 3388 Exemplare von Firmen aus der Altmark und ganz Deutschland. Einige von ihnen gibt es zum Teil nicht mehr und beim Anschauen der Messlatten werden auch so manche Erinnerungen wach. Auch aus Holland und der Schweiz hat sich Rainer Wichmann in den zurückliegen 30 Jahren während seiner Montagetätigkeit verschiedene Zollstöcke mit in die altmärkische Heimat gebracht. Das wollte er auch aus Israel. Doch in dem Land konnte er trotz intensiver Suche kein Exemplar finden und musste so ohne einen Zollstock die Heimreise antreten.

Freunde teilen Sammlerleidenschaft

Seine Sammlerleiderschaft teilen auch die Vienauer Einwohner und Freunde aus der Region. Wenn sie ins Ausland reisen, dann bringen sie für Rainer Wichmann gelegentlich einen Zollstock mit. Was dem Vienauer noch in der großen Sammlung fehlt, sind Zollstöcke aus Übersee, wie Amerika oder Australien. „Ja, das wäre nicht schlecht, auch aus diesen Ländern einen Zollstock zu bekommen“, verrät der 57-Jährige, der im selbem Atemzug beklagt, dass die Preise für die Messlatten aus Kunststoff oder Holz teurer geworden sind und der Vienauer bei so manchem Gegenstand schon einmal tiefer in die Tasche greifen muss. Übers Jahr verteilt, kommen da einige hundert Euro zusammen.

Im laufenden Jahr möchte der Vienauer noch das 3400. Exemplar ins Regal stellen. Das nächste Ziel ist dann die 5000er-Marke. Ob er die 11 000-Stück-Marke, so wie der Weteritzer Tilo Giesecke, einmal erreicht, lässt Rainer Wichmann offen.