Stendal l Ein wenig seltsam erschien Manuela Conrad, Kassenwartin des Kleingartenvereins „Zum Waldblick“, der neue Pächter schon nach kurzer Zeit. Kontakte zu den anderen Vereinsmitgliedern pflegte er so gut wie gar nicht. Stattdessen zog er sich in die Isolation zurück. Seine Parzelle schottete er blickdicht ab. Was hinter den Zäunen passierte, darüber wusste niemand so richtig Bescheid.

Sprechen konnte man mit dem Mann darüber ebenfalls kaum. Meist tauchte er zu später Stunde auf dem Gelände auf, ging dann auf schnellstem Wege in seine Parzelle. Für einen kleinen Plausch am Gartenzaun war der Stendaler nicht zu begeistern. Was dabei aber auffiel: Oft hatte er allen möglichen Plunder dabei, transportiert mit einem kleinen Fahrradanhänger. „Wir haben uns schon oft gefragt, was er damit so anstellt“, erzählt Manuela Conrad.

Kündigung ist die einzige sinnvolle Maßnahme

Im Laufe der Zeit verdichtete sich ein Verdacht: Offenbar handelte es sich beim Pächter um einen sogenannten „Messi“, einen Menschen, der scheinbar grundlos nutzlose Dinge hortet und nicht in der Lage ist, sich von ihnen zu trennen. Doch waren dem Vorstand zunächst die Hände gebunden. Sich einfach Zutritt zur Parzelle zu verschaffen, ist nicht erlaubt.

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So musste der kleine Verein, insgesamt umfasst er 28 Gärten, fast tatenlos zusehen, wie ein Teil des Geländes langsam aber sicher zur Müllhalde wurde. Vier Jahre hatte der Mann den Garten gepachtet. Viel Spielraum bleibt den Vereinen dabei nicht. „Es gibt die Möglichkeit der Abmahnung mit der Aufforderung, den Unrat innerhalb von vier Wochen zu beseitigen“, erklärt Peter Riebeseel, Vorsitzender des Landesverbandes der Gartenfreunde. Spürbare Konsequenzen zeitigt dieser Schritt oft nur bedingt. Wirklich sinnvoll sei eigentlich nur die Kündigung.

Zu diesem Schritt entschloss sich schließlich die Führung des Vereins „Waldblick“. Als Manuela Conrad schließlich den Garten betrat, verschlug es ihr die Sprache. „Ich habe nur noch Ekel gespürt“, sagt die Stendalerin. Dass das Unkraut hüfthoch stand, war noch das kleinste Übel. Im Prinzip habe man keinen Schritt vor den anderen setzen können. „Überall lag etwas rum. Die Laube war bis unters Dach mit Krempel vollgestellt“, beschreibt sie die gespenstische Szenerie.

Jürgen Doerks pflichtet ihr bei. Seit 29 Jahren, also seit der Gründung, ist er Mitglied des Vereins. Viele Kleingärtner hat er in den drei Jahrzehnten kommen und gehen sehen, so etwas habe er aber nie erlebt. „Das hat mir komplett die Sprache verschlagen“, sagt er.

Vereine bleiben auf den Kosten sitzen

Das Ausmaß der Vermüllung ist dieser Tage noch sichtbar. Zwei Arbeitseinsätze zu je drei Stunden waren nötig, um wenigstens ein bisschen Struktur ins Chaos zu bringen. Zu vier verschiedenen Haufen haben die Waldblick-Mitglieder die Hinterlassenschaften aufgeschichtet, um sie in dieser Woche endlich abzutransportieren. Fünf Container stellt die Stendaler Firma Voigt dafür kostenlos zur Verfügung. Den Müll möchte Manuela Conrad so schnell wie möglich loswerden. Denn auch der Abfall weckt bei manch einem Begehrlichkeiten. „Mülldiebe sind schon aufs Gelände eingedrungen und haben geklaut“, berichtet die Kassenwartin.

Etwas kurios mutet auf jeden Fall an, was der expedierte Kleingärner so alles hortete. Mehrere Sofas, alte Regale, Tische, Stühle, ein Flachbildfernseher, Blumentöpfe und eine Menge Elektroschrott. Wie so häufig hat der Garten-Messi sich nämlich nicht um die Entsorgung gekümmert. Die Kosten für die Entsorgung müssen deshalb die Vereine tragen. Die Verursacher in Haftung zu nehmen, ist juristisch sehr kompliziert. Da kommen dann oft vierstellige Beträge zusammen.

In Zukunft möchte der Verein deshalb ein genaueres Auge auf Parzellen-Anwärter werfen. Insgesamt möchte man wachsamer sein. In einem ähnlichen Fall hat man früher reagiert. Einem anderen Pächter wurde gekündigt.