Stendal l Am Ende kam ihm die Stendaler Wohnungsgesellschaft (SWG) auf fast schon klassische Weise auf die Spur. Per Zufall nämlich. Als sie sich im Zuge eines Einsatzes Zutritt zur Wohnung verschafften, schlug den Feuerwehrleuten das pure Chaos entgegen. Die Zimmer vollgestellt mit unzähligen Gegenständen, ohne Ordnung, ohne Zusammenhang. Der Mieter entpuppte sich als klassischer Messie. Für die SWG kein Einzelfall.

„Wir sind ein Großvermieter mit etwa 4000 Wohnungen. Da ist im Prinzip nicht zu verhindern, dass sich auch mal ein Messie bei uns einnistet“, schätzt SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik ein. Die Schwierigkeit sei vor allem, den Problemmietern auf die Schliche zu kommen. Denn im Normalfall fallen diese kaum auf. Es sei denn, sie horten in großem Stil Müll oder Tiere in ihren eigenen vier Wänden. Dann „macht leider der Gestank darauf aufmerksam“, beschreibt Jircik die unappetitliche Seite des Phänomens.

Ansonsten sei es schwer, präventiv Einfluss zu nehmen. Würde nicht irgendetwas Außergewöhnliches passieren, werde das Unternehmen erst beim Auslaufen des Mietvertrages oder bei einer Zwangsräumung mit dem ganzen Ausmaß einer vermüllten Wohnung konfrontiert. Denn viele der Messies nähmen es ab einem bestimmten Zeitpunkt auch mit der Zahlungsmoral nicht mehr allzu genau, weiß der SWG-Geschäftsführer aus eigener Erfahrung: „Wer die Kontrolle über seinen Alltag verloren hat, hat nun mal auch in den meisten Fällen die Kontrolle über seine Finanzen verloren.“

Kosten im fünfstelligen Bereich

Auf den Kosten der Räumung bleibt in der Regel die SWG sitzen: Die mit der Räumung beauftragte Spedition muss bezahlt werden und im Anschluss ist eine grundhafte Renovierung fällig. Von den Mietschulden sieht der Vermieter höchst selten etwas wieder. Im Etat der SWG sei deswegen ein fünfstelliger Betrag für diese Zwecke eingestellt.

Ob Männer oder Frauen eher dazu neigen, zum Messie zu werden? Die Frage vermag der SWG-Geschäftsführer nicht zu beantworten. Einen Unterschied gibt es seiner Erfahrung nach dennoch: Demnach würden Männer eher Gegenstände horten, während Frauen eher zu Tieren, beispielsweise Katzen, neigten.