Hochschwangere Schönhauserin findet im Spendenlager Babykleidung / 30 Helfer im Einsatz

Mit Baby im Bauch auf Spendensuche

Von Nora Knappe

Im ehemaligen Supermarkt im Langen Weg, wo bis vor kurzem noch gähnende Leere herrschte, ist jetzt wieder voller Betrieb. Statt Dosensuppen, Wurst und Gemüse geht hier jetzt aber massenhaft Kleidung und Wäsche über die Theke - kostenlos für die Flutopfer.

Stendal l Eigentlich hat sie alles schon gekauft: Strampler, Mützchen, Hemden, Söckchen..., was ein Neugeborenes eben so zum Anziehen braucht. Und nun muss Anika Haak alles nochmal besorgen, ist es doch ungewiss, wann sie wieder in ihr vom Wasser umzingeltes Zuhause in Schönhausen zurückkehren kann. Dorthin, wo alles fürs Baby vorbereitet war.

Zum Glück konnte die Hochschwangere bei ihren Eltern in Tangermünde unterkommen. "Darüber bin ich sehr froh, es wäre für mich unvorstellbar, in der Notunterkunft zu wohnen." Denn auch so ist die Situation für die junge Frau und ihr Baby im Bauch stressig genug. "Es macht sich auf jeden Fall bemerkbar, ich hab an Gewicht verloren und kann nicht richtig schlafen." Im August soll das Kind zur Welt kommen.

Wie stark ihr Haus vom Wasser beschädigt wurde - das wissen Anika Haak und ihr Mann noch nicht. "Wir sind erst 2009 eingezogen", schildert sie, "wir haben es komplett saniert, mit viel Holz, es steckt so viel eigene handwerkliche Arbeit drin, das kann uns keiner ersetzen." Daran mag sie noch gar nicht denken. Und jetzt muss sie sich erstmal um neue Babysachen kümmern.

Beim Suchen hilft ihr an diesem Tag Annika Wendland. Ihr Arbeitgeber, das Finanzamt Stendal, hat sie für diesen Freiwilligendienst freigestellt. Mit ihr teilen sich etwa 30 Helfer - vom DRK, aus der Stadtverwaltung und eben vom Finanzamt - die Arbeit im Spendenlager, wo auch am Wochenende Sachen entgegengenommen, sortiert und ausgegeben werden. Auch Helga Pelzer und Ines Hoffmann gehören zu den Helfern, sie sichten Handtücher und Bettwäsche. Und für beinahe jede Spende, die sie aushändigen, bekommen sie eine ganz persönliche Geschichte. "Ich kriege jedesmal Gänsehaut, wenn ich an die Schicksale denke, an die Leute, die alles verloren haben", sagt Pelzer.

Das Spendenlager ist nun so lange eingerichtet, wie die Nachfrage besteht. Denn viele Hochwasser-Opfer müssen ja erst einmal nach Hause zurück, um zu sehen, wie groß der Schaden ist, was sie neu brauchen.