Tierschäden

Morddrohung wegen Nutria-Jagd

Die Verwaltung in Stendal geht gegen Nutrias vor. Doch Bürger reagieren mit Morddrohungen gegen den Bürgermeister.

Stendal l Die Hansestadt Stendal möchte den Nutria-Bestand deutlich dezimieren. Mit Lebendfallen sollen die Nager zunächst gefangen und anschließend von einem Jäger tierschutzgerecht getötet werden, wie Stadtsprecher Armin Fischbach auf Anfrage der Volksstimme berichtet. Verantwortlich für die Reduzierung des Bestandes sind das Tiefbauamt und das Ordnungsamt. Schwerpunkt der Aktion wird der Stadtsee sein. Dort haben sich die Nutria in besonderem Maße ausgebreitet, sagt der Stadtsprecher: „Es handelt sich um einen natürlichen Knotenpunkt, an dem der Großteil der Population lebt oder diesen zumindest regelmäßig passiert.“

Etwa 15 Exemplare halten sich an dem beliebten Stendaler Ausflusgziel regelmäßig auf. Weitere Tiere seien außerdem in der Uchte unweit des Nachtigalplatzes gesichtet worden. Auch im Bereich des Schwanenteiches und in der Nähe des Haferbreiter Weges haben sich die Tiere angesiedelt. Wie viele Nutria sich insgesamt im Stadtgebiet leben, weiß Fischbach nicht.

Die Entscheidung zeitigt dabei unschöne Folgen. Nachdem der Plan erstmals publik geworden war, erreichten die Stadtverwaltung auf verschiedenen Kanälen Morddrohungen gegen den Oberbürgermeister und Mitarbeiter. Der Urheber ist der Stadt bekannt, bei der Staatsanwaltschaft wurde Anzeige erstattet. Kommt der Fall vor Gericht, droht der Person möglicherweise eine Haftstrafe von einem Jahr oder eine Geldstrafe, wie Thomas Kramer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stendal, Auskunft gab. Auch wenn man den Drohungen mit der nötigen Seriosität begegne, ändere dies nichts an der Umsetzung des Plans, so Fischbach.

Die Stadt begründet die Maßnahme mit dem Hinweis auf die Beschädigungen, die Biberatten mit ihrer regen Bautätigkeit – sie leben in selbst gegrabenen Höhlen – entlang der Uchte und am Stadtsee anrichteten. Die Uferböschungen seien dadurch massiv ramponiert. „Die Schäden sind eine Gefahr für alle Personen, die in der Nähe der Ufer gehen würden“, erklärt Armin Fischbach. Im Extremfall könnten die Tiere sogar die Standfestigkeit von Gebäuden gefährden.

Die gefangenen Nutria an anderer Stelle auszusetzen und damit von der Tötung zu verschonen, komme nicht in Frage, meint der Stadtsprecher: „Wir würden damit unsere Probleme nur anderen aufbürden.“ Ein Beschluss des Stadtrates war nicht nötig, um die Sache in Gang zu bringen.

In welchem Zeitraum die Nutria sich in Stendal in großer Zahl ausgebreitet haben, lässt sich nicht abschließend klären. Allerdings deutet viel darauf hin, dass die Wetterbedingungen der vergangenen Jahre ihnen in die Karten gespielt haben.

Sie profitierten dabei vor allem von den milden Wintern, in deren Folge keine natürliche Reduktion des Bestandes stattfand. Armin Fischbach nennt einen weiteren Faktor: Im Stadtgebiet seien die Nager gut sichtbar. Viele Menschen verleite dies dazu, sie zu füttern. Was von Seiten der Stadtverwaltung im Übrigen gar nicht gerne gesehen wird. Schließlich ist die Fütterung von frei lebenden Wildtieren in Stendal generell verboten und kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro bestraft werden, wenn man dabei erwischt wird.

Die Jagd nach den Nutrias in den Stendal ist nicht erste Aktion dieser Art im Landkreis. Vor zwei Jahren hatte der Unterhaltungsverband Uchte, der für die Gewässer zweiter Ordnung und somit für eine Vielzahl von Gräben sowie den Oberlauf der Uchte zuständig ist, eine Prämie für die Erlegung ausgelobt.

Drei Euro wollte man den Jäger pro getötetem Tier zahlen. Um eine Ausrottung ging es dabei ausdrücklich nicht, sondern nur um die Regulierung des Bestandes, hieß es damals vom Unterhaltungsverband.