Stendal l Für Sandy Martin fühlt es sich gerade jetzt genau richtig an. Der passende Moment ist da. „Wenn ich den nicht nutze, dann ärgere ich mich nur“, sagt die Stendalerin, die am Freitag (29. Januar) einen neuen musikalischen Weg beschreiten wird: den als Solosängerin mit eigenen Liedern. Eingeschlagen hat sie ihn schon im vergangenen Jahr, denn vor der Veröffentlichung des Premierensongs „Kopflos“ am 29. Januar auf Spotify und YouTube mussten die Single und das Video ja erst einmal produziert und beworben werden.

Die Zeit zum Nachdenken während der Corona-Pause hat ihr bei der Entscheidung geholfen. Dass sie sich als Musikerin in Cover-Formationen etabliert und bei einem großen Publikum einen Namen gemacht hat, gab ihr zusätzlichen Rückenwind – und natürlich die vielen positiven Reaktionen der Konzertbesucher. Von denen hat sie oft gehört: „Sandy, mach doch endlich mal was Eigenes!“ oder die Frage: „Wo findet man denn eigene Stücke von dir, gibt es schon eine CD?“

Bisher musste sie verneinen – ab Freitag nicht mehr. Denn ab dann gibt es ihren Debütsong „Kopflos“. Die 40-Jährige beschreibt ihn als „Popballade mit Kopfnick-Potenzial“. Und sie verspricht: „Der Song wird viele, die mich kennen, erstaunen und überraschen.“ Weil man Sandy Martin so noch nicht gehört hat, weil die Stimme tief unter die Haut geht.

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Keine Partyhymne zu Corona-Zeit

Mit einem ruhigen, gefühlvollen Titel zu starten, sei eine bewusste Entscheidung gewesen: „In der Corona-Zeit wollten wir nicht mit einer Partyhymne rauskommen.“ Beim zweiten, schon produzierten Song geht es dann aber mit mehr Tempo zur Sache. Auch dafür stammen Text und Melodie aus der Feder von Sandy Martin. Worüber sie singt? „Über das, was mir im Alltag begegnet.“ Ihr ständiger Begleiter ist darum ein Blackbook, in das sie Begebenheiten, Gedanken und Songideen sofort notieren kann.

Auch wenn sie Englisch für eine „tolle Soundsprache“ hält und gern Coversongs singt, mag es Sandy Martin bei ihren eigenen Liedern muttersprachlich: „Deutsch ist die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann.“

Gefragt, wie sie ihre Lieder selbst beschreiben würde, sagt die Sängerin: „Richtung Deutsch-Pop mit sehr modernen Sound-Elementen“, basierend auf durchproduzierten Beats statt Schlagzeug und Gitarre. Für die Beats ist der Produzent, DJ und Berufsmusiker Lars Hengmith (Lars Music Berlin) verantwortlich, mit dem Sandy Martin seit Jahren in der Band „Luxusrausch“ auf der Bühne steht. Als „Mann fürs Visuelle“ haben sie sich den Foto- und Videografen Konrad Drüsedau aus dem Gardelegener Ortsteil Roxförde ins Boot geholt.

Video in Magdeburg gedreht

Das Video zu „Kopflos“ wurde in Magdeburg an verschiedenen Orten gedreht. Konrad Drüsedau, der Kreativkopf an der Kamera, schwärmte danach: „Ich muss es fühlen, um die Musik mit den Bildern zu verbinden. Und das hat bei dieser Arbeit wunderbar funktioniert. Schwere und Leichtigkeit in jedem Bild … und ganz viel Sandy.“ Wegen Corona war ein großes Team, zum Beispiel für die Beleuchtung, nicht gestattet. Für Sandy Martin, ganz Optimistin, kein Problem: „Genau das macht diese Zeit doch aus: Kreativ zu sein, wenn alles andere recht schwerfällt.“

Was ihr derzeit schwerfällt, ist der Verzicht auf die Liveauftritte. Vor Corona gehörten mehrere Aufritte pro Wochenende zum Alltag. Denn auf der Bühne steht sie erfolgreich in zwei Formationen: seit 18 Jahren im Duo „Sandy & Zigge“ mit Gitarrist und Bassist Mathias Ziegelski. Beide sind beste Freunde seit fast 30 Jahren, waren einst Mitglieder der Band „Neon“ und sind als „Musiker-Ehepaar“ zusammengewachsen. Seit sechs Jahren ist sie außerdem Frontfrau der Band „Luxusrausch“. Und wenn es die Zeit erlaubt, nimmt sie sich diese für Projekte mit dem Gardelegener HipHop-Künstler Mezia alias Mathias Philipp, den die Sängerin seit ihrer Jugend kennt.

Und der eine positive Mitschuld daran trägt, dass Sandy Martin im Alter von 17 Jahren in ihrer Geburtsstadt Gardelegen über den Hip-Hop zur Livemusik und auf die Bühne gefunden hat. Die ersten musikalischen Versuche fanden im Kinderzimmer statt, beeinflusst vom Musikgeschmack des Vaters. „Er ist ein großer Musikfan. Ich bin mit den Rolling Stones, The Hollies und den Mammas & Papas aufgewachsen“, erzählt sie. Musik, die sie noch heute gern hört – und die sie mit ihrem Vater bei Fahrten im Trabi zweistimmig gesungen hat. Gesungen hat sie anfangs aber meist allein, manchmal bei offenem Kinderzimmer-Fenster.

Und dabei hörte Mathias Philipp von der Straße her das junge Talent eines Tages, sprach die Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums an und lud sie zum Auftritt ein. Denn: Weibliche MCs – die Abkürzung steht bei Rappern für Master of Ceremonies – gab es damals in Gardelegen und Umgebung nicht. „Da musste man sich ganz schön beweisen“, blickt Sandy Martin zurück – eine gute Schule für die folgende Bühnenkarriere.

Vorprogramm für Jeanette Biedermann

Es folgten verschiedene Hip-Hop-Formationen und erste Kontakte nach Berlin. Schon schnell gab es einen Label-Vertrag als Studiosängerin, eineinhalb Jahre war das ihr Job. Sandy Martin wechselte zum Rock und Pop. „Ich bin eine Popstimme“, sagt sie heute. Mit der konnte sie schon auf großen Bühnen überzeugen, unter anderem im Vorprogramm von Jeanette Biedermann beim Sparkassen-Cup in Tangermünde.

Damals sollte ihre Karriere mit eigenen Songs starten – aus persönlichen Gründen nahm sie aber einen anderen Abzweig auf dem Lebensweg.

Sie studierte Rehabilitationspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal, legte eine Heilpraktiker-Ausbildung in Psychodiagnostik nach. In der ganzen Zeit stand sie in ihrer Freizeit auf der Bühne. Immer mit Coversongs („im musikalischen Servicebereich, um die Rechnungen bezahlen zu können“), auch wenn sie mit dem Texten eigener Songs nie aufgehört hat.

Vocalcoach in Stendal

An der nächsten Kreuzung bog Sandy Martin dann aber endlich auch beruflich in Richtung Musik ab. Denn das wollte sie wirklich machen, dafür schlug und schlägt ihr Herz. Heute arbeitet sie als Vocalcoach und Chorleiterin bei der Musikerfabrik Frank Wedel in Stendal und der Yamaha Rock-, Pop- und Jazzschule in Magdeburg. Sie betreut in Schulen Musikprojekte, unterrichtet Rock, Pop, Soul und Jazz. Ihr Ansatz dabei: „Ich möchte das Pop-Ego meiner Schüler fördern und kein schnödes Nachcovern hören.“ Bei ihrer Chorarbeit verfolgt sie das Konzept, Gesangsbegeisterten ohne Notenkenntnisse Pop beizubringen: Sie singt ihnen die Melodie vor.

Auch wenn Coversongs weiter einer ihrer musikalischen Wege sein werden, gibt es ab dieser Woche einen weiteren – einen ganz eigenen, einen ganz persönlichen. Einen, der sich in zwei Worte fassen lässt: Sandy pur.

Das kreative Trio fiebert aufgeregt der Premiere am 29. Januar entgegen. Die Wartezeit haben sich die Künstler damit verkürzt, fleißig an neuen Songs zu arbeiten. Denn „Kopflos“ soll nur der Anfang sein.

Wer die Künstlerin kennen lernen möchte: sandymartin.de.