Stendal l Wüsste man nicht, was hier los ist, könnte man sich schon wundern: Durchs Treppenhaus der Musik- und Kunstschule schallt stimmungsvolle Hitmusik – wo sonst eine dissonante Melange aus Klavier, Trompete, Schlagzeug, E-Gitarre die Flure akustisch füllt. Maike Schymalla findet‘s sogar ganz gut, „mal was anderes, und so ist wenigstens Leben im Haus, das ist sehr nett“.

Nett sind auch die beiden Männer der Firma Müggenbuscher Maler, die Ende voriger Woche im Dachgeschoss letzte Pinselstriche taten, um die Renovierung dieser Etage abzuschließen. So machen Marcel Rautenberg und Sven Winkler auch kurz den Fotospaß mit, um den neu bedachten, neu befensterten und neu gemalerten Konzertsaal in Szene zu setzen. Sie schauen und hören Schulleiterin Maike Schymalla zu, die sich aufs Bühnenpodest gestellt hat und eine kurze ungeübte Geigenkostprobe gibt.

„Wann wir den Saal einweihen, wann es hier wieder Konzerte und Proben geben wird, kann jetzt noch keiner sagen.“ Die seit vorigem Jahr stattfindenden Bauarbeiten am und unterm Dach sollen jedenfalls demnächst abgeschlossen werden, für den 8. Mai ist die Übergabe vorgesehen. Dann fehlen nur noch Sonnenschutz und Klimaanlage, die ganz zum Schluss installiert werden.

Bilder

Instrumentenkarussell bleibt

Auf jeden Fall soll die Einweihung der Etage samt Konzertsaal, Malsaal und neuem Schlagzeugraum einen Festakt wert sein, zu dem auch drei 25er-Jubiläen dieses Jahres gehören werden: der Einzug ins Haus in der Poststraße, die Eröffnung des Kunstbereiches und die Gründung des Förderkreises. Und bei dieser Gelegenheit soll noch etwas gefeiert werden, wie Schymalla zuversichtlich-froh anmerkt: „Die Überwindung der Corona-Krise.“

Ob zu jenem noch unbestimmten Zeitpunkt rückblickend bedauert werden wird, dass der Tag der offenen Tür und das Sommerfest ausgefallen sind, oder vielmehr der Blick aufs neue Jahr gerichtet wird, bleibt abzuwarten. Was aber nicht wegfallen soll, ist das Instrumentenkarussell, bei dem normalerweise jüngere Kinder beim Tag der offenen Tür die Möglichkeit haben, die diversen Instrumente auszuprobieren. „Das wollen wir jetzt digital erstellen, damit die Kinder trotzdem die Möglichkeit haben, auszuwählen, welches Instrument sie lernen möchten“, sagt Maike Schymalla.

Bauarbeiten fürs Digitale

Das Stichwort digital bringt die Augen der Schulleiterin geradezu zum Leuchten. Eine weitere Baustelle im Haus ist nämlich omnipräsent: In allen Räumen werden neue Datenleitungen verlegt. „Dann ist unsere Arbeitsgeschwindigkeit hier endlich angemessen, bisher konnten wir manchmal regelrecht zugucken, wie sich die Buchstaben auf dem Bildschirm formen...“ Zudem werde es dann in allen Räumen W-Lan geben und auch die Telefonanlage wird komplett erneuert. Diese Arbeiten wären eigentlich erst in den Sommerferien erfolgt, aber nun war halt durch Corona schon früher die benötigte Leere dafür da. In knapp zwei Wochen soll auch dies alles erledigt sein.

„Ziemlich digital“, so Maike Schymalla, seien derzeit alle Lehrkräfte zugange, um ihren Unterricht zu halten. „Alle Instrumentalschüler werden weiterhin von uns betreut, alle Lehrer machen mit.“ Das geht per Skype oder Video oder auch klassisch per Telefon. Gerade das Telefon erweise sich dabei als ideal, weil die Klangqualität viel besser sei.

Schüler sind sehr motiviert

Und so greift auch Maike Schymalla selbst zum Telefonhörer, wenn eine Klavierstunde ansteht: „Dann spielt der Schüler was vor, ich sage was dazu, spiele selbst etwas vor, auch musiktheoretische Dinge fließen ein.“ Andere Lehrer wie beispielsweise Blechbläser Sebastian Socha nehmen die Spielsequenz per Smartphone auf und korrespondieren dann mit den Schülern über Videos. Auf diese Weise können auch einzelne Stimmen eingespielt und zusammengefügt werden.

Hits von „City“ laufen zwar grad nicht im Baustellenradio, eine Zeile kommt einem aber unweigerlich in den Kopf: „Kontakt läuft nur noch übers Telefon...“ Und das scheint gut zu klappen: „Die Schüler“, sagt Schymalla, „sind alle ganz froh, dass sie die Musik weiterhin haben. Es geht gut voran, man merkt, dass sie mehr Zeit zum Üben haben und viel entspannter und konzentrierter sind.“ Das Staunen darüber, wie prima das funktioniert, lässt Maike Schymalla noch immer nicht los. Wenngleich sie den normalen Unterricht von Mensch zu Mensch doch allmählich herbeisehnt.