Schelldorf l Bernd Priegnitz und Reinhold Lippert kennen den Schelldorfer See schon seit ihrer Kindheit. Seit Generationen gehören ihre Familien zu den Eigentümern dieses Areals, südlich von Tangermünde in der Elbaue gelegen. Ihre Vorfahren nutzten nicht nur den Fisch, sondern auch das Schilf und die Gehölze am Uferbereich. Sie pflegten das Gewässer und dessen Umland, indem sie es nutzten.

Pegelstand sank um 1,5 Meter

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich eine einmalige Flora und Fauna, die auch Gernot Quaschny noch kennenlernen durfte. Der Hohengöhrenen fischt seit 40 Jahren in dem einstigen Elbarm, den er gepachtet hat. Nun schlagen die drei Männer Alarm.

Dem Schelldorfer See geht nämlich das Wasser aus, er droht zu verlanden. Der Fischer schätzt ein, dass der Pegelstand auf den gesamten 25 Hektar mittlerweile um 1,5 Meter gesunken ist. Noch sei Fisch da, dass können sich aber schnell ändern. „Wir hatten seit sechs Jahren keine kalten Winter mehr“, klopft er auf Holz. Komme allerdings ein strenger Frost und das Gewässer friere bei diesem niedrigen Wasserstand zu, „kippt es um. Dann ist innerhalb von zwei Wochen alles tot“, warnt Quaschny nicht nur vor einem großen Fischsterben, sondern auch die andere Wasser-Fauna sei zum Niedergang verurteilt.

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„Die Natur ist hart“, kommt Priegnitz auf die lang anhaltende Trockenheit als eine der Ursachen zu sprechen. Das sogenannte Stillgewässer sei vom Pegelstand der Elbe abhängig und der ist bekanntlich seit Jahren niedrig. Darunter leide nicht nur das insgesamt 175 Hektar große Naturschutzgebiet Schelldorfer See, sondern auch die in der Region befindliche Landwirtschaft. Wasser von außerhalb fließe nur bei Hochwasser in den alten Elbarm. Hochwasser führte die Elbe aber seit sieben Jahren nicht mehr.

Dilemma des Schelldorfer Sees

Der Biologe Wolfgang Lippert war Anfang der 60-er Jahre maßgeblich an der Unterschutzstellung des Schelldorfer Sees beteiligt und verfolgt die Entwicklung des Naturkleinods bis heute. Das aktuelle Dilemma führt er auch auf zwei Eingriffe zurück, die bereits vor Jahrzehnten geschahen.

Zum einen wurde 1971 aus landwirtschaftlichen Gründen ein neuer Graben vom Prallhang im Nordteil des Schelldorfer Sees in Richtung Buch/Bölsdorf, mit Anschluss an das Pumpwerk Bölsdorf, gebaut. Damit habe man die Ackerfläche auf Schelldorfer Seite früher trocken bekommen, um sie zeitiger bearbeiten zu können. Dieser Graben bewirkte aber auch, dass der Wasserstand sich verringerte, der See teilweise nur noch 10 bis 20 Zentimeter tief war. Außerdem sei im Zuge der Arbeiten die sogenannte Wanne, eine Tonschicht im Grund, zerstört worden. Zusätzliches Wasser floss mit dem Grundwasser nach Buch ab.

Laut Lippert war der zweite schwerwiegende Eingriff die Entschlammung, mit der bereits zu DDR-Zeiten begonnen wurde. Dies habe zum Zusammenbruch der Wasserpflanzen-Welt geführt. Von den beispielsweise einst riesigen Seerosenflächen ist kaum noch etwas geblieben. „Aus dem einst ökologisch gesunden eutrophen Flachwasser wurde eine tiefe, kahle Flutrinne“, kritisiert Lippert, der im Zusammenhang mit dieser Aktion auch weitere Umweltfrevel aufdeckte. Mit der Flora verschwand auch die Fauna. Nach der Entschlammung fehlten beispielsweise Rohrdommel, Zwergdommel, Kleinralle und Rohrweihen, die bis dahin regelmäßig gebrütet hatten.

Umweltverbände müssen helfen

Ob die aktuell kritische Situation nun mehr den klimatischen Bedingungen oder menschlichen Fehlern geschuldet ist, ist für Reinhold Lippert, Bernd Priegnitz, Gernot Quaschny und Wolfgang Lippert mittlerweile aber nicht mehr ausschlaggebend. Sie wollen den Schelldorfer See retten, solange er noch zu retten ist „und dafür brauchen wir Unterstützung“, hofft Priegnitz, zuständige Kreis- und Landesbehörden genauso mit ins Boot ziehen zu können wie die verschiedenen Umweltorganisationen. Der Vertreter der Eigentümer hofft auf eine fachlich fundierte Studie darüber, wie der zunehmenden Verlandung entgegengewirkt werden kann. Der Schelldorfer See müsse nämlich nicht nur aus Gründen des Naturschutzes erhalten werden, sondern das Gewässer spiele auch eine große Rolle für den Hochwasserschutz. Das gesamte Areal sei in der Lage, im Ernstfall eine ganze Menge Wasser aufzunehmen.

Eigene Ideen gebe es bereits. Gernot Quaschny beispielsweise schlägt vor, per Tiefbrunnen und Pumpe aus einer vom See unabhängigen Grundwasserschicht das Gewässer zu füllen. Eine andere Variante wäre die direkte Zuleitung von Elbewasser.