Flugplatz

Neue Chance für „Air Berlin“

Stendal und Tangerhütte wollen statt einem internationalem Flughafen ein Industriegebiet direkt an der A 14 entwickeln.

Von Regina Urbat 12.09.2020, 05:00

Stendal/Tangerhütte l Der Traum vom Flughafen „Berlin international“ ist längst geplatzt. 2004 wurden die ehrgeizigen Pläne zu den Akten gelegt. Nun besteht für Teile des einstigen Plangebiets eine neue Chance.

Kein Airport, sondern ein neues Industriegebiet könnte aus dem Boden gestampft werden. Direkt an der A14 gelegen, wenn die Trasse durch die Altmark fertig gestellt ist.

Was die Verlängerung der Bundesautobahn betrifft, ist diese bereits Realität. Am kommenden Montag um 11 Uhr wird der A-14-Abschnitt von Colbitz bis Tangerhütte für den Fahrzeugverkehr frei gegeben. Währenddessen schieben sich Bagger über Lüderitz weiter in Richtung Stendal. Laut Verkehrsministerium in Magdeburg liegen die Bauarbeiten im Plan.

Das neue „Industriegebiet Stendal“ ist hingegen noch reine Vision. Aus diesem Grund will die Hansestadt Stendal mit der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte einen Kooperationsvertrag schließen, um eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben zu können. Ziel dieser Studie ist, Chancen und Risiken für die Errichtung, Entwicklung und Vermarktung eines Industriegebietes auf den beiden Gemarkungen zu untersuchen. Betroffen sind Grundstücksflächen in Lüderitz und Windberge (Stadt Tangerhütte) sowie der Stendaler Ortschaften Buchholz, Wittenmoor, Nahrstedt und Insel (siehe Grafik).

Die Vorlage für diesen Kooperationsvertrag steht in Stendal in der Ratssitzung am 28. September zum Beschluss an. Dort werden sich die Ratsmitglieder mit einem Änderungsantrag befassen müssen.

Den Einwand brachte die Fraktion Freie Stadträte/Bürger für Stendal in der Sitzung des Finanzausschusses ein. Als Grund nannte Peter Sobotta, gleichzeitig Stadtratsvorsitzender, dass die zur Abstimmung stehende Beschlussvorlage „in wesentlichen Punkten inhaltlich von einem bereits gefassten Ratsbeschluss abweicht“.

So habe der Stendaler Rat im Februar dieses Jahres das gesamte ursprüngliche Plangebiet des Großflughafens „Berlin international“ als Untersuchungsgebiet ausgewiesen. „Und ausdrücklich haben wir formuliert, dass Potenziale hinsichtlich von Energiegewinnungsanlagen wie Windkraft und Sonnenenergie auszuschließen sind“, betonte Sobotta.

Mit Blick auf den Plan der zu untersuchenden Flächen (siehe Grafik) forderte die Fraktion, die mit Grün umrandeten Flächen in die Machbarkeitsstudie einzubeziehen und die Untersuchung für Windparks sowie Solarfelder auszuschließen. Bei einer Enthaltung wurde der Änderungsantrag vom Finanzausschuss mehrheitlich angenommen.

Weitere Einwände gab es zum Kooperationsvertrag nicht. So ist vorgesehen, dass die Machbarkeitsstudie nur dann in Auftrag gegeben wird, wenn das Land Sachsen-Anhalt die Erarbeitung der Studie fördert. Außerdem sollen die Kosten maximal 100.000 Euro betragen, sodass maximal 20.000 Euro an Eigenkapital aufzubringen sind. Dieser Eigenanteil wird im Verhältnis der in den Gemarkungen liegenden Flächen aufgeteilt, soweit sie einer Untersuchung unterzogen werden. Dies würde eine Quote von 75 Prozent für Stendal und 25 Prozent für Tangerhütte ergeben.

Der Vertrag sieht zudem vor, dass die Stadt Tangerhütte der Hansestadt Stendal die Zuständigkeit für die Beantragung und Abwicklung der Förderung der Machbarkeitsstudie überträgt.