Synode

Neue Wege geplant: Ein erster Schritt in Richtung Fusion der evangelischen Kirchenkreise Stendal und Salzwedel

Die Zahl der Mitglieder im evangelischen Kirchenkreis Stendal ist seit Jahren rückläufig. Für die Zukunft heißt das, über neue Wege nachzudenken. Einer davon ist eine Fusion. Für September ist ein erste Perspektivgespräch mit Vertretern des benachbarten Kirchenkreises Salzwedel geplant, kündigte Stendals Superintendent Michael Kleemann an.

Von Donald Lyko
Superintendent Michael Kleemann segnete die Mitglieder des neuen Kreiskirchenrates des Kirchenkreises Stendal für ihre sechsjährige Amtszeit. Der Gottesdienst im Stendaler Dom zum Auftakt der Frühjahrssynode bot dafür den passenden Rahmen.
Superintendent Michael Kleemann segnete die Mitglieder des neuen Kreiskirchenrates des Kirchenkreises Stendal für ihre sechsjährige Amtszeit. Der Gottesdienst im Stendaler Dom zum Auftakt der Frühjahrssynode bot dafür den passenden Rahmen. Foto: Donald Lyko

Stendal - Ein Schlagwort, das in den kommenden Monaten und Jahren in den Gremien aller Kirchenkreise der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zu hören sein wird, ist Zukunftsfähigkeit. Ein Stichwort, das in diesen Runden ebenso häufig fallen dürfte, ist Fusion. Dass dies auch im Kirchenkreis Stendal der Fall sein wird, darauf stimmte Superintendent Michael Kleemann während der Frühjahrssynode im Stendaler Domstift ein.

Denn vorbei sind die Zeiten, als die Kirchenkreise Stendal und Salzwedel zusammen zirka 70.000 Gemeindeglieder hatten. Das war 1998 der Fall. In den 23 Jahren seither sind die Zahlen gesunken. Heute habe jeder der beiden Kirchenkreise noch zirka 20.000 Mitglieder, berichtete der Superintendent den Synodalen. Der Kirchenkreis Stendal hat seit Sommer 2019 rund 600 Mitglieder verloren. Ein Grund sei, „dass die Bindekraft zur Kirche bei vielen nicht mehr so stark ist“. Darum falle auch schon mal schneller die Entscheidung, zum Beispiel wegen der Kirchensteuer auszutreten. Und aktuell „wissen wir noch gar nicht, wie die Folgen der Corona-Pandemie sind“, sagte Michael Kleemann. Mit Blick auf die Mitgliederentwicklung stellte er fest: „Die Talsohle ist noch nicht erreicht.“

Immer weniger Besucher bei Gottesdiensten

Die Fusion beider Kirchenkreise ist ein Thema, an dem bereits gearbeitet wird. Für September ist ein „erstes Perspektivgespräch“ mit Vertretern beider Kirchenkreise geplant, so Kleemann, „wir müssen aber nicht hektisch agieren“.

Um die Situation zu verdeutlichen, hatte der Superintendent weitere Zahlen vorbereitet. So haben in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland die Pfarrbereiche im Durchschnitt 1000 Mitglieder, in der Landeskirche Hannover seien es im Durchschnitt 3500 Mitglieder.

Wenn in den Kirchenkreisen über die Zukunftsfähigkeit gesprochen wird, dann muss dies auch mit Blick auf die Gottesdienste geschehen. „Der Sonntagsgottesdienst gilt immer noch als das große Event. Aber in den letzten 20 Jahren haben sich die Besucherzahlen halbiert“, erklärte Michael Kleemann. Die fast gleich gebliebene Anzahl an Gottesdiensten trage diesem Rückgang nicht Rechnung, „es steht in keinem angemessenen Verhältnis zueinander“. Dafür gebe es vielfältige Gründe, so der Superintendent. Seit Jahren werde zwar die Entwicklung beklagt, aber die beeinflussbaren Faktoren werden noch immer zu wenig in den Blick genommen. Wie einladend sind die Räume? Passen die Gottesdienstzeiten noch zum heutigen Lebensrhythmus? Welche Bedürfnisse haben junge Leute, wenn sie einen Gottesdienst besuchen? Bleiben die Christen weg, weil sie Scham vor der kleinen Runde haben, die sich da in der Kirche versammelt?

Bikergottesdienste und Hubertusmessen kommen immer gut an

Das sind einige der Fragen, die beantwortet werden müssen. Denn wenn es spezielle Formate gibt, die auf Interessen oder Wünsche eingehen, haben die auch Erfolg. Als Beispiele nannte der Superintendent Bikergottesdienste, Hubertusmessen, Feldgottesdienste und den Cordatus-Empfang in Stendal am Reformationstag.

Zur Frühjahrssynode hatte Michael Kleemann noch einige gute Nachrichten mitgebracht. Die Personalsituation hat sich seit 2019 „sichtlich entspannt“, berichtete er. Die Pfarrstellen in Schönhausen und Jerichow konnten ebenso besetzt werden wie die der Stadtgemeinde Stendal. Für den Bereich Stendal-Südwest geht es in die dritte Ausschreibungsrunde. Und auch das konnte Michael Kleemann berichten: Das Kloster Jerichow wird zum 1. Januar 2022 in die Landeskulturstiftung Sachsen-Anhalt aufgenommen. „Es steht damit wieder auf sicheren Füßen.“

Neuer Kreiskirchenrat in Stendal ins Amt eingeführt

Begonnen hatte die Frühjahrssynode mit einem Gottesdienst im Stendaler Dom. Ein festlicher Rahmen, um die neugewählten Mitglieder des Kreiskirchenrates ins Amt einzuführen und zu segnen. Michael Kleemann freut sich auf die Zusammenarbeit: „Wir werden viel miteinander debattieren, auch viel voneinander lernen.“ Er bedankte sich schon einmal bei den Frauen und Männern für die Bereitschaft, „Lebenszeit, Begabung und Kraft unserer Kirche zu schenken und die Kirche mitzuprägen“.