Stendal l Auf den ersten Blick herrscht im Altoa Normalität. Kinder springen ins Wasser, im Nichtschwimmerbecken läuft die Wellenmaschine auf Hochtouren und im Eigangsbereich summt ein Föhn vor sich hin. Die ganze Szenerie hat nur einen Schönheitsfehler. Außer der Schulklasse, die gerade ihren Schwimmunterricht absolviert, wird an diesem Tag kein anderer Gast das Schwimmbad am Stendaler Ortsrand betreten. Stichwort Lockdown light. Der gilt natürlich während des gesamten Novembers auch für die Altmarkoase. Geschäftsführer Marcus Schreiber ist trotzdem vor Ort. Irgendjemand muss den Stillstand ja managen und in geordnete Bahnen lenken.

Dass so gut wie niemand mehr hineingelassen wird, heißt keinesfalls, dass es nichts mehr zu tun gibt. Das Wasser ist immer noch in den Becken. Heißt, dass die Aufbereitungsanlage weiter läuft und überwacht werden muss. So lange die Schulklassen kommen, muss außerdem dafür Sorge tragen, dass die Umkleidekabinen desinfiziert werden. Marcus Schreiber macht allerdings keinen Hehl daraus, dass diese Tätigkeiten das gesamte Team keinesfalls auslasten. Beispielsweise ist die Sauna-Landschaft komplett stillgelegt.

Kurzarbeit hilft

Drum ist ein Großteil der 14 Beschäftigten sofort nach der Ankündigung des Lockdowns in Kurzarbeit geschickt worden. Sie bleiben im November zuhause. Allerdings ist das geringere Arbeitsaufkommen nicht der entscheidende Aspekt bei der Entscheidung. Denn mit dem November fällt einer der lukrativsten Monate weg. Die Verluste beziffert der Geschäftsführer auf etwa 75 000 Euro. Heißt: Das kommunale Unternehmen muss Geld sparen. „Da sind zwei Posten entscheidend. Die Personalkosten und die Ausgaben für Energie“, erklärt der Altoa-Geschäftsführer. Das Kurzarbeitergeld sei dabei eine große Hilfe, um die Zeit des Stillstands zu überbrücken. Nebenbei ist Marcus Schreiber damit beschäftigt, die November-Hilfen zu beantragen. Während des zweiten Lockdowns haben auch kommunale Unternehmen Anspruch auf dieses Hilfspaket der Bundesregierung. Wird der Antrag bewilligt erhält das Schwimmbad pro Woche der Schließung Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes vom November 2019.

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Komplett für den Besucherverkehr geschlossen ist das Altmärkische Museum. Auch hier versuchen die Mitarbeiter, aus der Not eine Tugend zu machen. Sie kümmern sich verstärkt „um organisatorische Prozesse im Hintergrund, die während des normalen Tagesgeschäfts manchmal ins Hintertreffen geraten“, teilt Stadtsprecher Armin Fischbach auf Anfrage der Volksstimme mit. Heißt, dass unter anderem Ausstellungsobjekte inventarisiert und die digitale, wissenschaftliche Bibliothek des Museums erweitert wird. Um auf die Wiedereröffnung vorbereitet zu sein, „werden außerdem neue Projekte angestoßen und weitere museumspädagogische Angebote erarbeitet“, teilt Armin Fischbach mit. Die eigentlich am 30. November endende Sonderausstellung „Heilkunst im Mittelalter“ wird auch im Januar noch zu sehen sein, so denn das Museum dann wieder öffnen darf.

Corona-Hilfen beantragt

In die Kurzarbeit musste derweil noch niemand geschickt werden. Was daran liegt, dass Museumsmitarbeiter in anderen Fachämtern der Stadt aushelfen. So falle es schwer, im Einwohnermeldeamt an den Stoßtagen alle Bürger mit entsprechender Rücksicht auf Abstände und Hygiene zu empfangen. „An diesen Tagen übernimmt ein Mitarbeiter des Museums den Einlass und koordiniert den Wartebereich“, sagt der Stadtsprecher.

Das Schicksal der Kurzarbeit hat derweil einige Mitarbeiter des Theaters der Altmark (TdA) ereilt. Eine Folge der Absage des kompletten Spielbetriebes im November. Die Zwangspause ist finanziell ein harter Schlag für das Theater. Allein im November fallen 33 Veranstaltungen aus, darunter drei Premieren und das beim Publikum äußerst beliebte Weihnachtsmärchen. Beziffern konnte TdA-Pressesprecherin Elisa Marquardt die Höhe der Verluste zwar noch nicht, doch seien die letzten beiden Monate des Jahres für gewöhnlich die umsatzstärksten des Jahres. Genauso wie das Altmärkische Museum könnte auch das TdA auf die November -Hilfen zurückgreifen. In beiden Fällen sei dazu jedoch noch keine Entscheidung gefallen.

Doch davon abgesehen fordert der Stillstand die Leitung des TdA heraus. „Der bürokratische Aufwand auf Verwaltungs- und Organisationsebene ist enorm. Veranstaltungen müssen abgesagt oder verschoben werden, Verträge abgewickelt oder neu aufgesetzt werden“, teilt Elisa Marquardt mit. Dies verbrauche mehr Kapazitäten als die Betreuung des Spielbetriebs im Normalzustand. Zudem erzeuge die Ungewissheit einen gewissen Stress. Immerhin können aber die Proben unter der Einhaltung der Abstands- und Hygienebestimmungen weiter stattfinden. An allen Produktionen, die im November Premiere gefeiert hätten, werde weiterhin geprobt.