Sanierung

Pension bereichert den Flugplatz in Stendal

Das weiträumige Areal des Borsteler Flughafens entwickelt sich weiter. Ein altmärkischer Investor hat das Gebäude der alten Flugleitung erworben, um dort eine Pension zu eröffnen.

Von Antonius Wollmann

Stendal. Der ein oder andere Stendaler hatte fast schon vergessen, dass das Gebäude noch existiert und es eine nicht unwesentliche Rolle spielte bei der Entstehung und beim Betrieb des Borsteler Flughafens: Die Anfang der 1930er-Jahre gebaute Flugleitung. Die Amnesie hat einen guten Grund. Knapp 30 Jahren ist an dem markanten Bauwerk nichts mehr passiert. Im Besitz der Stadt, die nichts damit anzufangen wusste, fristete es ein Schattendasein. Zwar zwischen den historischen Hangars gelegen, aber dennoch aus dem Fokus geraten.

Das ändert sich momentan. Nachdem ein altmärkischer Investor das Gebäude im Jahre 2017 von der Stadt Stendal erworben hatte, arbeitet er Stück für Stück daran, dem Objekt Leben einzuhauchen. Er lässt es zu einer Pension umbauen. Dabei scheint er schon weit gekommen zu sein. Dem Vernehmen nach läuft der Innenausbau. Wann die ersten Gäste ihre Zimmer beziehen, ist aber noch unklar.

Vandalen trieben Unwesen

Michael Jahn, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel, freut die Entwicklung. Er ist überzeugt, dass das Projekt eine langfristige Perspektive hat: „Ich bin sehr froh, dass sich jemand dafür begeistert hat. Es hat auf jeden Fall das Potenzial, ein Schmuckstück zu werden.“ Die touristische Nutzung sei auf jeden Fall sinnvoll. Immerhin kämen in normalen Zeiten regelmäßig Besucher für die zahlreichen Flugveranstaltungen nach Borstel. Die Möglichkeit, sie in unmittelbarer Nähe unterzubringen, sei ideal.

Selbstverständlich sei das Engagement des Investors angesichts des wenig schmeichelhaften Zustandes des Gebäudes vor dem Baubeginn nicht gewesen. Seit die sowjetischen Truppen das Flugfeld 1992 der zivilen Nutzung anheim gaben, wurde der markante 30er-Jahre-Bau mehr oder weniger sich selbst überlassen, berichtet er.

„Die Russen haben es unter anderem als Standort ihres Stabes genutzt. Es war damals noch in einem guten Zustand“, erzählt der Flughafenchef. Doch die Jahre des Leerstandes hinterließen ihre Spuren. Niemand kümmerte sich mehr um das traditionsreiche Gemäuer. Mit den üblichen Folgen. Zugewachsen von oben bis unten, strahlte die Flugleitung fast schon eine märchenhafte Atmosphäre aus. Dornröschen ließ grüßen. Obwohl es unter Denkmalschutz steht, war immer wieder auch der Abriss im Gespräch.

Vandalen bahnten sich den Weg in das abgelegene Haus und machten sich an allem zu schaffen, was man noch halbwegs zu Geld machen konnte. „Heizkörper, Leitungen und Fenster waren alle raus“, so Michael Jahn. Da halfen auch alle Zäune nichts, die man errichtet hatte, um Eindringlinge abzuschrecken. Offenbar wurde auch das ein oder andere Feuer auf dem Parkett angezündet.

Ansonsten litt die Bausubstanz wenig. Was wiederum mit dem militärischen Ursprungszweck des Gebäudes zu tun hatte. Luftschutzsicher errichtet, ließ das Dach kein Wasser ins Innere einziehen. Auch darüber hinaus waren wenig Schäden festzustellen.

Offen ist eigentlich nur noch, auf welchem Wege die Gäste die Pension bald erreichen werden. Dem Investor schwebt dabei eine eigene Zuwegung vor. Dafür muss die Stadt noch den Bebauungsplan für das gesamte Gelände fertigstellen.