Marode Kirche

Pfarrer drängt auf Sanierung des Stendaler Doms für 3,5 Millionen Euro

Für Stendals Dom-Pfarrer Markus Schütte steht fest: Allein die Farbe der Wände des imposanten Bauwerkes zu verändern, reicht nicht aus. Er plädiert für eine grundlegende Sanierung des Doms.

Von Antonius Wollmann
Pfarrer Markus Schütte zeigt die Schäden im Boden des Stendaler Doms im Altarraum.  Die Platten  sind Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt worden und weisen sehr große Schäden auf.
Pfarrer Markus Schütte zeigt die Schäden im Boden des Stendaler Doms im Altarraum. Die Platten sind Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt worden und weisen sehr große Schäden auf. Fotos: Antonius Wollmann

Stendal - Markus Schütte hatte im vergangenen September gerade erst sein Amt als Pfarrer der Evangelischen Stadtgemeinde angetreten, als er einen Beschluss fasste. Die Sanierung des Doms dürfe nicht länger auf sich warten lassen. Dabei dachte er nicht etwa an kosmetische Eingriffe, sondern an grundlegende Maßnahmen. Der 53-Jährige redet da nicht lange um den heißen Brei herum.

Obwohl ebenfalls ein Großprojekt, sei es mit der bereits seit Jahren diskutierten Ausmalung nicht getan. Dabei würde der Bau aus dem 15. Jahrhundert im Inneren seine Backstein-Anmutung zurückkriegen, das bisher dominierende Weiß an den Wänden verschwinden. „Damit würde man den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, sagt der Pfarrer.

Bund und Land müssen Geld für Stendaler Dom beisteuern

Mit anderen Worten: Anstatt die Ursachen vieler Probleme würde man in diesem Falle nur die Symptome behandeln. Die bauphysikalischen Mängel blieben bestehen. „Im Sockelbereich hat nie eine grundhafte Sanierung stattgefunden. Es muss etwas Substanzielles passieren“, sagt der gebürtige Brandenburger. In der Folge zieht die Feuchtigkeit nicht nur in den Boden, sondern auch in die Wände. Drei Gutachten hätten dies bestätigt.

Deshalb bröckeln die Ziegelsteine und die Bodenplatten aus Sandstein. Die seit Jahrhunderten an den Wänden hängenden Epitaphe, die Gedenksteine für Verstorbene, sind ebenfalls bedroht.

„Besonders im Altarraum ist der Boden in einem miserablen Zustand. Das ist alles andere als schön“, kommentiert Markus Schütte und zeigt auf die Löcher und Risse in den etwa 120 Jahre alten Kacheln. Wer nicht aufpasst, könnte an mancher Stelle durchaus ins Stolpern geraten. Die anfälligen Platten sollen verschwinden und mit Backsteinen ersetzt werden.

Das Gesamtbild schmerzt den Pfarrer, handelt es sich beim Dom doch um eines der repräsentativsten Bauwerke des Kirchenkreises Stendal: „In normalen Zeiten finden pro Jahr allein 15 Großkonzerte hier statt. Da kommt auch viel überregionales Publikum.“

So überzeugt der Pfarrer der Stadtgemeinde von der Notwendigkeit der Baumaßnahme ist, weiß er trotzdem von den damit verbundenen Schwierigkeiten. Die Finanzierung stellt dabei die größte Hürde dar. Bei einer konservativen Schätzung geht Markus Schütte von Kosten von mindestens 3,5 Millionen Euro aus. Eine Summe, die der Kirchenkreis Stendal auf keinen Fall alleine aufbringen kann. An das Geld könne man nur über den Weg der Co-Finanzierung gelangen, sagt er.

Sanierung des Stendaler Doms könnte 3,5 Millionen Euro kosten

Das Bundesprogramm für Denkmalpflege müsste auf jeden Fall angezapft werden, dann würden auch das Land Sachsen-Anhalt etwas dazu beisteuern und zusätzlich ein Eigenanteil des Kirchenkreises fließen.

Problematisch: Bundesmittel hat der Dom zuletzt vor 17 Jahren erhalten. Normalerweise müssten mindestens 25 Jahre vergehen, um wieder in diesen Genuss zu kommen.

Diesen Unwägbarkeiten zum Trotz werden noch in diesem Jahr die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen. Im Nordschiff (Richtung Landgericht) wird zunächst das Fundament trockengelegt und eine Regenwasserableitung gelegt. Die Arbeiten finanziert der Kirchenkreis aus Eigenmitteln. 100000 Euro wird dieser erste Schritt der Domsanierung kosten.