Stendal l Wenn man in die Liste der 75 Berater des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt (LVPS) schaut, fällt sofort eins auf: Die Altmark hat lediglich zwei Berater. Das sind in diesem Fall im Landkreis Stendal Dieter Roloff aus Birkholz bei Tangerhütte und im Nachbarkreis Salzwedel Gerhard Schnüber aus Klötze. Im Harz gibt es hingegen gleich 15 dieser Experten. Woher kommt dieser Unterschied?

Der Vorsitzende des Landesverbandes, Martin Groß, sieht als Hauptargument das fehlende Interesse der Bürger, die diese Beratungen machen möchten. „Im Harz hat das Sammeln von Pilzen eine Tradition“, sagt Groß. Auch der Doktor für Naturwissenschaften aus Klötze, Mitglied des LVPS-Vorstandes, erklärt diesen Unterschied mit der vermehrten Nachfrage von Touristen in der Urlaubszeit im Harz. Zudem gebe es laut Schnüber in der Altmark weniger Arten als in dem Mittelgebirge. Außerdem spiele die Bevölkerungsdichte eine Rolle. „Nicht vergessen werden darf, dass die Ausbildung zum Pilzberater Zeit und Geld in Anspruch nimmt“, argumentiert Schnü-ber. Und mit entscheidend sei, dass man bereit sein muss, ehrenamtlich zu arbeiten.

Altersdurchschnitt liegt bei 55 Jahren

„Viele Bürger haben erst in der Rente Zeit, sich mit Pilzen zu beschäftigen“, sagt Martin Groß und erklärt damit den Altersdurchschnitt der Mitglieder im Landesverband von rund 55 Jahren. Die älteste Beraterin ist 95 Jahre und kommt aus Haldensleben. Der jüngste Sachverständige ist um die 40 Jahre alt.

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Aktuell unterstütze ein junger Mann mit 20 Jahren seinen Großvater bei der Pilzberatung und nehme an Weiterbildungen teil. So habe Martin Groß wenig Nachwuchssorgen. „Was wegstirbt, können wir noch ersetzen“, sagt der Vorsitzende lachend. Er sei sich sicher, dass die Pilzberatung in Sachsen-Anhalt weiter existieren wird. „Wir sind in den vergangenen 50 Jahre nicht ausgestorben, und es gibt in Deutschland kein anderes Bundesland mit so vielen Pilzberatern.“

Nachwuchs nicht verschrecken

Was muss ein Interessierter tun, um sich offiziell Pilzberater nennen zu dürfen? Eine einheitliche Regelung dafür „gibt es in Deutschland nicht“, erklärt Martin Groß. Der Landesverband prüfe die Bewerber selbst. Zwar habe die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) als Dachverband die Prüfungsrichtlinien aufgestellt, doch seien die Anforderungen zu hoch. Von den Bewerbern werde beispielsweise verlangt, von gut 5000 Großpilzarten in Europa 300 Arten bestimmen zu können. Die Prüfer des Landesverbandes fordern hingegen nur 100 Arten. „Ansonsten verschreckt man die Leute, und wir wollen ja durch Pilzexperten die Bevölkerung vor Vergiftungen schützen“, begründet der Landesvorsitzende.

Die Vorbereitung auf diese Prüfung läuft hauptsächlich autodidaktisch ab, da es keine regelrechte Ausbildung gibt. In einer mündlichen Prüfung muss der Bewerber unter Beweis stellen, dass er Pilze richtig bestimmen kann. Im Gegensatz zum Dachverband führt der Landesverband keine schriftliche Prüfung durch. „Das ist für unseren Zweck unnötig“, sagt Groß. Bei erfolgreich bestandener Prüfung erhält der Pilzberater eine entsprechende Bescheinigung. Diese kann nach Weiterbildungen immer wieder verlängert werden.