Stendal l Ein Krankenhaus ist ein komplexes Gebilde mit kilometerlangen Versorgungsleitungen. Bei dem seit Juni 2017 laufenden Arbeiten für den Neubau des sogenannten Hauses D am Stendaler Johanniter-Krankenhaus ist richtig was schiefgelaufen. Ende Januar 2019 wurde ein Baustopp für den Innenausbau verhängt. Und auch jetzt drei Monate später gibt es keine Bautätigkeit.

Fachplaner hat im Groll gekündigt

„Der Bedarf an Umbauten wird derzeit ermittelt“, sagt Pressesprecherin Claudia Klupsch. Ähnliche Aussagen gab es bereits im Januar, auch da sollte erst einmal geprüft werden, welche Versorgungsleitungen neu verlegt werden müssen. Es war die Rede von Leitungen für Trinkwasser, Heizung, Lüftung, Sanitär und für medizinische Gase.

Wie das Krankenhaus bestätigt, ist der Bauleitung der Fachplaner abhanden gekommen. Überraschend habe dieser die Zusammenarbeit beendet, heißt es. Nach Informationen der Volksstimme geht es um ein Planungsbüro aus Hannover, das zum Jahreswechsel die Zusammenarbeit einseitig gekündigt hat. „Nicht im Friedlichen habe man sich getrennt“, heißt es aus dem Umfeld des Baukomplexes, dessen Kosten bislang mit 35 Millionen Euro (elf Millionen Euro vom Land) angegeben wurden. Es wird sogar mit gerichtlichen Auseinandersetzungen gerechnet.

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Entstandener Schaden "noch nicht bezifferbar"

Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, sei man durch die Kündigung der Planungsfirma dazu gezwungen gewesen, einen sofortigen Baustopp zu veranlassen. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, hieß es. Erst vor kurzem konnte nun ein neues Planungsbüro gewonnen werden, das die Planung für die sogenannte Technische Gebäude Ausrüstung (TGA) – ohne Elektroarbeiten – vornimmt. Klar scheint zu sein, dass ein Teil der Leitungen wieder raus müssen. Auf die Frage, welcher Schaden entstanden ist, gibt es lediglich die Antwort „noch nicht bezifferbar“. Insider gehen von einer Millionenhöhe aus.

Derzeit wird bei der Bauleitung davon ausgegangen, dass die Innenausbauarbeiten erst Mitte September fortgesetzt werden können – mithin dann ein Dreiviertel Jahr geruht haben. Bisher wurde von der Krankenhausleitung davon gesprochen, dass der Neubau im Frühjahr 2020 bezugsfertig sein soll. Auf Volksstimme-Nachfrage heißt es jetzt, dass man das Ziel habe, 2020 fertig zu sein. Was dann wohl eher Ende des Jahres bedeutet.

In den Neubaukomplex mit fünf Etagen sollen eine onkologische Tagesklinik, die Funktionsdiagnostik und der OP-Trakt mit Aufwachstation sowie die Frauenklinik, die Wochenstation und die Kinderklinik einziehen. Größtenteils befinden sich die Klinikabteilungen in Stendal in der Bahnhofstraße.