Stendal l Im vergangenen Jahr gab es keinen Toten bei Verkehrsunfällen mit Radfahrern. 2017 hatte es drei Unfallopfer zu beklagen gegeben. Das ist eine positive Nachricht aus der Verkehrsunfallstatistik des Polizeireviers Stendal. Positiv ist auch, dass die Zahl der Schwerverletzten von 20 auf 14 gesunken ist. Allerdings ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern insgesamt gestiegen – von 126 auf 136. Die Zahl der Leichtverletzten ging ebenfalls nach oben – von 72 auf 90.

In knapp der Hälfte der Unfälle lag die Schuld beim Radfahrer. Genauer: 63-mal bei 136 Unfällen. Im Jahr zuvor waren es 56 bei 126 Unfällen. Am häufigsten waren Radfahrer im Alter von 65 Jahren und älter Verursacher, 13-mal. Es folgte die Gruppe der Radfahrer zwischen 50 und 59 Jahren mit neun vor den 10- bis 14 Jährigen mit sechs verursachten Unfällen. Jeweils zweimal waren Radfahrer zwischen sechs und neun Jahren sowie zwischen 60 und 65 Jahren Verursacher.

Prävention gehört zur Polizeiarbeit

Polizeiarbeit im Straßenverkehr bedeutet nicht nur Überwachung, Kontrolle und bei Verstößen Bestrafung, sondern auch eine Menge Prävention. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 359 Veranstaltungen für verschiedene Altersgruppen und Verkehrsteilnehmer angeboten. Sie sind dann auch mit entsprechendem Informationsmaterial ausgerüstet worden

Als ein Beispiel hatte Regionalbereichsbeamtin Janet Dall eine Broschüre mit dem Titel „Sicher Rad fahren“ mitgebracht. Darin werden unter anderem Tipps für sicheres Verhalten gegeben (siehe Infokasten).

An Ausfahrten aufpassen

Der Automobil-Club Stendal im ADAC hat im vergangenen Jahr den Vorsitzenden des ADFC Stendal, Werner Hartig, zu einem Vereinsabend eingeladen. Beide Seiten finden, dass man miteinander im Gespräch beiben sollte. Wo sieht denn Automobil-Club-Vorsitzender Dietrich Gaedke Nachholbedarf bei den Autofahrern?

„Sie müssen vor allem an den Grundstücksausfahrten sehr aufpassen“, nannte Gaedke als wichtigsten Punkt. Radfahrer seien oft nicht nur in Fahrtrichtung unterwegs, also müssten Autofahrer nicht nur nach links, sondern auch nach rechts sehen, wenn sie auf die Straße auffahren. „Ich kenne das von mir aus der Bismarckstraße selbst“, fügte der Vorsitzende hinzu.

Gefährliches Abbiegen

Als zweiten Knackpunkt machte Gaedke das Abbiegen aus. Nicht nur bei Lastwagen, auch bei Autos gebe es einen toten Winkel beim Rechtsabbiegen, in dem die Radfahrer verschwinden würden. Daher sei der Schulterblick unbedingt zu machen, um einen Unfall zu verhindern. „Ich bin schon mal in Berlin gefahren, da muss man durch den starken Verkehr wirklich extrem aufpassen, aber auch bei uns müssen wir aufmerksam sein“, riet er.

Schwierig sei auch die Situation in Kreisverkehren, beispielsweise im Kreisel am Uenglinger Tor. Die Verkehrsschilder seien dort nicht eindeutig aufgestellt, die Radfahrer müssten den aus dem Kreisel ausfahrenden Autos allerdings Vorfahrt gewähren. „Der Autofahrer darf auf der anderen Seite nicht auf sein Recht pochen, muss umsichtig fahren“, appellierte der Vereinsvorsitzende.

Treffen von Radfahrern und Autofahrern

Oft wird der Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung bemüht, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Darin heißt es: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Das ist auch Gaedke wichtig.

„Bei unserem Treffen haben Herr Hartig und ich das ganz dick unterstrichen“, sagte er. Es soll auch in Zukunft weitere Treffen der beiden Interessenvertreter geben, um die Situation des jeweils anderen besser verstehen und mehr Rücksicht aufeinander nehmen zu können.