Stendal l Was macht Schulsozialarbeit, wo und wie wirkt sie, ist sie überhaupt wichtig? Diese Fragen haben Josefine Berghäuser und Janine Heinrich in 56 Interviews mit Lehrern, Schülern, Schulleitern, Eltern und Schulsozialarbeitern in den vergangenen Monaten zu ergründen versucht. Die Gespräche sind Teil einer Kampagne, die der DRK-Kreisverband Östliche Altmark als einer der freien Träger von Schulsozialarbeit im Landkreis Stendal lanciert hat. Die beiden Frauen setzen das Ganze um.

Finanzierung endet 2020

Letztlich geht es zwar um Werbung in eigener Sache, aber nicht um Selbstbeweihräucherung. Das Anliegen ist ernst: „Schulsozialarbeit ist zwar eine feste Größe geworden, aber trotzdem unsicher“, sagt Josefine Berghäuser in Anbetracht der ungeklärten Finanzierung ab Juli 2020. Dann nämlich läuft die Kofinanzierung durch die Europäische Union aus, das Land Sachsen-Anhalt müsste die Kosten allein stemmen. Wie es weitergeht, sei alles noch in der Diskussion.

Die Interviews sollen helfen, die Bedeutung der Schulsozialarbeit zu unterstreichen. Noch sind Berghäuser und Heinrich bei der Auswertung, aber es zeichnen sich schon Tendenzen ab. „Einig sind sich alle, dass sie sich die Schulsozialarbeit nicht mehr wegdenken können“, fasst es Berghäuser zusammen. Die Schulleiter seien froh über diese Ergänzung in einem multiprofessionellen Team, vor allem wenn es um Schulverweigerung geht.

Entlastung für Lehrer

Auch die Lehrer schätzten diese Unterstützung – sowohl tagtäglich als auch in den Ferien, und insbesondere, da sie damit Einzelfallhilfe bekämen. Nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen der Jugendhilfe und den Eltern sei sehr hilfreich. Letztere seien froh über die Schulsozialarbeit, weil alles freiwillig und ohne Druck geschehe und sie auch sähen, dass ihre Kinder dort mal Dampf ablassen könnten – statt im Unterricht oder erst zu Hause.

Die Schüler selbst seien dankbar, dass die Schulsozialarbeiter immer ein offenes Ohr hätten, man gemeinsam Lösungen finde, alles auf Augenhöhe passiere. Und dass es dank ihnen AGs gebe. „Wichtig für Schüler ist vor allem, dass Schulsozialarbeiter keine Lehrer sind und dass alles, was gesagt wird, der Verschwiegenheit unterliegt“, sagt Janine Heinrich.

Erfolge im Kleinen

Und die Schulsozialarbeiter schließlich – 24 gibt es im Landkreis Stendal – sehen Erfolge oft im Kleinen: dass Schüler sich überhaupt öffnen und durch Teilnahme an AGs selbstbewusster werden; dass Projekte gegen Mobbing Effekt zeigen oder Schulverweigerung entgegengewirkt werden kann. Was sie in ihrer Arbeit allerdings hindere, seien Zeitmangel und zu hoher dokumentarischer Aufwand. Und, stellt Berghäuser heraus: „Es sind immer nur befristete Stellen, das belastet ungemein.“

All diese Aussagen und Problemfelder sollen nun in einer Broschüre zusammengefasst veröffentlicht und nächstes Jahr in einer Wanderausstellung dargestellt werden. Zudem soll es am 12. April 2019 einen Fachtag „Starke Schulsozialarbeit im Landkreis Stendal“ für alle Involvierten und Interessierten geben.