Stendal l Gehofft hatten sie alle, einige sogar etwas mehr. Darum konnte sich Henning Schulte, Präsident des Luftsportverbandes Sachsen-Anhalt, gleich sein grünes T-Shirt überstreifen, als die Nachricht ihn erreicht hatte. Unter dem Wort „Faszination“ und den Kontinenten in Gelbton mit schwarzem Deutschlandpunkt steht darauf zu lesen: 36. WGC Stendal-Borstel. Die drei Buchstaben stehen für World Gliding Championships, also die Weltmeisterschaft der Segelflieger.

Seit Sonnabendnachmittag wussten Henning Schulte und einige andere von der super Nachricht für den Aero-Club Stendal, doch erst kurz vor Ende der Mitgliederversammlung am Sonntagvormittag ließen sie im positivsten Sinne die Bombe platzen. Am Samstag um 15.42 Uhr habe er eine E-Mail aus Budapest bekommen, berichtete Henning Schulte, darin stand: „Ja, wir wollen. Ja, wir müssen.“ Absender war Christof Geissler, der Vertreter der Bundeskommission Segelflug im Deutschen Aero Club in der International Gliding Commission (IGC), der Segelfliegerabteilung im Weltluftsportverband. Die tagte am Wochenende in Ungarns Hauptstadt.

Verein wurde mutiger

Mit nach Stendal gekommen war Wolfgang Müther, Präsident des Deutschen Aero Clubs. „Wir hoffen, dass die WM zu einer tollen Erfahrung wird und zu einem Aushängeschild“, sagte er und verband dies mit der Ankündigung, dass der Deutsche Aero Club sich finanziell beteiligen werde. „Wenn es läuft, dann hier bei euch. Macht weiter so“, gab es schon einmal Vorschusslorbeeren für die WM-Ausrichter 2020.

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Doch gerade mit der Tatsache, dass frühere Meisterschaften so erfolgreich auf dem Flugplatz Stendal-Borstel stattgefunden hatten, konnten die Altmärker vermutlich punkten. Die sehr gute Resonanz auf bisherige Wettkämpfe habe dem Verein „Mut gemacht und uns mutiger“, sagte Stendals Aero-Club-Vorsitzender Sieghard Geyhler. So mutig, dass nach der Zusage für die zweite Deutsche Segelflug-Meisterschaft, die im Juli in Stendal ausgetragen wird, die Bewerbung für eine internationale Meisterschaft angepeilt wurde – ermutigt von Mitgliedern der Bundeskommission Segelflug und vom Landes-Luftsportverband. Und so machte sich der Vorstand gemeinsam mit Vereinsmitglied Christoph Barniske an die Arbeit, formulierte die Bewerbung und legte zahlreiche Fotos bisheriger Wettkämpfe hinzu. Rechtzeitig zum Bewerbungsende am 30. September 2016 war das Schreiben in der Post.

Ungarn zweiter Bewerber

Bis zum Januar gab es mit Deutschland nur einen Bewerber, doch dann reichte Ungarn eine Bewerbung nach. So hatten die IGC-Mitglieder wirklich eine Wahl – und entschieden sich für Stendal-Borstel als Ausrichterort für die Offene Klasse, die 18-Meter-Klasse und die Doppelsitzer. Vermutlich Ende Juli, Anfang August 2020 wird der Wettkampf stattfinden, den Erfahrungen nach herrschen dann die besten thermischen Bedingungen. Erwartet werden etwa 120 Mannschaften aus etwa 20 Ländern.

„Wir können da wirklich eine Rakete zünden“, freut sich Henning Schulte auf die erneute Zusammenarbeit mit dem Stendaler Aero-Club. Bei ersten Gesprächen mit Landesministern sei von ihnen Unterstützung signalisiert worden.

Kreissportbund unterstützt

„Die WM sollte uns stolz machen und motivieren, weiter mitzumachen“, wandte sich Sieghard Geyhler an alle Vereinsmitglieder. Die sind schon im Juli bei der Deutsche Meisterschaft gefragt. Sie wird die Generalprobe für die WM sein – um zu testen, ob und wie sich der Hangar I für die Briefings (Einweisungen für die Piloten) eignet, wie die Aufstellung der Segelflugzeuge möglichst optimal erfolgen kann, was in der Ausstattung des Platzes noch fehlt.

Groß war die Freude auch bei Siegfried Wille, Vizepräsident des Kreissportbundes: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es in Stendal schon mal eine Weltmeisterschaft gegeben hat. Das ist wirklich toll.“ Er und KSB-Präsidentin Carola Schulz sagten dem Aero-Club am Sonntag spontan ihre Unterstützung zu. Zudem soll die Zusammenarbeit intensiviert werden, „um den Flugsport gemeinsam aus dem Nischendasein zu holen“, kündigte Sieghard Geyhler an.