Corona-Auswirkung

So holen Grundschüler in Stendal die ausgefallenen Schwimmstunden nach

In diesem und im vergangenen Schuljahr sind wegen Corona viele Schwimmstunden der Grundschüler in Stendal ausgefallen. Aus diesem Grund werden Crashkurse teils in den Sommerferien angeboten.

Von Leonie Dreier 14.07.2021, 16:46
Die Kinder der 4a der Ganztagsgrundschule in Stendal können nun alle sicher schwimmen. Die Klasse nutzte für den Unterricht das Außenbecken des Altoa in der Schillerstraße der Hansestadt.
Die Kinder der 4a der Ganztagsgrundschule in Stendal können nun alle sicher schwimmen. Die Klasse nutzte für den Unterricht das Außenbecken des Altoa in der Schillerstraße der Hansestadt. Foto: Leonie Dreier

Stendal - Das Thermometer zeigt am Morgen um 8.30 Uhr 17 Grad an. Der bedeckte Himmel kündigt Regen an. Kein Wetter, um freiwillig im Außenbecken des Altoa in Stendal seine Bahnen zu ziehen. Das sehen die Kinder der Klasse 4a der Stendaler Ganztagsgrundschule jedoch ganz anders. Sie freuen sich darüber, dass sie vor den Sommerferien schwimmen und tauchen dürfen. Schließlich sind in den vergangenen Monaten viele Unterrichtsstunden im Wasser wegen Corona ausgefallen.

„Schwimmen macht mir sogar sehr viel Spaß“, sagt der zehnjährige Jonas am Beckenrand. Er hat seit einer Woche das Schwimmabzeichen in Silber. Seine Mitschülerinnen Lilly (10) und Audrey (11) haben Bronze. Den beiden Mädels gefällt besonders das Tauchen. Die Kinder der vierten Klasse können nun alle dank eines Intensivkurses sicher schwimmen, sagt Petra Richter, die Schulleiterin.

Schulschwimmen: Stadt Stendal zahlt Eintritt und Bus

Normalerweise findet der Schwimmunterricht der Ganztagsgrundschule in der dritten Klasse statt. Dieser fiel aber im vergangenen Jahr wegen Corona sprichwörtlich ins Wasser und wurde nun nachgeholt. Beiden vierten Klassen standen in den vergangenen zwei Wochen jeweils zehn Wochenstunden zur Verfügung. Täglich waren die Klassen abwechselnd im Schwimmbad. „Die Eltern sind froh, dass wir das machen“, untermauert Petra Richter.

Dahingegen gehen die dritten Klassen der Grundschule einmal in der Woche dienstags schwimmen. „Die Stadt zahlt Eintritt und Bus“, erklärt die Lehrerin. 2019 hat Stendal für die Grundschulen rund 18.000 Euro ausgegeben, informiert André Projahn, Mitarbeiter der Pressestelle im Rathaus.

Die Grundschulen Juri Gagarin und Petrikirchhof nutzen ein anderes Modell als die Ganztagsschule, sagt Jurina Jungher, Schwimmkoordinatorin des Landkreises Stendal. Sie nutzen das ergänzende außerunterrichtliche Schwimmangebot des Landes für die Schüler der Grund-und Förderschulen sowie der fünften und sechsten Klassen der weiterführenden Schulen. Dafür stellte das Bildungsministerium 480.000 Euro bereit.

Die Kinder der 3b der Juri-Gagarin-Schule, die noch kein Seepferdchen haben, können dies in der letzten vollständigen Ferienwoche nachholen, erklärt Carolin Dobberkau, Schwimmlehrerin der Grundschule. Bei einem Crashkurs im Altoa sollen die Schüler jeden Vormittag von 9 Uhr bis 10.30 Uhr ihre Schwimmfähigkeiten ausbauen. Carolin Dobberkau und Susan Hennig, Klassenlehrerin der 3b, hoffen, dass dieser Weg effektiv sein wird. Die Pädagoginnen haben sich bewusst für dieses Modell entschieden, weil am Ende der Ferien alle Zeit haben, der Stundenplan nicht geändert werden muss und zudem kein Bus nötig ist. Denn die Eltern sollen ihre Kinder selbst zum Sport- und Freizeitbad bringen.

In einem Schulhalbjahr ohne Corona hätten der 3b 20 Schwimmstunden zugestanden. Zwölf sind ausgefallen und acht reichten nicht aus, damit alle Kinder das Seepferdchen bestehen, begründet Susan Henning das Zusatzangebot. Der 3a hingegen sind im ersten Halbjahr dieses Schuljahres circa fünf Schwimmstunden verloren gegangen. Diese werden nicht nachgeholt.

Die Petrikirchhof-Grundschule profitiert auch vom Schwimmangebot des Landes neben dem üblichen wöchentlichen Stunden. Rund 20 Kinder der dritten Klassen gehen in den ersten beiden vollen Ferienwochen jeden Vormittag zur gleichen Uhrzeit wie die Juri-Gagarin-Schule ins Altoa. Simone Schönburg und Simone Lucke, Sportlehrerinnen der Petrikirchhof-Grundschule, haben nicht lange über das Angebot des Landes nachgedacht und waren sich schnell einig, dass sie das nutzen wollen. Sie finden es wichtig, dass Kinder schwimmen können.

Schulschwimmen: Intensivkurs mit Wasserwacht in Möllenbeck

Daher werden die Viertklässler nicht vernachlässigt und für den Ausfall im vergangenen Jahr entschädigt. Sie starteten in ihrer letzten vollen Schulwoche in einen Intensivkurs zusammen mit der Wasserwacht in Möllenbeck bei Bismark.

Schon jetzt planen die drei Stendaler Grundschulen den Schwimmunterricht für ihre kommenden dritten Schuljahre. Obwohl die Corona-Lage ungewiss bleibt. Das Land wird weiterhin, solange es nötig ist, Geld für das zusätzliche Angebot im Haushalt einplanen, betont Tobias Kühne, Pressesprecher des Landesschulamts Sachsen-Anhalt. „Zweifellos waren die Einschränkungen durch die Schließungen der Schulen und der Bäder und Schwimmhallen erheblich.“ Er kann aktuell nicht beziffern, wie viele Kinder im aktuellen Schuljahr nicht richtig schwimmen gelernt haben.

Kommentar von Leonie Dreier zum zusätzlichen Schwimmangebot: Das Bildungsministerium des Landes geht mit dem Angebot in die richtige Richtung. Denn immer weniger Kinder können schwimmen, wenn sie eingeschult werden. Dabei ist Schwimmen genauso lebenswichtig, wie laufen. Wenn es hart auf hart kommt, kann es einem selbst und anderen das Leben retten. Die Grundschulen müssen den Mädchen und Jungen die Fähigkeiten im Wasser beibringen. Fällt der Unterricht dann noch bundesweit aus, hat diese Generation schlechte Karten. Später lernt es sich nicht leichter. Das gilt nicht nur fürs Schwimmen. Trotz des Angebots sollten die Eltern sich nicht darauf ausruhen, dass die Schule immer alles geradebiegt und versucht, die Defizite so gering, wie möglich zu halten. Eltern sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Kinder schwimmen können.