Stendal l Udo Schellin nutzt gern den öffentlichen Bahnverkehr. Von daheim fährt er mit seinem neuen Fahrrad zum Bahnhof, schließt es dort an. „Und dabei stoße ich dann auf vor langer Zeit zurückgelassene Fahrradleichen, um die sich offenbar niemand kümmert“, formulierte der Stendaler seinen Ärger in einer E-Mail an die Stadtverwaltung. Beim Überschlagen kam er schnell auf 20 bis 30 solcher „Fahrradleichen“. Und die stehen, ihrem Zustand nach zu urteilen, nicht erst seit einigen Tagen dort. Einige prägen seit Monaten wenig einladend das Bild am Unterstand.

Angemessene Frist soll abgewartet werden

Manchen fehlt nur das Vorderrad (in vielen Fällen vermutlich gestohlen), bei anderen ist es zwar da, aber mit einer Acht darin, andere haben nur einen Platten. An einige Fahrräder erinnern nur noch Reste, zum Beispiel der Rahmen mit Lenker und Gabel. „Ich habe bei diesem heruntergekommenen Anblick kein gutes Gefühl, ob ich wohl mein Fahrrad hier dazu stellen soll“, schrieb Udo Schellin an die Pressestelle des Rathauses.

Zuvor habe er telefonisch im Tiefbauamt und anschließend per E-Mail das Ordnungsamt über den Zustand informiert, dies sei aber ignoriert worden. Sein Fazit daraus: „Es ist niemand zuständig und hat obendrein auch keine Zeit für solche Nichtigkeiten.“

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Bisher noch kein Rad entfernt

Von Stadtsprecher Armin Fischbach hat er auf sein Schrei­ben nun aber eine Antwort bekommen: „Die Problematik der dort ausrangierten Fahrräder ist bekannt und auch der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Die grundsätzliche Problematik besteht darin, dass wir rechtlich zunächst davon ausgehen müssen, dass es sich bei den abgelegten Fahrrädern nach wie vor um das Eigentum derjenigen handelt, die sie dort zurückgelassen haben.“ Erst, wenn eine „angemessene Frist“ verstrichen ist, könne die Stadt die Fahrräder entfernen lassen. Die Herrn Schellin in Aussicht gestellte Kontrolle sei mittlerweile erfolgt, teilte Armin Fischbach auf Volksstimme-Nachfrage mit. „Wir haben aber bislang noch keines der Räder entfernen lassen. Nach Ablauf einer Frist gehen wir davon aus, dass die Fahrräder von ihrem Besitzer ausrangiert wurden und werden von uns entfernt“, so der Stadtsprecher.

Weil es logistisch uneffektiv und personell schwer zu leisten wäre, jedes Fahrrad einzeln zu kontrollieren und zu entfernen, soll es eine größere Aufräumaktion geben. „Noch im Frühjahr, vermutlich Ende Februar, Anfang März“, nannte Armin Fischbach den Zeitplan.