Stendal l Für ihren Antrag, dass Katzen kastriert beziehungsweise sterilisiert und mit einem Chip versehen werden müssen, wenn sie ins Freie dürfen, hat die Fraktion Linke/Grüne im Stendaler Stadtrat keine Mehrheit gefunden. Die Entscheidung darüber fiel während der Sitzung am Montagabend allerdings knapp aus: 18 Ja- zu 20 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Die Fraktion hatte folgende Änderungen in der Gefahrenabwehrverordnung beantragt: Katzenhalter sollen ihre Tiere von einem Tierarzt kastrieren/sterilisieren lassen, wenn ihnen Zugang ins Freie gewährt wird. Die schriftliche Bestätigung über die Kastration/Sterilisation muss während der Lebenszeit der Katze aufbewahrt und auf Verlangen vorgezeigt werden, zudem sollen Katzen ab einem Alter von fünf Monaten gechipt werden. Für die Zucht von Rassekatzen sollen Ausnahmen von der Kastrationspflicht möglich sein. Hätte der Stadtrat zugestimmt, wären von der Regelung Katzen betroffen, die nach dem 30. August 2021 geboren wurden.

Gespräche mit Tierschützern

Für diesen Antrag habe sich die Fraktion nach vielen Gesprächen mit Tierschützern entschieden, sagte Katrin Kunert (Linke): „Die Tierschützer schätzen ein, dass es zunehmend zum Problem wird.“ Langfristiges Ziel sei es, den Bestand der streunenden Katzen zu reduzieren, so Katrin Kunert.

Auch er habe Gespräche geführt, sagte Jörg Schwarzer (Bürger für Stendal). Deren Tenor: „Das Problem ist in Stendal gar nicht existent.“ Wegen der befürchteten zusätzlichen Bürokratie sprach er sich gegen den Antrag aus. Aber auch, weil die Kontrolle und Umsetzung praktisch schwer machbar seien. Zum Rosenmontag schloss er mit einem Kalauer: „Dat Ding ist für die Katz.“

Streunende Katzen in Stendal

Dass es direkt in der Kernstadt Stendal das Problem streunender Katzen nicht gibt, räumte Katrin Kunert ein. Aber in Randgebieten, zum Beispiel in leerstehenden Scheunen, gebe es das schon. „Nur weil man etwas nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht existiert“, so die Linke-Stadträtin. Der Antrag der Fraktion beruhe auf einer ausdrücklichen Bitte von Tierschützern, wiederholte sie.

Christian Röhl, Vorsitzender der Fraktion Freie Stadträte Stendal/Bürger für Stendal, plädierte dafür, dass der Antrag zurückgezogen und erst einmal die technische Umsetzung geprüft werden sollte. Ein Problem sieht er zum Beispiel darin, dass die Halter nicht verpflichtet sind, die Daten auf dem Chip zugänglich zu machen. Unterstützung dafür, den Antrag zurückzuziehen, bekam er von Reiner Instenberg (SPD): „Der Antrag führt ins Leere.“ Es sollte nach anderen Möglichkeiten der Aufklärung geschaut werden, um Katzenhalter zu motivieren, ihre Tiere kastrieren zu lassen.

„Wir ziehen den Antrag nicht zurück“, so der Linke/Grüne-Fraktionsvorsitzende Joachim Röxe, denn es mache Sinn, „jetzt Änderungen herbeizuführen, um vielleicht in zehn Jahren Erfolge zu sehen.“