Stendal l Der Unterricht in der Musik- und Kunstschule Stendal wird ab Januar 2020 teurer. Das jedenfalls sieht die neue Gebührenordnung der Schule vor, über die der Stadtrat am 14. Oktober zu beschließen hat. Zuvor berieten vorige Woche der Kultur- (5 Ja/4 Enthaltungen) und der Finanzausschuss (einstimmig) darüber – weitgehend diskussionsfrei und Nachvollziehbarkeit signalisierend.

Die Erhöhung der Unterrichtsgebühren soll dazu dienen, den Honorarkräften mehr Geld für ihre Arbeit zahlen zu können. Denn während es an der Schule elf feste Stellen gibt, sind dort immerhin 32 Honorarlehrer beschäftigt. „Sie kommen mittlerweile sogar aus Leipzig, Hannover oder Berlin zu uns, bekommen aber nicht ihre Fahrtkosten von uns bezahlt, sondern nur die reine Unterrichtszeit“, schildert Schulleiterin Maike Schymalla die Lage, um zu verdeutlichen, was für einen Aufwand diese Lehrer betreiben. Der lohne sich ab einem bestimmten Punkt jedoch nicht mehr.

Kaum Lehrer zu finden

Dass die Honorarkräfte zum Teil von weither kommen, liege darin begründet, dass man in Sachsen-Anhalt kaum noch fündig werde. „Wir haben in unserer Region die sehr spezielle Situation, dass aktuell in Magdeburg – als einzig nähergelegener Universitätsstadt – keine Musiklehrer- oder künstlerische Ausbildung mehr stattfindet, während sehr viele Musik- und allgemeinbildende Schulen in der Region Lehrende suchen.“

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Verschärft wird die Situation durch die Altersstruktur. In der Beschlussvorlage für den Stadtrat ist dies ausführlich formuliert: „Die Musik- und Kunstschule steht vor einem umfangreichen Generationswechsel, etwa ein Drittel des Kollegiums ist über 60 Jahre alt. In vielen Fächern war bzw. wäre eine gut qualifizierte Nachbesetzung aktuell schon nicht mehr oder nur sehr schwierig möglich. (...) Eine ganze Generation gut ausgebildeter Orchestermusiker mit Wohnsitz in der Altmark (ehemalige Mitglieder des Theaters der Altmark) geht nach und nach in den verdienten Ruhestand. Gleichzeitig herrscht ein flächendeckender Lehrermangel, der nach vielen Untersuchungen in den nächsten zehn Jahren eher noch zunehmen wird.“

Honorar steigt auf 30 Euro

Um auch in Zukunft ein qualitativ gutes Angebot für möglichst breite Bevölkerungsschichten anbieten zu können, sei die Honorarerhöhung Mittel der Wahl, „ohne zwingend neue Stellen schaffen zu müssen“. Wer gegen Honorar unterrichtet, tut dies in der Regel nicht als Hobby, sondern für den Lebensunterhalt. Darum „schlagen wir eine sehr deutliche Honorarerhöhung auf 30 Euro pro Unterrichtsstunde vor“, heißt es in der Vorlage. Derzeit sind es 20 Euro. „Wir sehen darin deshalb auch einen Zukunftsbeitrag als fairer, staatlicher Arbeitgeber.“

Am stärksten auswirken würde sich die Gebührenerhöhung für langjährige Schüler, die nicht die Landesförderung wahrnehmen. In deren Genuss kommt ab dem dritten Unterrichtsjahr, wer an Einzelunterricht plus Musiktheorie und Ensemblespiel sowie einem öffentlichen Vorspiel oder Konzert pro Jahr teilnimmt. Wer das nicht will, sondern einfach nur so Unterricht nehmen, zahlt mehr. Damit orientiere sich die Musik- und Kunstschule „viel stärker als bisher an ‚realen‘ Marktpreisen“ und finde dies auch gerecht. „Wir erhoffen uns damit zudem eine deutlich stärkere Lenkungswirkung hin zu dem pädagogisch – auch für Erwachsene – sehr sinnvollen vom Land geförderten Angebot“, erklärt Maike Schymalla. Denn es sei pädagogisches Landesziel, dass langjähriger Musikunterricht mit Ensemblespiel und theoretischem Grundwissen einhergehen sollte. „Besonders das Erleben von musikalischer Gemeinschaft im Ensemble halten wir für ein sehr zentrales und sinnvolles Ziel von Musikschule und Gesellschaft.“

Zuschuss vom Land

Die Mehrkosten in Höhe von rund 88.000 Euro (inkl. Beiträgen für die Künstlersozialkasse) je Schuljahr ließen sich eben einerseits durch die höheren Gebühren gegenfinanzieren, andererseits durch Landesfördermittel, wobei man hier auf die „seit Jahren geforderte Erhöhung“ hofft. Zum Vorschlag der Musik- und Kunstschule gehört des Weiteren die Überlegung, dass „natürlich auch eine Erhöhung des städtischen Zuschusses bei geringer Gebührenerhöhung denkbar“ wäre.

Die Musik- und Kunstschule Stendal sei seit Jahren sehr gut ausgelastet und die Nutzerzufriedenheit hoch. „Die Nachfrage war und ist in vielen zentralen Fächern höher als das Angebot an qualifizierten Lehrkräften im ländlichen Raum.“