Stendal l Das Theater der Altmark ist ein Gebäude, das in die Jahre gekommen ist und saniert werden soll, unter Federführung der Hansestadt Stendal. Daran will die Verwaltung auch festhalten, weil aus bauphysikalischer und energetischer Sicht die Gebäudekonstruktion und Anlagentechnik veraltet und nicht mehr zeitgemäß ist.

Ernergiensparen

Das vor rund 50 Jahren errichtete Theater in der Karlstraße ist von 1992 bis 1995 generalsaniert und umgebaut worden. Die Kosten lagen damals bei rund 34,5 Millionen DM, wie Dietmar Goergen in seinem Buch „Geschichte und Gegenwart des Theaters der Altmark“ berichtet.

Zwar sei laut Stadtverwaltung durch die hohe Einsatzbereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein der 70 Theater-Mitarbeiter der Energieverbrauch in den zurückliegenden Jahren massiv reduziert worden, dennoch sei eine Sanierung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik unabdingbar, um ein hohes Maß an Energie einsparen zu können. Wie die Pressestelle des Rathauses auf Volksstimme-Nachfrage weiter mitteilt, belaufen sich die jährlichen Energiekosten für das Theater auf rund 115.000 Euro.

Photovoltaik fürs Dach

Im Sanierungsplan sind Wärmedämmung unter ökologischen Gesichtspunkten für Fassade und Dach vorgesehen. Die alten Fenster sollen gegen moderne ausgetauscht werden, die ebenfalls zur besseren Wärmedämmung beitragen. Umfassend erneuert werden soll das Lüftungssystem. Zusätzlich sollen Leitungen im Bereich der Sanitäranlagen ausgetauscht und die Beleuchtung weitgehend auf LED-Technik umgestellt werden. Weiter ist geplant, auf dem Dach des Theaters eine Photovoltaikanlage zu installieren, um daraus für den Betrieb einen Teil des Stroms selbst zu produzieren.

Beginnen sollten die Arbeiten im Januar 2020 und bis November andauern. Wegen der Schließung für den Publikumsverkehr während der Bauzeit ist bereits vorbereitet, dass Aufführungen in der zweiten Hälfte der neuen Spielzeit in Ausweichstätten stattfinden.

Unterschiedliche Auffassungen

Der Ablauf wurde nun durchkreuzt. Er ist ins Stocken geraten, wie Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) bei der offiziellen Spielzeiteröffnung für 2019/2020 am Montag informierte.

Hauptgrund ist, dass der Eigenanteil der Stadt von 900.000 auf 1,6 Millionen Euro ansteigt und der Mehrbetrag nun vom Stadtrat erst noch beschlossen werden muss, um überhaupt an Fördergeld aus dem Stark-III-Programm zu kommen. Rund 3,5 Millionen Euro sollten es sein, nach Ansicht des Landesbaubetriebes sind die Gesamtkosten, die von der Stadt Stendal auf gegenwärtig 4,4 Millionen Euro geschätzt werden, nicht angemessen und förderfähig. „Es sind in Einzelpositionen Kürzungen und Streichungen vorgenommen worden“, so Rathaus-Pressesprecher Philipp Krüger.

Eilentscheidung fraglich

Rein rechnerisch kam der Landesbaubetrieb zum Ergebnis, dass bei einem Eigenanteil von 1,6 Millionen Euro, nur noch 2,8 Millionen Euro Fördergeld für die Sanierung zur Verfügung gestellt werden könnte. Dass sich die Einschätzung des Landesbaubetriebes nicht mit der Auffassung der Fachleute in der Hansestadt deckt beziehungsweise ihr zuwider läuft, damit habe man im Rathaus nicht gerechnet. Aus Sicht der Stendaler Verwaltung „liegt keine fehlerhafte Antragstellung vor“, so Krüger weiter.

Was nun tun? Der Stadtrat tagt offiziell erst am 9. September. Er könnte vorher eine Sondersitzung einberufen, um so früher über die Mehrausgabe zu entscheiden. „Theoretisch denkbar, praktisch wegen der gesamten Terminreihung kaum realistisch“, so Pressesprecher Philipp Krüger. Es sei zunächst noch zu klären, auf welche Weise das Geld für den zusätzlich erforderlichen Eigenanteil bereitgestellt werden kann. „Zudem wäre noch die Einholung der kommunalrechtlichen Stellungnahme zwingend erforderlich.“

Eine Splittung der Sanierung, um beispielsweise die alten Fenster auszutauschen oder andere notwendige Arbeiten zu realisieren, macht aus Sicht der Stadtverwaltung „keinen Sinn“. Eine solche Vorgehensweise werde als „nicht wirtschaftlich“ bewertet. „Wenn Sanierungsmaßnahmen am Theatergebäude durchgeführt werden, dann sollten diese voll umfänglich sein. Eine andere Verfahrensweise wäre in keinem Fall nachhaltig“, betont Krüger.