Stendal l Im Rathaus von Stendal ist die Bundesautobahn 14 längst angekommen. Ob zu Ausbauplänen oder zu Anträgen von Betrieben, die sich mit ihrem Know-how als Auftragnehmer beteiligen, jedes Mal ist auch die Stellungnahme der Stadtverwaltung gefragt. In erster Linie geht es dabei um die Einschätzung der Belastung für die Bürger wie diesmal im Umfeld des Kieswerkes Wischer und des Tagebaus bei Wittenmoor. Die Entscheidung über die Genehmigung trifft die Kreisbehörde.

Laut Information von Axel Achilles vom städtischen Planungsamt wird im Kieswerk Wischer gegenwärtig auf einem Südfeld Sand abgebaut. Nun beabsichtigt die Firma die Wiederaufnahme von unbelastetem Bodenaushub. Für die Verkippung soll eine zum Teil rekultivierte Fläche genutzt werden. Deshalb muss eine dort abgestellte Bauschutt-Recycling-Anlage einen neuen Standort auf dem Betriebsgelände erhalten. Laut Berechnung im Antrag hat die etwa 4,7 Hektar große Verkippungsfläche ein Einbauvolumen von rund 300.000 Tonnen. Diese Menge könnte in zirka sechs Jahren verkippt werden.

Auf zehn Jahre befristen

Im beantragten Sonderbetriebsplan (SBP) für die Aufnahme von Bodenaushob ist keine Befristung vorgesehen. Der SBP sollte enden, wenn die Antragsflächen voll verfüllt sind. Wie Achilles weiter informierte, spricht sich die Stadt Stendal jedoch für eine Befristung auf zehn Jahre aus. Falls die Flächen bis dahin nicht verfüllt sind, könnte eine Verlängerung beantragt werden.

Außerdem fordert die Stadtverwaltung eine Prognose über den zu erwartenden Lkw-Verkehr auf den umliegenden Straßen. Sie rechnet nämlich beim Pendeln der Laster zwischen Autobahn-Baustelle und Kieswerk mit einer erheblichen zusätzlichen Verkehrsbelastung, sowohl in Wischer und Arnim als auch in Staffelde. Die Daten für eine Belastungsberechnung könnten anhand der prognostizierten jährlichen Verfüllung von 50.000 Tonnen ermittelt werden.

Sandtagebau reaktivieren

Außerdem fehlt der Verwaltung im SBP eine Darstellung der Lärmimmissions-Prognosewerte der Brecheranlage und des Lkw-Verkehrs von und zur Brecheranlage am neuen Standort. Für die Rekultivierung wird eine konkrete Aufforstung mit Laub- und Nadelgehölzen für einen Mischwald gefordert.

Weniger Auflagen erteilt die Stadt Stendal dem Antrag der Matthäi GmbH & Co. KG. Sie beabsichtigt auf dem Tagebaugelände bei Wittenmoor etwa 350.000 Tonnen Material pro Jahr für den Straßenbau herzustellen. Natürliches Rhyolith-Gestein aus dem Steinbruch Flechtingen, rund 40.000 Tonnen jährlich, soll gebrochen mit Sanden der dortigen Lagerstätte gemischt und zur Verarbeitung zu den Baustellen transportiert werden. Das Material soll für die A-14-Abschnitte Colbitz-Lüderitz und Lüderitz-Uenglingen verwendet werden. Mit Fertigstellung der Abschnitte soll die Genehmigung für die Arbeiten im Tagebau Wittenmoor enden.

Zu berücksichtigen aus Sicht der Stadt Stendal sind laut Achilles die Begrenzung auf einen Einschicht-Betrieb der Brecher-Anlage, die Garantie, dass nach 20 Uhr kein Lkw-Verkehr mehr stattfindet, und eine Geschwindigkeitsbeschränkung in Wittenmoor und Vinzelberg. In den beiden Ortslagen mit ihren engen und kurvenreichen Straßen wird teilweise kein Begegnungsverkehr zweier Lkw möglich sein, heißt es in der Begründung.