Stendal l Etwas irritiert reagierten die Anwohner des Arnimer Damms vor einigen Wochen angesichts dessen, was sich vor ihrer Haustür abspielte. Eigentlich sollten doch die Bauarbeiten an der Brücke am Neuen Graben, über den eine wichtige Ausfallstraße führt, vorangehen. Die alte Brücke ist bekanntermaßen abgerissen worden, die Straße seit dem 12. März voll gesperrt.

Statt Betriebsamkeit herrschte auf der Baustelle seit dem 13. Mai Stillstand. Nichts ging mehr. Das ambitionierte Bauvorhaben ruhte für einige Wochen. Ein Neubau soll dort die in den 1960er Jahren errichtete Brücke ersetzen. Erst in dieser Woche werden die Arbeiten wieder aufgenommen.

Das alte Bauwerk genügte nicht mehr den Ansprüchen der Gegenwart. Schwerere Lkw und Baufahrzeuge durften sie nicht mehr passieren, weil sie auf eine Last von 16 Tonnen beschränkt war.

Eklatante Mängel

Bei einer turnusmäßigen Überprüfung waren die eklatanten Mängel zu Tage getreten und die eingeschränkte Tragfähigkeit festgestellt worden. Angesichts der Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe das Klärwerk befindet und der Arnimer Damm direkt zur Ortsumgehung/Bundesstraße 189 führt, ein untragbarer Zustand. Zudem nutzen viele Autofahrer die Strecke, um in die Ortsteile Staffelde und Arnim sowie ins Waldbad Wischer zu gelangen. Deshalb hatte der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig für den Neubau gestimmt. 557.000 Euro kostet das Projekt, finanziert zu 80 Prozent aus Fördermitteln des Landkreises.

Warum aber die Pause? Sind fehlerhafte Planungen schuld an der Unterbrechung? Oder können die beauftragten Firmen ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen? Droht eine Bauzeitverlängerung mit einer Steigerung der Kosten?

Material fehlt

Auf Nachfrage der Volksstimme gibt die Stadtverwaltung Entwarnung. Es stimme zwar, dass die Arbeiten seit dem 13. Mai nicht fortgesetzt werden konnten, ein genereller Baustopp sei jedoch nicht verhängt worden, gibt Armin Fischbach, Mitarbeiter der Pressestelle der Stadt Stendal, Auskunft. Sorgen der Anwohner, dass sich der Brückenbau zu einer Langzeitbaustelle mit explodierenden Kosten entwickelt, zerstreut er.

„Die Bauarbeiten ruhen momentan, da bestimmte Baumaterialien nicht wie vereinbart geliefert wurden“, nennt Fischbach den Grund. Demnach seien Spundwände nicht eingetroffen. „Der Lieferant hatte zunächst die ausführende Baufirma darüber informiert“, so Fischbach. Die Spundwände werden zur Sicherung von Baugruben verwendet. Fehlen sie, geht erst einmal nichts mehr. Drei Wochen wartete man auf die Lieferung. Die soll in Kürze endlich eintreffen. „In dieser Woche gehen die Arbeiten weiter“, kündigt Fischbach zumindest an.

Gesperrt bis Oktober

Zu erheblichen Verzögerungen beim Bauvorhaben führt der Material-Engpass nicht. Am ursprünglichen Zeitplan hält die Stadtverwaltung fest. Ende Oktober soll der Neubau abgeschlossen sein. Dann wird der Verkehr wieder ungehindert auf dem Arnimer Damm fließen. „Es bleibt beim bisher kommunizierten Termin für die Fertigstellung“, heißt es aus dem Rathaus unmissverständlich.

Genauso wenig werde der Kostenrahmen in Folge der dreiwöchigen Pause in irgendeiner Weise gesprengt. Da die Spundwände ohnehin schon im Finanzierungsplan enthalten waren, entstehen keine Mehrkosten. Die Fördergelder vom Landkreis fließen wie ursprünglich angedacht.

Für den Fußgängerverkehr und für Radfahrer ist vor Ort eine Behelfsbrücke errichtet worden. Das Nachsehen hat dagegen der motorisierte Verkehr. Er muss umgeleitet werden. Eine Sperrung war aufgrund der Konstruktion eines Stahlbetonrahmentragwerks nicht zu verhindern.