Stendal l „Mensch, die sind ja richtig weich. Da pflücke ich mir nachher gleich ein paar von ab“, freut sich Luisa Fischer am Montagnachmittag auf dem Campus der Hochschule beim Fototermin am Kiwi-Baum, zu dem sie regelmäßig schaut. Denn die heute 28-Jährige hat eine ganz besondere Beziehung zu ihm. „Unser Matrikel, also unser Studienjahrgang, hat den Baum vor Jahren gepflanzt“, erklärt die junge Frau, die von Beruf Kindheitswissenschaftlerin ist – eine von den „Kiwis“ also. So nennen sich die Studierenden im Bereich Angewandte Kindheitswissenschaften gern selbst. Bei Feiern gibt es Kiwi-Torte, auf dem Campus hat sich ein kleiner Kiwi-Vogel (natürlich als Modell) eingenistet.

Auch wenn eingenistet nicht das richtige Wort ist, auch Luisa Fischer hat auf dem Stendaler Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal einen Platz für sich gefunden. Nach dem Studium ist sie dort geblieben, hat eine Stelle im 2012 gegründeten Kompetenzzentrum Frühe Bildung angenommen. Denn schon während des Studiums von 2009 bis 2012 stand für sie fest: Forschung und Lehre, die Zusammenarbeit von Theorie und Praxis, das ist so richtig ihr Ding. „Die wissenschaftliche Arbeit macht mir sehr viel Spaß.“

Blick hinter Kulissen der Bundestagsarbeit

Das Kompetenzzentrum begleitet Projekte zum Beispiel in Kindereinrichtungen, betreut die Praxisforschung, arbeitet direkt mit den Praktikern in den Einrichtungen zusammen, unterbreitet Angebote der Aus- und Fortbildung. Die Mitarbeiter publizieren Fachartikel und geben eine eigene Buchreihe heraus. Luisa Fischers Fazit: „Der Theorie-Praxis-Transfer klappt sehr gut.“

In Magdeburg geboren und in Lostau aufgewachsen, liebäugelte Luisa Fischer schon recht früh mit einem Beruf, in dem sie mit und für Kinder und Jugendliche arbeiten kann. Sicher auch, weil ihre Mutter Erzieherin ist und sie so Einblicke in den Beruf bekam. Dennoch probierte sie sich während der Schulzeit und nach dem Abitur in anderen Bereichen aus, betreute einen Sportgruppe, absolvierte ein freiwilliges soziales Jahr Politik, moderierte beim Offenen Kanal Magdeburg ein interkulturelles Magazin. „Ich hatte schon immer großes geschichtliches und politischen Interesse“, sagt Luisa Fischer – und begründet damit auch ihr jetziges berufliches Themenfeld Kinderrechte. Darauf hatte sie im Studium ihren Fokus gelegt, auch ihre Hausarbeit zum Bachelorabschluss hatte damit zu tun: politische Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche.

Besuch bei der UN in Genf

Während eines Praktikums im Deutschen Bundestag bekam sie Einblicke in die Arbeit der Kinderkommission. „Es war interessant zu sehen, wie es ist, wenn im Bundestag an Gesetzen für Kinder gearbeitet wird.“ Darum, verrät sie, könnte sie sich in ein paar Jahren auch einen politischen Weg vorstellen – nicht in erster Reihe mit einem Mandat, vielmehr als Beraterin oder wissenschaftliche Mitarbeiterin.

2011 war sie dann mit Kommilitonen in Genf bei einer Sitzung des UN-Ausschusses für die Umsetzung der Kinderrechte. „Toll, was so ein kleiner Studiengang leisten kann“, sagt die Stendalerin und macht im Bericht gleich weiter mit dem Auslandspraktikum: Im Jahr 2012 bekam sie in Salzburg Einblicke in die Arbeit der Kinder- und Jugendanwaltschaft, einer staatlichen Vertretung für Kinder und Jugendliche, die es in jedem österreichischen Bundesland gibt.

Kindheitswissenschaft passt zu ihr

Luisa Fischer ist des Lobes voll über ihr Studium, auch darüber, wie es die Hochschule immer wieder schafft, sich nach außen zu öffnen, wie der Bereich Kindheitswissenschaften in die Region wirkt. Wie war sie eigentlich auf die Hochschule in Stendal aufmerksam geworden? Während des Freiwilligen-Jahres. Der Studiengang Angewandte Kindheitswissenschaften hatte sie neugierig gemacht, sie bewarb sich. „Ich konnte vorher gar nicht abschätzen, dass es so gut zu mir passt“, sagt die 28-Jährige rückblickend.

Es passe so gut zu ihr, weil in die Kindheitswissenschaften viele andere Bereiche einfließen, die Psychologie, die Soziologie und auch die Politik, nennt sie drei Beispiele. „Mir haben alle einzelnen Säulen immer Spaß gemacht, für mich macht es die Mischung. Ich finde es spannend, Kinder und Kindheit als Ganzes zu fassen“, sagt Luisa Fischer.

Sie sieht Weg in der Forschung

Sie fand es so spannend, dass sie nach dem Studium den Campus beruflich nicht verlassen hat und jetzt ein weiteres Studium folgen lässt: das vier Semester umfassende Masterstudium der Kindheitswissenschaften. „Ich sehe meinen persönlichen Weg in der Forschung“, sagt die 28-Jährige und schaut dabei schon weiter, eine möglich Promotion nicht ausgeschlossen.

Doch seit Oktober ist sie erst einmal wieder Studentin, absolviert ein Vollzeitstudium, arbeitet weiterhin auf einer halben Stelle 20 Stunden im Kompetenzzentrum. Und dann ist sie auch Mutter einer im vergangenen Jahr geborenen Tochter. Alles kein Problem an der Hochschule Magdeburg-Stendal, die als familienfreundlich zertifiziert ist. „Als berufstätige Mutter kann ich zum Beispiel die Vorlesungen besuchen, wenn meine Tochter in der Kita ist“, nennt Luisa Fischer ein Beispiel und fügt hinzu: „Wäre ich nicht schon hier, hätte ich mich für diese Hochschule beworben.“ Wegen der Familienfreundlichkeit, aber auch wegen der kurzen Wege in Stendal zwischen Arbeit, Hochschule, Kita und anderen Einrichtungen. Das mache Stendal für sie, ihre Ehefrau und die Tochter zum derzeit idealen Lebensort.