Behindertenpolitik

Tag der Inklusion stößt Gespräche über die Lage der Behindertenpolitik in Stendal an

Von Leon Zeitz
Annemarie Kock (links) besichtet den Apfelbaum der im Garten der Musik- und Kunstschule der Leiterin Maike Schymalla im Zeichen der Inklusion gepflanzt wurde.
Annemarie Kock (links) besichtet den Apfelbaum der im Garten der Musik- und Kunstschule der Leiterin Maike Schymalla im Zeichen der Inklusion gepflanzt wurde. Leon Zeitz

Stendal

Zu viel Kopfsteinpflaster auf den Straßen, zu wenige Nahverkehrsverbindungen zu den Dörfern. Die Hansestadt Stendal hat im Bereich Barrierefreiheit noch Nachholbedarf, sagt der Sonderpädagoge Dr. Carsten Rensinghoff. Generell sei die Behindertenpolitik der Stadt noch verbesserungswürdig. Zu groß ist die Kluft zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

„Dem Thema Behinderung kann leicht aus dem Weg gegangen werden. Man hält es sich fern, bis es einen selbst trifft.“ Carsten Rensinghoff weiß wovon er spricht. Seit 1982 lebt er aufgrund eines hirntraumatischen Ereignisses mit einer Schwerbehinderung. Schnell wurde ihm klar, dass er sich im Bereich der Sozialpädagogik bewegen möchte. „Besonders in meiner Schulzeit habe ich das Sonderleben erfahren und mein Ziel ist es, etwas zu ändern“, sagt der 52-Jährige.

Besonders wichtig ist für ihn , dass Menschen mit einer Behinderung aktiv in sozialpädagogische Ausbildungen mit einbezogen werden. „Die Inklusion Behinderter muss im beruflichen Feld auf allen Ebenen umgesetzt werden“, fordert der Doktor für Behindertenpädagogik.

Das Problem läge vor allem darin, dass häufig nur Integration praktiziert werden würde und nicht Inklusion. Der Unterschied zwischen den beiden Begriffen besteht darin, dass bei der Integration Behinderte zwar Teil ihrer Umwelt werden, sie sich jedoch an die vorherrschenden Umstände anpassen müssen. Die Inklusion hingegen fordert die Anpassung der Umwelt an die Bedürfnisse der behinderten Person.

Gleichstellung war auch am 5. Mai ein wichtiges Stichwort. Es wurde anlässlich des Tags der Inklusion an die Musik- und Kunstschule in Stendal ein Apfelbaum vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt (BSVSA) gespendet. Er soll ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen und daran erinnern, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Leben haben.

Auch Annemarie Kock, Leiterin der Beratungsstelle und der Bezirksgruppe des BSVSA äußert sich zu dem Thema Behindertenpolitik, als sie am 5. Mai den „Baum der Inklusion“ besichtigt. „Es läuft schon einiges gut, doch muss es mehr Teilhabemöglichkeiten in der Politik geben.“ Sie selbst lebt seit ihrer Geburt mit einer Sehbehinderung und hat viele Hindernisse überwinden müssen. „Die bürokratischen Hürden sind noch zu hoch. Es muss besonders auf die Gleichstellung geachtet werden“, betont Annemarie Kock.