Neues Schloss

Tangerhütter Heimatverein will mit 88.000-Euro-Projekt Schmuckstück im Gartenträume-Park wiederbeleben

Der Heimatverein in Tangerhütte will mit Spenden und einer Kreditaufnahme das Gartentraumcafé und die sogenannte Beletage des Tangerhütter Neuen Schlosses wieder nutzbar machen. Für das 88.000-Euro-Vorhaben soll bis Ende August ein Förderantrag gestellt werden. Voraussetzung ist aber eine Zustimmung durch den Stadtrat.

Von Birgit Schulze
Das Kaminzimmer der „Beletage“ im Neuen Schloss in Tangerhütte.
Das Kaminzimmer der „Beletage“ im Neuen Schloss in Tangerhütte. Foto: Birgit Schulze

Tangerhütte - „Wir wollen nicht weitere zwei Jahre Stillstand am Schloss“, so stiegt Sven Biermann, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Tangerhütte, im Hauptausschuss in die Vorstellung des Projekts im Hauptausschuss ein. Der Verein will mit Fördergeld aus der europäischen Gemeinschaftsinitiative „Leader“ unter anderem das seit 2019 wegen Hygienemängeln und Brandschutzauflagen gesperrte Café im Neuen Schloss wiederbeleben. Denn er hat schon in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld in das Schloss gesteckt.

Und er will nicht nur das Café im Erdgeschoss wiederbeleben: Auch eine Gastro-Küche soll eingerichtet, der Flur zu den sanitären Anlagen hergerichtet werden. Darüber hinaus soll auch in der so genannten Beletage – der ehemaligen Wohnetage der Fabrikantenfamilie Wagenführ – einiges passieren.

Bisher nicht für Veranstaltungen freigegeben

Dort war bisher eine Nutzung als Veranstaltungsort schwierig, weil es bereits vor Jahren eine Einschätzung des Bauordnungsamtes gegeben hatte, die das Gebäude als reines Wohngebäude und nicht für den Publikumsverkehr eingestuft hatte.

Inzwischen gab es aber eine erneute Begehung mit Brandschutzbeauftragten und die nun geforderten baulichen Veränderungen sollen im Rahmen des geförderten Projektes mit umgesetzt werden. Sven Biermann sprach von der Nutzbarmachung des Wintergartens, des Festsaales, der Bibliothek und des Kaminzimmers, aber auch des Bridgezimmers und weiterer drei Räume auf dieser Etage.

Versammlungen, Symposien, Lesungen und mehr

Geplant seien Versammlungen, Eheschließungen (bisher schon möglich), Führungen, Symposien, Lesungen, Workshops, aber auch Vermietungen zur privaten Nutzung. Das Schloss wieder nutzbar zu machen, sei auch mit Blick auf das Marken-Netzwerk „Gartenträume“, in dem Tangerhütte Mitglied ist, wichtig, so Biermann.

Der Festsaal im Neuen Schloss in Tangerhütte.
Der Festsaal im Neuen Schloss in Tangerhütte.
Foto: Birgit Schulze

Um überhaupt Geld beantragen zu können und die geplante Spendensammlung für rund 22 000 Euro zu starten, brauche es aber eine Nutzungsvereinbarung mit der Kommune als Eigentümerin des Schlosses. Ein erster Schritt dorthin wäre die formale Unterstützung des Vorhabens durch den Stadtrat, so Biermann.

Die weitere Sanierung des Schlosses aber ist in Stadtratskreisen nicht unumstritten, vor allem weil immer wieder der Vergleich zum Kulturhaus gezogen wird, in das bisher keine Fördermittel geflossen sind. Die kurzfristig beantragte Aufnahme des Projekts Gartentraumcafé in den Haushaltsplan 2021 war im März, als der Haushalt beschlossen wurde, im Stadtrat mit fehlender Mehrheit (10 zu 10 Stimmen) abgelehnt worden. Daraufhin hatte der Heimatverein eine eigene Projektskizze für die Leader-Förderung in diesem Jahr eingereicht. Für das Projekt Gartentraumcafé war schon 2019 durch die Kommune Leader-Fördergeld (Gesamtumfang 120 000 Euro) beantragt worden, das Projekt war dann aber 2020 nicht bewilligt worden.

Nutzungskonzept fürs Neue Schloss gefordert

Für ein mögliches Nutzungskonzept, das in der Vergangenheit aus dem Stadtrat heraus immer wieder gefordert worden war, habe man schon mit anderen Tangerhütter Vereinen gesprochen, so Biermann. Voraussetzung, um bis zum Stichtag 31. August den Antrag auf Förderung zu stellen, sei eine „Billigung“ des Vorhabens durch den Stadtrat, machte Biermann deutlich. Immerhin wird der Verein nicht nur gezielt Spenden sammeln, sondern auch einen Kredit zur Überbrückung der Baukosten bis zur Abrechnung der Fördermittel benötigen.

Weil das Thema nicht auf der Tagesordnung von Hauptausschuss und Stadtrat in diesem Monat vorgesehen war, erteilte Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) dem Verein im Rahmen der Informationen des Ausschussvorsitzenden das Rederecht. „Ich finde es toll, was der Heimatverein da vorhat“, sagte Stadtrat Wolfgang Kinszorra (WG Zukunft) im Anschluss, forderte mit Blick auf weitere Sanierungsvorhaben (Dorfgemeinschaftshaus Bellingen und Kulturhaus Tangerhütte), aber auch eine Empfehlung der Verwaltung.

Drei Kulturtempel in Tangerhütte?

„Wir wollen wissen, ob wir uns drei solcher Kulturtempel leisten können“, sagte er. Bürgermeister Andreas Brohm antwortete: „Diese Frage stellt sich nicht, weil alle drei Objekte bereits da sind.“ Grundsätzlich gebe es den politischen Willen, das Kulturhaus zu erhalten, aber auch für die Sanierung in Bellingen und am Neuen Schloss seien in der Vergangenheit schon zustimmende Beschlüsse gefasst worden, betonte er.

Werner Jacob (CDU) sprach die erneute Begehung des Schlosses an und forderte Auskunft dazu von der Verwaltung. „Bisher war unser Stand, dass das Schloss für öffentliche Veranstaltungen gesperrt ist. Es wäre schön, wen wir auch den neuen Kenntnisstand in unsere Entscheidungen einfließen lassen könnten“, sagte er. Bürgermeister Andreas Brohm erläuterte, dass es inzwischen eine „andere Sichtweise“ auf das Objekt gebe. Es sei als historisches Gebäude eingestuft worden und die Umsetzung der Vorgaben sei demnach auch „niederschwelliger“ möglich. Steffi Kraemer (SPD) forderte dazu auf, die unterschiedlichen Gebäude nicht miteinander zu vergleichen. „Der Heimatverein kümmert sich darum, das Schloss wieder begehbar zu machen. Das ist zu unterstützen!“

Das seit 2015 betriebene Bürgercafé in der Remise des Neuen Schlosses wurde 2019 gesperrt.
Das seit 2015 betriebene Bürgercafé in der Remise des Neuen Schlosses wurde 2019 gesperrt.
Foto: Birgit Schulze
Der Flur soll als Verbindung zwischen Café und Sanitäranlagen hergerichtet werden.
Der Flur soll als Verbindung zwischen Café und Sanitäranlagen hergerichtet werden.
Foto: Birgit Schulze