Stendal l Goethes „Faust“ steht für die neue Spielzeit zwar nicht auf dem Plan, Mephistos Feststellung im Studierzimmer: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum“ könnte einem aber doch zur Begrüßung von Paul Worms über die Lippen kommen. Passend wäre es. Denn in einigen Wochen wird der 23-Jährige das Grau der Theorie, wird er die Babelsberger Film­universität hinter sich lassen und gegen das blühende Grün der Praxis am Stendaler Theater eintauschen. „Für mich war immer klar, dass ich schnell ans Theater und in den Beruf will“, sagt der Absolvent. Auch wenn ihm das Studium das Schauspiel-Handwerk vermittelt habe, „erst durch die Arbeit lernt man, wie der Beruf funktioniert“. Lernen durch Tun.

Gab nie einen Plan B

In Sachen Schauspiel hat er schon vieles getan, um zu lernen – seit früher Kindheit. „Einen Plan B hat es nie gegeben“, sagt der gebürtige Zeitzer, der in Halle/Saale aufgewachsen ist. Seinen Eltern hat er, als es an die Berufswahl ging, angekündigt: „Ich mache Schauspiel, solange ich es kann und Spaß daran habe.“

Als Schüler der siebten Klasse stand er erstmals auf der Bühne, war in Inszenierungen des Jugendklubs im Neuen Theater Halle dabei, gehörte zu denen, die die „Bude – Kinder- und Jugendtheater“ aufgebaut haben. Nach der Schule ging Paul Worms nach Delitzsch an eine private Schauspielschule, entschied sich aber nach einem Jahr, dort seine Zelte abzubrechen. Er bewarb sich in Leipzig und Potsdam-Babelsberg, bekam die Zusage von der Film­universität „Konrad Wolf“. Das war vor vier Jahren, jetzt steht er kurz vor dem Abschluss.

Kommilitonin wird Kollegin

Zu seinen Studienkolleginnen gehört Siri Wiedenbusch, die eine gute Freundin ist, zeitweise Mitbewohnerin war und bald Kollegin sein wird. Auch sie kommt als neues Ensemblemitglied ans TdA. Bekanntes Terrain, denn als Gast war sie in dieser Spielzeit in Fontanes „Effi Briest“ zu sehen. Sie erzählte davon ihren Kommilitonen, Paul Worms hörte interessiert zu. Als Siri Wiedenbusch ihm dann noch berichtete, dass das Theater der Altmark für die kommende Spielzeit einen jungen Mann für sein Ensemble suche, fügte er den vielen Bewerbungen, die er deutschlandweit verschickt hat, noch eine mit Adresse Stendal hinzu. Auch, weil er gern zurück nach Sachsen-Anhalt wollte, weil er im Osten bleiben will.

„Ich bin schon sehr gespannt auf Stendal, ich brenne wirklich dafür“, versichert der 23-Jährige. Er freue sich auf die Zeit, in der das Theater keine Baustelle mehr ist ,und darauf, Stendal richtig kennenzulernen. „Es ist eine sehr urige und lebendige Stadt, das gefällt mir sehr gut.“

Sechs Rollen geplant

Dass er nach dem Studium an einem kleineren Theater beginnt, sieht Paul Worms eher als Vorteil. Denn in einem kleinen Ensemble sei man mehr gefordert. „Ich wollte immer durch das Tun in den Beruf kommen.“ Zu tun haben wird er in der nächsten Spielzeit auf jeden Fall, nach jetzigem Stand steht sein Name für sechs Inszenierungen auf der Besetzungsliste. Los geht es im Oktober mit der szenischen Lesung „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ nach dem Kinderbuch von Gioconda Belli, für Ende November ist die Premiere von „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ geplant. Viele Möglichkeiten, die graue Theorie zur Praxis werden zu lassen – in Grün und vielen anderen Farben.

Eigene Drehbücher

Vor allem wird Paul Worms das als Schauspieler machen, doch eine andere Sparte seiner Ausbildung möchte er dabei nicht ganz aus dem Auge verlieren – das Bearbeiten von Stücken und das Verfassen eigener. Schon in seiner Hallenser Zeit hat er eigene Drehbücher geschrieben, auch eine „Krabat“-Theaterfassung. In Babelsberg folgten Bücher für Kurzfilme. Auch wenn er das eher als Hobby sieht, „ist es vor allem beim Film ganz gut, wenn man sich mit allem auskennt“.